wir haben mal wieder einen Streit mit unserem Nachbarn.
Ich muss vorweg sagen, unser Garten lebt recht natürlich vor sich her, aus seinem werden sogar Vögel vertrieben.
Jetzt hängt er mir an, unser Birnbaum träge irgend welche Schädlinge, die in seinem Kriechwachholder überwintern würden. Und diesen, nach meinem Dafürhalten über 8qm gesunden Gewächs, den Garaus gemacht hätten.
Das hat ihm die Gärtnerin erzählt, die für 3000 Euro seinen Vorgarten neu gestaltet hat.
Jetzt hätte ich gerne Fakten!
Was für ein Insekt wechselt zwischen Birnbaum und Wacholder und killt dabei den Wacholder.
Auch wenn ich wütend bin, ehrliche Antworten sind natürlich erwünscht.
nuja, was Dein Nachbar sagt, is natürlich nur eine Seite der Medaille.
Und recht hat er auch nicht.
Es wird sich in diesem Falle um Birnengitterrost handeln.
Das is ein fieser Pilz, der im Sommer eben Birnbäume infiziert, im Winter am Wachholder überdauert, der dann wiederum im Sommer den Birnbaum erneut infiziert. Die Sporen verbreiten sich über mehrere Kilometer. Quelle bist also sicher nicht zwangsläufig Du bzw. Dein Baum. Zwischen dem und dem Wacholder Deines Nachbarn geht der Pilz jetzt aber hin und her wie bei nem Pingpong-Spiel.
Taktisch wäre es wohl am besten, den Wacholder zu entfernen und zu vernichten (verbrennen), dann gehts Deinem Birnbaum auch besser, da er nicht jedes Frühjahr massiv mit Sporen aus Nachbars Vorzeigegarten bestäubt wird.
Also kurzum, Dein Baum ist nicht die Quelle sondern sein Wacholder, den er zu entfernen hat, weil er krank ist.
der Pilz heißt Birnengitterrost (Gymnosporangium fuscum)
wenn Sommerwirt Birne oder Winterwirt Wacholder an Birnengitterrost eingehen sollen, müssen die Pflanzen schon aus anderem Grund ganz erheblich geschwächt sein (z.B. Pflanzen à la mode in ein Schotterbett, als wären sie Eisenbahnsignale, und exzessives „Sauberhalten“ mit Herbiziden). Birnengitterrost bringt einen Wacholder nicht mal eben so um.
…diese Nachbarn mit den nagelscheren- und staubsaugergepflegten Ödfreiflächen aus Thuja, Kriechwacholder, Skelettrosen und Forsythien, Totrasen und dem Riesenkanister Roundup!
Und diese Friedhofsgärtner!
Einer von denen hat meiner Schwiegermutter mal im Winter unsere gesamten Hainbuchen und alle Stauden für „hinüber“ erklärt.
Wir waren für mehrere Monate in anderen Zuhause. Gottseidank hat Schwiegermama ihn nicht „machen lassen“
Keep on rocking!
Jo
mit 1x englischem Cottage-Garten und 1x südafrikanischem Fynbos-Bougainvillea-Palmen-Garten sehr bunt und chemiefrei glücklich—und die Tiere auch
Jetzt hängt er mir an, unser Birnbaum träge irgend welche
Schädlinge, die in seinem Kriechwachholder überwintern würden.
Und diesen, nach meinem Dafürhalten über 8qm gesunden Gewächs,
den Garaus gemacht hätten.
Du erfährst alles Wichtige über den Birnengitterrost auf Wikipedia. Und die Frage, ob Birnbaum oder Wacholder der „Schuldige“ sei, ist ungefähr so sinnvoll wie die Frage, ob Henne oder Ei zuerst da war.
Früher galt ein Birnbaum als wertvoll, weil er Nahrungsmittel liefert. Wacholder hat man an weit von Ortschaften entfernte Waldränder und Schafweiden verbannt. Seit es Birnen nur noch vakuumverpackt im Supermarkt gibt und Gärten bloß noch Zierde sind, wird halt anders gewertet.
In meinem sehr naturnahen großen Garten hat der Kriechwacholder Gitterrost, obwohl weit und breit kein Birnbaum steht - und ist davon seit 18 Jahren nicht eingegangen. Der Säulenwacholder ist frei von Befall.
Wacholder hat man an weit von Ortschaften entfernte
Waldränder und Schafweiden verbannt.
das glaube ich nicht.
Wacholder kam ganz schlicht auf Obstwiesen und in Obstgärten nicht vor. Und Birnengitterrost mindert die Erträge kaum.
Der Zusammenhang Sommerwirt/Winterwirt für Birnengitterrost ist übrigens erst seit dem allerjüngsten Stückchen „Früher“, wann immer „früher“ auch gewesen sein mag, bekannt.
Wir haben hier direkt nebenan ein Neubaugebiet bekommen.
Ich bin glückselig. Nun wird er dort seine Weisheiten, nicht nur in Sachen Garten, weitergeben können (Er hat die Lösung für die Eurokrise parat, sei dir sicher). Endlich werden die Unbillen in seinem Garten nicht mehr nur aus unserem kommen!
mit der Buckelspritze besuche ich meine Spalierbirne jedes Frühjahr zwei oder drei Mal: Beim Knospenschwellen, kurz vor dem Öffnen der Blüten und kurz nach dem Abblühen.
In der Buckelspritze ist eines der harmlosesten Pflanzenschutzmittel überhaupt: Eine Lösung von Netzschwefel. Die Birne hat bloß bei ausgesprochenem Pilzwetter im Sommer manchmal ein paar einzelne rote Flecken.
Wahrscheinlich ist Schwefel dem Nachbarn viel zu banal, eventuell auch zu billig, und die Kartonpackungen sehen auch eher langweilig aus - aber wenn er seinem Wacholder die Birnengitterrost-Beulen ersparen will, könnte er das ja auch mal probieren.
Hallo Peter! Diesmal muss ich Dir widersprechen - zumindest teilweise…
also (hier in den Muschelkalkgegenden) sind „Richtung Waldrand“ sehr wohl Wacholder zwischen Obstbäumen zu sehen…
… aber es geht trotzdem weder der eine noch der andere hops…
-> aber wen den bösen Nachbar die paar „Nubbies“ auf seinem heiligen Wachholder nun mal stören…
(wenn das nicht: solche Leute finden auch was anderes… - eine meiner „Freunde“ knickt mir immer einfach die (seiner Meinung) störenden Zweig ab, bis auf Armlänge auf MEINER Seite des Zauns…)
-> dem zum Gefallen schneid ich nix ab, ällabätsch…
Es wurde, so ich im Überfliegen gesehen habe, noch nicht erwähnt, daß der einheimische Wacholder den Pilz NICHT beherbergt!!!
Zwischenwirte sind ausschließlich die ausländischen Arten, darum sollte man bei der Anpflanzung unbedingt aufs Sortenetikett achten und nur Formen von Juniperus communis anpflanzen.
Auch von dieser Art gibt es mehrere Zierformen, es ist also kein Problem auf pilzfreie Pflanzen auszuweichen.
Ein qualifizierter Gärtner sollte sowas aber wissen und in seinem Betrieb passende Pflanzen vorrätig haben. ;o)
Viel Spaß mit dem Nachbarn.
Ich habe auch einen ‚Naturgarten‘. ;o)