Bismarks politisches Werk: positiv oder negativ?

kleine Ergänzung
hi Reiko
dann sind wir uns wohl einig… bis auf die Wortwahl *g*

Eine kleine Ergänzung:
Der Befehl der Marineleitung zum Auslaufen zum Kampf erfolgte gegen den Willen der Regierung und wahrscheinlich auch gegen den Willen der Obersten Heeresleitung. Somit beging das Marinekommando HOCHVERRAT, der Widerstand der Matrosen war also keine Meuterei im Sinne des Gesetzes. (Wird häufig, gerade in „linken“ Geschichtsbüchern unter den Teppich gekehrt)

Gruss,
Mike

Also, ich habe den hierauf folgenden Thread bis zum „Verpackungsproblem“ mit Interesse verfolgt und sehe, dass das alles nur von der persönlichen Meinung (konservativ, liberal, … ) abhängt, nur ein Streit um Worte ist.
Ich meine, „formal“ hat Hafenmaus natürlich recht, „faktisch“ Michael. Hafenmaus darf sich dann allerdings auch nicht beschweren, dass Mfs-Offiziere Rente kriegen, die (formalen) Gesetze sind nun mal so, da kann man nix machen, faktisch ist das nur schwer zu ertragen und ein Schlag ins Gesicht der Opfer.
Formal war das ein Waffenstillstand und Vertrag, dem D zugestimmt hat. Faktisch war das eine Kapitulation: D konnte zum Versailler Vertrag keine Wünsche äußern, geschweige denn Bedingungen stellen (so gesehen kam es schon fast einer bedingungslosen Kapitulation nahe!). Selbst die USA waren nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk nicht mehr bereit, das zu akzeptieren. Dieser Vertrag hat alle Bemühungen um einen Verständigungsfrieden zunichte gemacht. „Ein Eroberungs- und Gewaltfriede, wie es ihn in der neueren Geschichte noch nicht gegeben hatte“ („Der lange Weg nach Westen - Deutsche Geschichte“, Heinrich August Winkler, C.H.Beck, 2000). Daran gemessen war der Versailler Vertrag noch milde, wie Michael schon ausdrückte, die „Information zur politischen Bildung“ (Nr. 261, 4. Quartal 1998, also ein Organ der Bundesregierung noch zu CDU-Zeiten!) drücken es drastischer aus: „Vergleicht man den Vertrag von Versailles mit dem Friedensvertrag von B.-L., … so wurde D von den Siegermächten durchaus glinpflich behandelt.“
Was hat das mit Bismarck zu tun? Hat dieser Krieg Ursachen in der Bismarcksche Politik? Lassen wir das den Historikern, darüber zu diskutieren. Manche sagen, Bismarck hätte diesen Krieg nicht angefangen, mag sein. Aussenpolitisch war er einer der Größten, „dem Innenpolitiker diese historische Größe zu bescheinigen, … wird kaum einem Historiker in den Sinn kommen.“ (H.A. Winkler). Da liegt wohl die eigentliche Krux der Bismarckschen Politik: Er war ein rücksichtsloser Machtpolitiker und Taktierer. „Bismarck hat der Nation das Rückgrat gebrochen“, sagte der berühmte Historiker Theodor Mommsen 1902.
Gruss, Stucki

Hallo Mike,
schau mal in meine Antwort an Hafenmaus
Gruss, Stucki

Ich meine, „formal“ hat Hafenmaus natürlich recht, „faktisch“
Michael. Hafenmaus darf sich dann allerdings auch nicht
beschweren, dass Mfs-Offiziere Rente kriegen,

Ähm, hab ich das? Kann mich nicht errinnern…

CIAo

hi Reiko
dann sind wir uns wohl einig… bis auf die Wortwahl *g*

Siehst, klappt auch mal zwischen uns…*ggg*

Gruss

Reiko

Falsche Einschätzung

Das schlimmste an der politik Bismarcks war sein militarismus,
seine verherrlichung von militärischer gewalt, oder wie er
sich auszudrücken beliebte, von „eisen und blut“.

Moment! Bismarck war im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ein geradezu pazifistischer Mensch. Er war schwer darum bemüht, mit allen Staaten von Europa friedliche Bündnisse zu schließen (bis auf Frankreich). Am Ende seiner Amtszeit, war Deutschland außenpolitisch gefestigter als je zuvor. Erst Kaiser Wilhelm II. schafte es, diese Allianzen (wie z.B. mit England und Rußland) aufzulösen, so das am Ende nur der Dreibund mit Italien und Österreich übrig blieb.

