Hallo Diana,
auch von mir ein großes Minus wegen der Verwendung passiver Sätze… Du schreibst nicht als Mitarbeiterin einer Behörde (‚Sie werden gebeten‘ oder gar ‚Es wird gebeten‘) an einen Park- oder Steuersünder - Du schreibst an Deinen potentiellen Arbeitgeber, an einen Menschen. Und Du hast a) nur eine Möglichkeit und b) maximal anderthalb Seiten, um den Personaler sozusagen an den Rand des Einstellungs-Orgasmus zu bringen und ihn ‚Jaaaa! Genau DIE und keine Andere will ich für diesen Job!‘ schreien zu lassen… *g*
Mit Deinem vorläufigen Dein Entwurf wird es eher nix. Eine Bewerbung ist Eigen-PR und eine der wichtigsten Arten von PR überhaupt. Dein PR-Konzept ist - pardon, daß ich es so hart ausdrücke - langweilig, angestaubt und - na ja… irgendwie tot. Bekäme ich diese Bewerbung auf den Tisch, hätte ich eine farblose, graue Akademiker-Maus vor Augen. Nicht unbedingt die Art von Bewerbung, die Lust auf mehr - lies: auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch - macht.
Einige Beispiele:
Ihre Offerte
In Österreich vielleicht, in Deutschland vielleicht auch - als Vorstandsmitglied bei einer seeehr konservativen Bank.
in Kürze werde ich mein Magisterstudium in den Fächern
Wie definierst Du ‚Kürze‘? Das ist eine abstrakte Größe, mit der ein Arbeitgeber nur selten etwas anfangen kann… Wenn man im 18. Semester studiert, ist ‚vielleicht in zwei Jahren‘ auch ‚in Kürze‘.
Wieso nennst Du das Kind nicht beim Namen? Also: ‚in x Monaten‘ oder ‚im [Monat][Jahr]‘, meinethalber auch ‚im [Jahreszeit][Jahr]‘.
Mitarbeiterin stellen, werden durch die Inhalte meines
Studiums erfüllt.
Ähem… Wer bewirbt sich denn nun um die Stelle? Du oder die Inhalte Deines Studiums???
Konzepterstellung, Datenanalyse sowie die
Durchführung von Interviews waren nur einige Schwerpunkte meines Studiums
Analytische Fähigkeiten,
Lernwille, Fleiß und Präzision sind eine selbstverständliche
Arbeitsbasis für mich.
Lernwille und Fleiß? Das ist jetzt nicht Dein Ernst! Das läuft nicht einmal unter ‚soft skills‘ - es sind Selbstverständlichkeiten. Wer faul oder lernunwillig (Ausnahme: ‚schnelle Auffassungsgabe‘ zählt durchaus zu den ‚soft skills‘) ist, fliegt raus, fertig.
Mit ihrem gestellten Charakterprofil für die Tätigkeit der
Research Analyst kann ich mich in vollster Weise
identifizieren.
Was passiert, wenn Du ein Glas vollstens füllt? Genau, es schwappt über! Was ich damit sagen will: Experten sind der Meinung, daß man sich mit einem Stellenprofil (in welcher Hinsicht auch immer) zu maximal 85 % identifizieren kann; die Realität liegt bei 50-70 %. Behauptet jemand, dem Profil (oder das Profil ihm) zu 100 % zu entsprechen, lügt er.
Im Rahmen meines bislang eineinhalbjährigen
sozialen Engagements bewährte ich mich sowohl als
selbstständige Kursleiterin als auch als Teammitarbeiterin.
Integrationsfähigkeit, Sozialkompetenz, Begeisterungsfähigkeit
und Empathie sind zentrale Eigenschaften meiner Person.
Nein, nein, nein!!! Jemand, der über all diese Eigenschaften zu verfügen meint, behauptet nicht, sie wären Eigenschaften seiner Person. Warum nicht etwas in der Richtung: ‚Seit x Jahren engagiere ich mich in sozialen Projekten [evtl.: deren Schwerpunkt in … liegt]. Meine Sozialkompetenz, Begeisterungsfähigkeit, Empathie, whatever, konnte ich unter anderem als Kursleiterin beweisen und weiter ausbauen.‘
Wenn Sie eine sowohl fachlich als auch sozial kompetete
Mitarbeiterin suchen, die mit großem Engagement ihr
Unternehmen bereichern möchte,
Du wiederholst Dich…
freue ich mich sehr über ein
positives Feedback.
Bla, bla, bla… Schreibt jeder…
Grüße
Renee
PS. Vielleicht zum Teil etwas heavy, aber ich plädiere auch schon seit Jahren für Akademiker-Bewerbungstrainings. Was hier manchmal von Ärzten reinflattert, ist abenteuerlich… 