BIP und Staatsverschuldung

Hallo,

wenn man das BIP eines Landes betrachtet, müsste man dieses - damit es aussagekräftiger wird - nicht mit der Zunahme der Staatsverschuldung in Verbindung setzen?

Es ist ja meistens so, dass Gläubiger des Staates nicht selten Ausländer sind. Wenn jetzt der Staat durch die Staatsverschuldung den Staatskonsum kräftig anregt, steigt auch das BIP dieses Landes. Nun haben aber nicht die Inländer selbst zur Steigerung des BIP beigetragen, sondern die Ausländer, in dem sie den Staat Geld zur Verfügung gestellt haben, auf Grund dessen der erhöhte Staatskonsum und damit die Zunahme des BIP erst ermöglicht wurde. Dies gilt aber auch für alle inländischen Unternehmen, die sich Geld aus dem Ausland für die eigene Produktion beschaffen, oder? Wird dadurch nicht das BIP verzerrt, weil eigentlich dem Ausland Zunahme zuzuschreiben wäre?

Vielen Dank

Martin Unterholzner

Hallo Martin,

ja , ich schon wieder -)

Meiner Meinung nach der große Fehler sämtlicher Keynesianischer Nachfragetherorie, die Annahme, Ersparnis würde immer im ökonomischen Nirvana verschwinden. Dem ist aber nicht so. Sprich, die zusätzliche Nachfrage aus den Staatsschulden ersetzt nur den Nachfrageausfall aus der hierfür notwendigen Ersparniss. Es gibt keine Schulden ohne Guthaben. Soweit der Fall ohne Auslandsbeteiligung.

Wenn nun die Staatsschulden ( können theoretisch aber auch Privatschulden sein ) ganz oder teilweise netto in ausländischer Hand sind, muss, um dies überhaupt zu erreichen, ein Leistungsbilanzdefizit vorliegen, in gleicher Höhe. Das bedeutet, der Teil der Staatsschulden, der ins Ausland fließt führt nicht zu einer Steigerung des BIP da in gleicher Höhe ausländische Waren und Dienstleistungen importiert werden, die nicht in die BIP-Berechnung ( BIP= Summe der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen ) eingehen.

Beste Grüße

Eric

Hallo,

wenn man das BIP eines Landes betrachtet, müsste man dieses -
damit es aussagekräftiger wird - nicht mit der Zunahme der
Staatsverschuldung in Verbindung setzen?

Nein.

BIP ist der Wert aller im Inland ( … Binnenland, innerhalb von Staatsgrenzen etc… ) hergestellten Waren und Dienstleistungen.

Staatsverschuldung hat damit nichts - gar nichts ! - zu tun.

Es ist ja meistens so, dass Gläubiger des Staates nicht selten
Ausländer sind.

Korrekt.

Wenn jetzt der Staat durch die Staatsverschuldung den Staatskonsum kräftig anregt, steigt auch das BIP dieses Landes.

Nicht zwangsläufig. Du verwechselst Konsum mit BIP. Beides hat nur bedingt miteinander zu tun: Verschuldung jedoch zunächst gar nichts.

Nun haben aber nicht die Inländer selbst zur Steigerung des BIP beigetragen, sondern die Ausländer, in dem sie den Staat Geld zur Verfügung gestellt haben, auf Grund […]

Einer der Kausalfehler in Deiner Gedankenwelt

dessen der erhöhte Staatskonsum und damit die
Zunahme des BIP erst ermöglicht wurde.

Nochmal: Konsum und BIP sind nur bedingt abhängig. Staatskonsum hat nur bedingt mit BIP, geschweige denn mit der sog. Binnennachfrage ( =staatsbereinigt ! ) Inlandskonsum ( = Inlandsverbrauch ) zu tun.

Dies gilt aber auch für
alle inländischen Unternehmen, die sich Geld aus dem Ausland
für die eigene Produktion beschaffen, oder? Wird dadurch nicht
das BIP verzerrt, weil eigentlich dem Ausland Zunahme
zuzuschreiben wäre?

Nein. BIP hat nichts - gar nichts - mit Verschuldung - egal welcher Herkunft die Schulden sind - zu tun. Verwechsle bitte nicht „BIP“ mit Leistungs- oder Außenhandelbilanz.

Vielen Dank

Bitte sehr.

Gruß
-Klugscheißer-