Diese erblast hat auf ziemlich direktem wege in den Ersten
Weltkrieg geführt,

Falsch: Bismark wollte keinen militärischen Krieg, sondern diplomatisch Frankreich isolieren.

und die in Deutschland unverstandene

niederlage der deutschen militaristen, die sich bereits im
Sept. 1914 abzeichnete

Mit dem ersten Weltkrieg hatte nun Bismark nix zu tun. Das war das Werk des Kaisers, der Bismark 24 Jahre vorher absetzte.

hat dann auch

den weg in faschismus und II. Weltkrieg gewiesen.

Der Versailer Vertrag nach Ende des ersten Weltkrieges wurde später von den Faschisten als Aufhänger benutzt, um Haß auf die Alliierten im deutschen Volk zu sähen. Fakt ist aber, als die Nazis an die Macht kamen, bestanden faktisch kaum noch Schulden des deutschen Reiches. Es war reine Propaganda.

Seine außenpolitik kann gar nicht so topp gewesen sein; dazu
muss man sich ansehen, wie die meisten Franzosen Bismarck und
sein Reich gehasst haben.

Bismark war gar nicht darauf aus, mit Frankreich sich auszusöhnen. Für die meisten Menschen der damaligen Zeit waren beide Staaten Erbfeinde. Es ist aber historisch bewiesen, daß Staaten wie Großbritanien es zutiefst bedauerten, daß der große Diplomat aus seinem Amt gedrängt wurde. (Es gibt da eine englische Karrikatur, in der man einen deutschen Dampfer sieht und Bismark das Schiff verläßt. Darunter steht: „Der Lotse geht von Bord.“ Will heißen, Deutschland wird nun als Führerlos bezeichnet)

Ein kluger machtpolitiker hätte es

verstanden, diesen hass zu vermeiden oder wenigstens
abzumildern.

Bis auf die Franzosen hatte kein Staat damals Haß auf die Deutschen.

Q.E.D.

Stefan

Bismark ist der Begründer unseres
heutigen Sozialstaates. Krankenversicherung,
Rentenversicherung, usw., so etwas hat der damalige
Reichskanzler eingeführt. Man muss einfach mal sehen, dass die
Soziale Absicherung die wir heute haben, auf Bismarks
Anstrengungen hin aufgbaut wurden

Stimmt! Nicht nur die heute (zu recht) negativ bewerteten Sozialistengesetze beruhen auf Bismark, sondern auch die heute unheimlich positiv bewerteten Sozialgesetze.

Zuckerbrot und Peitsche halt. So war er nun mal.

Stefan.

Tach auch,

Moment! Die Deutschen sind im I.WK nicht militärisch
geschlagen worden, sondern auf dem Papier. Was sich im Sep. 14
abzeichnete, spielte 18 keine Rolle. Uabhängig davon, ob die
Deutschen den I.WK gewonnen hätten oder nicht, sie haben ihn
miltiärisch gesehen nicht verloren! Sie haben ihn politisch
verloren!

Doch bitte nicht die alte Dolchstosslegende. Fakt ist doch, dass Deutschland nach unbestrittenen Anfangserfolgen 1914/15 spätestens nach dem Desaster von Verdun und den enormen Verlusten an der Somme weder von Menschen noch von Material in der Lage war, den Krieg zu gewinnen. Nachdem im Juni 1915 mit Beginn der 1. Isonzoschlacht in Italien ein dritte Front eröffnet wurde, brach der Bündnispartner Österreich weg. Dem mehr oder weniger überraschenden Grosseinsatz von Panzern in Cambrai 1917 hatte die deutsche Armee nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Bereits 1917 musste das deutsche Heer wegen Mangel an Material und Menschen kampflos(!) bis in die Siegfriedstellung zurückweichen. Die letzte deutsche Offensive im Mai 1918 brachte anfangs tatsächlich noch Geländegewinne, kam aber bald gegen die Übermacht von Franzosen, Briten und Amerikanern zum Stehen. Danach befand sich Deutschland nur noch in Rückzugsgefechten. Der Kriegseintritt der USA war das endgültige Ende des deutschen Heeres. Aufgrund ihres enormen Potentials an Kriegsmaterial konnten sich die Amerikaner erlauben, am ersten Tag ihrer Offensive eine Million Granaten auf die deutschen Stellungen zu verschiessen…
Hindenburg und Ludendorff haben „bereits“ im Oktober 1918 die Parteiführungen informiert, dass eine militärische Niederlage unausweichlich sei. Das deutsche Heer war nach vier Jahren Krieg unter einer dilletantischen Heeresführung, nach katastrophalen Verlusten in den (von der OHL teilw. selbst inszenierten) Materialschlachten, durch den eklatanten Mangel an Rohstoffen, einfach nicht in der Lage, einen militärischen Sieg über die „Westmächte“ zu erringen.

