Dolchstoss (etwas länger)
Hallo zusammen,
Dolchstoss, Novemberverbrecher und ähnliches sind
Propagandalügen des kleinen Gefreiten.
So ganz wohl nicht, vielleicht hast Du nur das kleine Wörtchen „für“ vergessen: Also „für den kleinen Gefreiten“, und natürlich „für die Bevölkerung“. Der Begriff wurde eindeutig von den damaligen „Militärdiktatoren“ erfunden. Ich zitiere die „Politischen Informationen“ der Bundesregierung (Nr. 261, 4. Quartal 1998, also noch zu CDU-Zeiten!) S. 20, dort heisst es: „Mitte 1919 klagte Ludendorff in einem Gespräch mit dem Chef der britischen Militärmission, Generalmajor Malcolm, über die mangelnde Unterstützung der deutschen Front durch die Heimat im letzten Kriegsjahr. ‚You mean that you were stabbed in the back?‘ fragte Malcolm erstaunt zurück. Diese Formulierung griff Ludendorff sofort auf: ‚Ja, genau das. Man hat uns einen Dolchstoß in den Rücken versetzt.‘ Dies war (auch wenn sich der Begriff bis zum Dezember 1918 zurückdatieren läßt) die eigentliche Geburt der berüchtigten sogenannten Dolchstoßlegende.“ Es folgen noch die (öffentlichen) Aussagen Hindenburgs, die „ungeheures Aufsehen“ erregten, und die in die gleiche Richtung gehen. Der gelungene Versuch, vor Kriegsende eine republikanische Regierung ins Amt zu setzen, „damit die dann (in Friedensverhandlungen) die Suppe auslöffeln, die sie uns eingebrockt haben“ zeigt ja in die gleiche Richtung. Das Militär und die politische Führung konnten einfach nicht verkraften, dass sie den Krieg verloren hatten! Eine kleine Einsicht gab’s bei Ludendorff, der 1919 sagte, dass „Amerika die kriegsentscheidende Macht war“ (Pol. Inf.). Nebenbei gesagt ist es bemerkenswert, „dass Amerika in den entscheidenden Wochen vor und während des Krieges in den Kabinetten aller beteiligten Mächte nicht die geringste Rolle spielte!“ (sinngemäß, Marion Gräfin Dönhoff in DIE ZEIT). Und den Zorn dieser Macht zog sich die noch in Kategorien „Ehre“, „Heldentod“ usw. denkende Führung endgültig durch den unbedingten U-Boot-Krieg zu! Wirklich diletantisch!
Fast. Da spielten auch andere Faktoren wie die
Weltwirtschaftskrise, die hohe Arbeitlosigkeit und die
instabile politische Situation in der Weimarer Republik eine
nicht unwichtige Rolle.
Das ist wohl absolut richtig.
Zum Teil. Weltwirtschaftskrise, hohe Arbeitlosigkeit hatten auch andere. Die instabile politische Situation in der Weimarer Republik wurde ja insbesondere von der alten Aristokratie, der Rechten und vom Militär erzeugt, die, wie ich schon sagte, sich nicht mit der Niederlage abfinden konnten und wollten. Erfolge auf politischen, kulturellen und wissenschaftlich-technischen Gebieten wollte man nicht wahrhaben, ignorierte man schlicht und einfach. Man denke nur daran, dass D schnell wieder führend wurde auf vielen wissenschaftlichen Gebieten (Physik, Luftfahrt u.a.), dass Deutsch die „lingua franca“ auf vielen wissenschaftlichen Gebieten war, d.h. der Sprache, in der Publikationen weltweit (!) gemacht wurden, das viele Amerikaner in D studiert hatten, weil dort DIE Universitäten waren, dass 1931 die LETZTEN Reparationszahlungen geleistet wurden, lange vor dem vertraglichen Ende! Bereits Mitte der 20er Jahre beschäftigte sich die Reichswehr mit Plänen eines Revanchekrieges, teilweise im Geheimen, an der Regierung vorbei! Exakte Studien wurden angefertigt, in welchem Zeitraum welche Kräfte aufgebaut werden müssen, welche Infrastruktur und Wirtschaftsleistung dafür erforderlich ist. Man kam zu dem Ergebnis, dass das etwa Ende der 30er so weit sein könnte!!! Hitler brauchte also nur noch auszuführen, was bestens vorbereitet war (Artikel in DIE ZEIT vor einigen Jahren). Es ist einfach unsäglich und es kommen einem Wut und Tränen darüber, wie und was damals durch diese Leute alles kapputt gemacht wurde! Leider spielen da auch die Institutionen eine unsägliche Rolle, die sonst das Wort „Frieden“ so vollmundig benutzen: die Kirchen. Auch von ihren massgeblichen Vertretern hat man nichts gehört, was nach „haltet ein, haltet ein, denkt doch auch an die Menschen!“ klingt - nichts, nichts, nichts! Nur von „Gott und Vaterland“ haben sie viel geredet. Aber das führt nun endgültig von Thema „Bismarck“ weg …
Gruss, Stucki