Das lässt sich in den Publikationen der Heeresleitung, in den Kriegserinnerungen von Ludendorff und Hindenburg, in jedem Geschichtsbuch nachlesen. Dolchstoss, Novemberverbrecher und ähnliches sind Propagandalügen des kleinen Gefreiten.

hat dann auch
den weg in faschismus und II. Weltkrieg gewiesen.

Fast. Da spielten auch andere Faktoren wie die
Weltwirtschaftskrise, die hohe Arbeitlosigkeit und die
instabile politische Situation in der Weimarer Republik eine
nicht unwichtige Rolle.

Das ist wohl absolut richtig.

Gruss
Peter

Hallo Stefan, ein paar anmerkungen:

Moment! Bismarck war im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ein
geradezu pazifistischer Mensch. Er war schwer darum bemüht,
mit allen Staaten von Europa friedliche Bündnisse zu schließen
(bis auf Frankreich).

Der „pazifist“ Bismarck ist überhaupt nur preuß. kanzler geworden, um eine massive aufrüstung (die sog. heeresreform) gegen die liberalen im parlament durchzusetzen. Dann hat er ohne die geringsten skrupel drei kriege angezettelt (Dt.-Dän. Krieg 1864, Preuß.-Österr. Krieg 1866, Dt.-Frz. Krieg 1870/71) und, um die Franzosen bis aufs blut zu reizen, das Deutsche Reich auch noch ausgerechnet in Versailles proklamieren lassen. Nebenher hat er die Commune-revolution in Paris in ihrem eigenen blut ersticken lassen. Die gräber der communarden kann man heute noch auf dem friedhof Père Lachaise sehen.

Falsch: Bismark wollte keinen militärischen Krieg…

Warum hat er dann seine kriege geführt?

Mit dem ersten Weltkrieg hatte nun Bismark nix zu tun.

Meine these ist ja gerade, dass Bismarck den militarismus, die verherrlichung der militärischen gewalt in Deutschland maßgeblich eingeführt hat. Er selbst hat davon gesprochen, dass die geschichte mit „eisen und blut“ geschrieben wird. Und aus diesem militaristischen denken heraus ist später auch der I. Weltkrieg entstanden.

Bismark war gar nicht darauf aus, mit Frankreich sich
auszusöhnen. Für die meisten Menschen der damaligen Zeit waren
beide Staaten Erbfeinde.

Eben. Bismarck war aber nicht irgendein mensch, sondern ein besonders mächtiger und besonders verehrter. Als solcher hätte er klüger sein müssen als „die meisten“. Es hat auch damals schon eine menge menschen gegeben, die das dumme geschwätz von der erbfeindschaft als solches entlarvt haben (z.b. August Bebel). Warum wird ein mann heute noch verehrt, der diese dummheiten nicht nur mitgemacht, sondern ganz maßgeblich mitgestaltet hat?

Das fragt sich Jens

Hallo Mike,

(mal ein neues „Gesicht“ *g*)

was bedeutet eigentlich dieses *g*? Grins? Ich lächle zurück.

Also, 1914 war der 1 WK wohl noch nicht verloren.

Er war es. Generalstabschef v. Falkenhayn sagte ende 1914 dem Reichskanzler, der krieg sei „eigentlich verloren“, die deutsche armee „ein zerbrochenes instrument“.
Die deutschen militaristen wollten den zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland gewinnen, indem sie Frankreich in kurzer zeit, d.h. in zwei, drei monaten komplett schlagen, ehe Russland seine kräfte mobilisiert hätte (Schlieffen-plan). Das war ihre einzige chance. Und diese chance war eigentlich bereits im August 1914 vertan, weil die Russen überraschend schnell in Ostpreußen waren. Und dann endgültig im September, nach der niederlage an der Marne.
Danach konnten die Deutschen den krieg nicht mehr gewinnen, weil England, Frankreich und Russland zusammen eben einfach viel stärker waren als Deutschland und Österreich. Später kamen noch Italien und die USA hinzu. Wer in einer solchen situation krieg führt und den krieg verlängert, gehört eigentlich als landesverräter in den kerker.

Gruß von Jens

Ciao!
Wieso steht hier das gleiche wie oben bei Stefan Tigger?
Ich habe oben drauf geantwortet.

Gruß von Jens

Hallo Peter!

Fakt ist doch,
dass Deutschland nach unbestrittenen Anfangserfolgen 1914/15

Zu den „erfolgen“ von 1914 habe ich weiter oben was reingeschrieben (Stichw. niederlage 1914/18).

Dolchstoss, Novemberverbrecher und
ähnliches sind Propagandalügen des kleinen Gefreiten.

Nicht nur! Das waren zunächst mal propagandalügen von Hindenburg und Ludendorff, groß verbreitet 1919 und von allen Deutschnationalen nachgebetet bis zum gehtnichtmehr. Sogar Ebert hat mit dazu beigetragen mit seiner begrüßungsrede für die Berliner soldaten der westfront, anf. Dez. 1918, als er sagte, die deutsche armee sei „im felde unbesiegt“ geblieben.

Gruß von Jens

Hi Jens

was bedeutet eigentlich dieses *g*? Grins? Ich lächle zurück.

Genau, *g* bedeutet grins *bg*

Na, wann der I WW endgültig verloren war, darüber lässt sich streiten. Meineserachtens war der damalige Generalstab auch nicht der intelligenteste…

1914 Scheiterte das „Blitzkriegskonzept“ und die Ausage der Generalstäbler beruhte darauf, das demnächst die Sprengstoffherstellung mangels Rohstoffe nicht mehr möglich wäre (das wussten natürlich auch die Aliierten) Das Problem wurde „Dank“ mod. Chemie behoben.

Immerhin gelang es den Deutschen samt ihren Aliierten, Russland vernichtend zu schlagen, Italien eine Niederlage nach der anderen zu verpassen und 1917 die Franz. Armee so zu demoralisiern, dass es zu Streiks und Befehlsverweigerungen kam.
Aber die Diskussion führt eigentlich von Bismark weg und passt besser ins Militärgeschichteboard, find ich

Gruss
Mike

.

Bismarks Bündnisse
Hi Stefan

Na ja, über den „Pazifismus“ Bismarks muss ich mich nicht weiter auslassen, insbesondere der Krieg 1866 war das Musterbeispiel eines Agressionskrieges. (N.B. dabei riss sich Bismark das Vermögen des Königs von Westfalen unter den Nagel, den er als „Reptilienfond“ zur Beeinflussung der Zeitungen einsetzte…)
das er nach der deutschen Einigung weitere Kriege ablehnte, lag einfach daran, das Deutschland nichts mehr gewinnen konnte. Er sagte ja immer, deutschland sei Saturiert, und es müsse Schluss sein mit den ewigen Gebietsansprüchen… Der Wunschtraum jedes erfolgreichen Bankräubers.

Sein Bündnisssystem Ruhte auf zwei Säulen,
1., Dem guten Verhältniss zu Russland, dem er insgeheim zusicherte, seine Balkanambitionen zu unterstützen (der Rückversicherungsvertrag)
2. Dem guten Verhältniss zu Österreich/Ungarn, dem er Hilfe bei einem Russischen Angriff zusagte (Zweibundvertrag & Tripelallianz)

Der Clou an der Sache ist, dass die österreichischen und russischen Ambitionen auf dem Balkan wiedersprüchlicher Natur waren, und damit praktisch andauernd zu Ärger führten. Die beiden Bündnisse standen in einem eklatanten Widersruch zueinander, und so etwas kann nicht gutgehen. Dieses Bündnisssystem würde bei einer ernsten Verstimmung zwischen Ö. und Russland umgehend in die Brüche gehen.

Das Bedeutete, das sich D irgendwann einmal entscheiden musste, wer weiter unterstützt wird.
Der natürliche Verbündete der „fallengelassenen“ Nation war dann Frankreich.

(Das wg der unglaublich sinnlosen Marinepolitik Wilhelm des Letzten auch England in die Reihe der Gegner Deutschlands getrieben wurde, steht auf einem anderen Blatt)

Und jetzt die Preisfrage: wieso hassten die Franzosen die Deutschen? Wegen Elsass-Lothringen!
Und wer setzte sich für die Annektion ein? Bismark!

Die ganze Sache lässt sich nicht rational erklären, auch das Verhalten Bismarks ist rätselhaft. Noch 1868 sorgte er für einen maßvollen Frieden mit Österreich, wegen einer zukünftigen zusammenarbeit. Der Diktatfriede mit Frankreich schloss eine zukünftige Verständigung aus.
Wirklich sehr weitblickend.

Im übrigen kämpfte Frankreich nach Nap. III Sturz nur wegen Elsass-Lothringen weiter, Ohne diese verfl. Annektion wäre der Krieg praktisch sofort zu Ende gewesen.
Gruss
Mike

Hallo!
Ich finde es merkwürdig, dass in Deutschland die echten Revolutionen von Konservativen gemacht werden statt von Linken bzw. Bürgerlichen wie anderswo (Frankreich 1789, Parlamentarismus in England, Verfassung der USA usw.) Bismarcks kleindeutsche Lösung, seine Sozialgesetzgebung, Adenauers Westintegration, Erhards Soziale Marktwirtschaft, ja sogar die Deutsche Einheit durch Kohl und die DDR-Bürger ist ja ein zutiefst konservatives und dezidiert anti-sozialistisches Projekt gewesen (quasi eine Konterrevolution). Woran liegt das ?
Könnte es daran liegen, dass sie Ideen der dt. Linken quer durch die Jahrhunderte nicht mehrheitsfähig waren und sind, weil schlicht zu utopisch und teils zu hirnrissig???
Gegen die marxistischen Umsturzpläne der damaligen Linken hatte Bismarck leichtes Spiel (wer will schon expropriiert und liquidiert werden?). Adenauers Konzept der Westintegration hat das damalige SPD-Konzept der Einheit der Nation sowie die SPD-Stimmen bei Wahlen atomisiert. Der Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft hat die irrealen sozialistischen Vorstellungen der SPD und der KPD nach 1945 (wie auch ähnliche Vorstellungen in der Frühphase der CDU) pulverisiert. Dass die SPD lieber auf die Macht verzichtete als Schmidt’s Nachrüstung mitzumachen ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, denn gerade die sog. Nachrüstung hat die UdSSR in den Ruin getrieben und Gorbi zum Konkursverwalter eines „Obervolta plus Atomraketen“ gemacht (wie ein Franzose die UdSSR mal treffend charakterisierte). In 1989 lag die dt. Linke aus SPD und GRÜNEN dann mal wieder falsch, als sie die DDR erhalten und die Russen an der Elbe halten wollte - ein Ziel, dass außer den SED-Bonzen und der Führung der Roten Armee niemand mehr verfolgte.
Ergo: Weil imn Deutschland die Linke stets völlig utopisch und weltfremd - wenn auch stets unter dem Beifall des Feuilletons - agiert hat, müssen wir mit rechten Revolutionären leben.
frank

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Nein, war auch nur ein Vergleich, der die Richtung Deiner Argumentation zeigen sollte - eben der Unterschied „formal“ und „faktisch“.
Gruss

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

der begriff ‚revolution‘…
passt nirgendwo. deutschland war im prinzip immer ein land der „revolution von oben“, d.h. keiner echten revolution, sondern anpassung der regierungen an die bedürfnisse des volkes.
das gilt für 1848, bismarcks sozialgesetze und auch für den neuzeitlichen kurs.
selbst die sog. revolution von 1919 war m.e. keine echte revolution, da die alten machtcliquen, besonders in der reichswehr immer noch staatstragende positionen inne hatten.
allerdings war das jetzt die einzige „revolution“, die diesen namen annähernd verdient gehabt hätte, weil zumindest eine ganze neue, demokratische verfassung ausgearbeitet wurde… und sie wurden von der linken durchgeführt.

Dolchstoss (etwas länger)
Hallo zusammen,

Dolchstoss, Novemberverbrecher und ähnliches sind
Propagandalügen des kleinen Gefreiten.

So ganz wohl nicht, vielleicht hast Du nur das kleine Wörtchen „für“ vergessen: Also „für den kleinen Gefreiten“, und natürlich „für die Bevölkerung“. Der Begriff wurde eindeutig von den damaligen „Militärdiktatoren“ erfunden. Ich zitiere die „Politischen Informationen“ der Bundesregierung (Nr. 261, 4. Quartal 1998, also noch zu CDU-Zeiten!) S. 20, dort heisst es: „Mitte 1919 klagte Ludendorff in einem Gespräch mit dem Chef der britischen Militärmission, Generalmajor Malcolm, über die mangelnde Unterstützung der deutschen Front durch die Heimat im letzten Kriegsjahr. ‚You mean that you were stabbed in the back?‘ fragte Malcolm erstaunt zurück. Diese Formulierung griff Ludendorff sofort auf: ‚Ja, genau das. Man hat uns einen Dolchstoß in den Rücken versetzt.‘ Dies war (auch wenn sich der Begriff bis zum Dezember 1918 zurückdatieren läßt) die eigentliche Geburt der berüchtigten sogenannten Dolchstoßlegende.“ Es folgen noch die (öffentlichen) Aussagen Hindenburgs, die „ungeheures Aufsehen“ erregten, und die in die gleiche Richtung gehen. Der gelungene Versuch, vor Kriegsende eine republikanische Regierung ins Amt zu setzen, „damit die dann (in Friedensverhandlungen) die Suppe auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben“ zeigt ja in die gleiche Richtung. Das Militär und die politische Führung konnten einfach nicht verkraften, dass sie den Krieg verloren hatten! Eine kleine Einsicht gab’s bei Ludendorff, der 1919 sagte, dass „Amerika die kriegsentscheidende Macht war“ (Pol. Inf.). Nebenbei gesagt ist es bemerkenswert, „dass Amerika in den entscheidenden Wochen vor und während des Krieges in den Kabinetten aller beteiligten Mächte nicht die geringste Rolle spielte!“ (sinngemäß, Marion Gräfin Dönhoff in DIE ZEIT). Und den Zorn dieser Macht zog sich die noch in Kategorien „Ehre“, „Heldentod“ usw. denkende Führung endgültig durch den unbedingten U-Boot-Krieg zu! Wirklich diletantisch!

Fast. Da spielten auch andere Faktoren wie die
Weltwirtschaftskrise, die hohe Arbeitlosigkeit und die
instabile politische Situation in der Weimarer Republik eine
nicht unwichtige Rolle.

Das ist wohl absolut richtig.

Zum Teil. Weltwirtschaftskrise, hohe Arbeitlosigkeit hatten auch andere. Die instabile politische Situation in der Weimarer Republik wurde ja insbesondere von der alten Aristokratie, der Rechten und vom Militär erzeugt, die, wie ich schon sagte, sich nicht mit der Niederlage abfinden konnten und wollten. Erfolge auf politischen, kulturellen und wissenschaftlich-technischen Gebieten wollte man nicht wahrhaben, ignorierte man schlicht und einfach. Man denke nur daran, dass D schnell wieder führend wurde auf vielen wissenschaftlichen Gebieten (Physik, Luftfahrt u.a.), dass Deutsch die „lingua franca“ auf vielen wissenschaftlichen Gebieten war, d.h. der Sprache, in der Publikationen weltweit (!) gemacht wurden, das viele Amerikaner in D studiert hatten, weil dort DIE Universitäten waren, dass 1931 die LETZTEN Reparationszahlungen geleistet wurden, lange vor dem vertraglichen Ende! Bereits Mitte der 20er Jahre beschäftigte sich die Reichswehr mit Plänen eines Revanchekrieges, teilweise im Geheimen, an der Regierung vorbei! Exakte Studien wurden angefertigt, in welchem Zeitraum welche Kräfte aufgebaut werden müssen, welche Infrastruktur und Wirtschaftsleistung dafür erforderlich ist. Man kam zu dem Ergebnis, dass das etwa Ende der 30er so weit sein könnte!!! Hitler brauchte also nur noch auszuführen, was bestens vorbereitet war (Artikel in DIE ZEIT vor einigen Jahren). Es ist einfach unsäglich und es kommen einem Wut und Tränen darüber, wie und was damals durch diese Leute alles kapputt gemacht wurde! Leider spielen da auch die Institutionen eine unsägliche Rolle, die sonst das Wort „Frieden“ so vollmundig benutzen: die Kirchen. Auch von ihren massgeblichen Vertretern hat man nichts gehört, was nach „haltet ein, haltet ein, denkt doch auch an die Menschen!“ klingt - nichts, nichts, nichts! Nur von „Gott und Vaterland“ haben sie viel geredet. Aber das führt nun endgültig von Thema „Bismarck“ weg …
Gruss, Stucki

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deutschland war im prinzip immer ein land der
„revolution von oben“,

… und wie war das 1989? In diesem kindischen Parteingezänk geht die überragende Rolle des Volkes (Montagsdemonstrationen) völlig unter. Nur wenige Politiker wie Genscher und Rau haben das deutlich gemacht.