Bitte nicht falsch verstehen !

Bitte nicht falsch verstehen: ich achte Hannelore Kohl, ihre Arbeit zu Lebzeiten und verstehe die Krankheit und die Folgen daraus.

Aber:

bin ich falsch informiert oder hatte die katholische Kirche nicht in der Vergangenheit Selbstmord abgelehnt ? Sogar soweit, daß ein Selbstmörder nicht in geweihter Erde (Friedhof) bestattet werden durfte ? Wurde das irgendwann geändert ?

Wie gesagt, ist stehe dahinter, was heute in Speyer veranstaltet wurde zum Gedenken an Frau Kohl. Bitte aber trotzdem die Frage zu beantworten.

Gruss
Howy

Geld und Macht stinken nicht!
Grüße
Raimund

Das Selbstmördereck…
Hi Howy

Heutzutage, nachdem mehr über die Hintergründe von Freitoden bekannt ist, geht man in der Kirche davon aus, daß die Leute in temporärer geistiger „Verwirrung“ gehandelt haben und somit für ihre Tat nicht verantwortlich gemacht werden können.

Auch das „nicht mehr Ertragen können“ wird da dazugestellt.
das ist natürlich ein Hilfskostrukt z.T.

Im übrigen, auch wenn der Freitod eine sehr schwere Sünde gegen einen möglicherweise vorhandenen Gott darstellen sollte, er wird es verzeihen können.

Es ist sein Job!

(Zum hat mir das so mal ein Theologiestudent erklärt).

Zu Raimund: Das hat nichts mit Macht und Einfluß zu tun, auch normale Menschen, die den Freitod wählten, werden kirchlich bestattet (so Sie, bzw die Angehörigen dies wünschen).

Gruß
Mike

Hallo,

wer die Schwelle von der Selbsterhaltung unter allen Umständen zum Wunsch nach dem eigenen Tod je überschritten hat, erkennt, welche Freiheit darin liegt. Damit verbunden ist das Wissen um den Ausweg vor fremder Machtausübung und damit wiederum weitgehende Immunität gegenüber Repressalien und unerträglicher Not.

So ist auch manchmal bei Todkranken die Verzweiflung zu beobachten, wenn sie den Zeitpunkt der Selbstbestimmung verpaßt haben. Wenn sie so krank und schwach geworden sind, daß nur noch die Fähigkeit zu leiden vorhanden ist, aber nicht mehr die Fähigkeit, über das eigene Leben und dessen Ende selbst zu bestimmen.

Einem Menschen, der diesen Weg bis zur Erkenntnis, was letzte persönliche Freiheit bedeutet, je gegangen ist, kann ich auch in letzter Konsequenz nicht mehr drohen. Er ist kaum noch manipulier- und lenkbar, kaum noch erpressbar. Das Bereichernde ist, daß diese Erkenntnis Bestand hat und das Leben prägt, selbst wenn sich die dazu führende Situation auflöst.

Kirche, zumal die katholische, ist keine Organisation, in der die persönliche Freiheit ein hohes Gut ist. Gottgefällig ist lenkbar und obrigkeitshörig. So gesehen verwundert es nicht, daß die katholische Kirche den Freitod verteufelt oder ihn als Irrweg in Folge geistiger Umnachtung hinstellt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Freitodmöglichkeit ist eine sehr elementare Freiheit, deren Fehlen zur Verzweiflung führen kann.

Gruß
Wolfgang

… so verlautete es jedenfalls in den letzten Tagen aus einem der vielen Fernsehsender!

Gruß
Pat

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Geld und Macht stinken nicht!
Grüße
Raimund

du meinst die kirche?

Hallo Mike,

sagen wir es mal so: Laut Bibel soll Du dir dein Leben nicht selbst nehmen. Die Ausweglosigkeit vieler Menschen kann ich aber verstehen und sage deshalb: Unsere Sünden sind durch die Kreuzigung Christi vergebem.

Gruß

Markus

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Es war schon seit jeher so, dass diejenigen, die Geld im Überfluss haben und diejenigen, die an der Macht sind, nicht mit den Masstäben der Allgemeinheit gemessen werden.
Das hat nichts mit der Fau Kohl zu tun. Wie Du schon geschrieben hast, darf ein Mörder wie ein Selbstmörder nicht von der Kirche beerdigt werden.
Doch wie geht der Spruch: „all animals are equal…“
Grüße
Raimund

Hallo Interpat,

… so verlautete es jedenfalls in den letzten Tagen aus einem
der vielen Fernsehsender!

Seit wann finden für evangelische Verstorbene Trauermessen in katholischen Kirchen satt?

Hallo Howy,
die Frage haben wir uns auch schon egstellt.
Die bisherigen Antworten gehen nicht richtig auf Deine Frage ein, ob die katholische Kirche im speziellen ( denn die evangelische hat damit weniger Probleme), die meines Wissens bisher Selbstmörder nicht beerdgigt hat, ihre Meinung geändert hat (was ich mir nicht vorstellen kann). Ich habe das Gefühl, dass es so ähnlich ist wie mit dem jetzt bei Politikern offenbar möglichen Freikaufen von Strafanzeigen /Anklagen : es gibt Leute, bei denen gelten andere „Gesetze“.

Viele Grüsse,
Deborah

Die Freitodmöglichkeit ist eine sehr
elementare Freiheit, deren Fehlen zur Verzweiflung führen
kann.

Den Suizid wählen (müssen) ist Verzweiflung, eben weil das Leben sich auf unerträgliche Notwendigkeit reduziert hat.

Quest

Gedächtnismessen können für jeden Verstorbenen gefeiert werden, wenn ein Katholik das wünscht. (Den Speyerer Dom bekommt allerdings nicht jeder…)

Selbsttötung bedeutete auch in der evangelischen Kirche bis ins 20. Jh. ein schweres Hindernis für das kirchliche Begräbnis.
Der Grund war (bei allen Konfessionen) Blindheit für die überindividuellen Zusammenhänge von „Schuld“ und mangelndes Einfühlungsvermögen in psychische und physische Grenzsituationen. So wurde „Selbstmord“ als frei gewählte Absage an Gott gedeutet.
Suizid ist aber natürlich nicht der Ausdruck von Freiheit, sondern des Fehlens von Freiheit.

Quest

Tja, mein Vater hatte leider keinen prominenten Namen und wurde deshalb auch nicht so pompös „verabschiedet“ …

He: nicht böse oder zynisch gemeint, aber wenn man einen prominenten Namen hat, wird einem alles "nachgeworfen, sogar noch die Beerdigung …

Leicht frustrierte Grüsse
Moni

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Die Freitodmöglichkeit ist eine sehr
elementare Freiheit, deren Fehlen zur Verzweiflung führen
kann.

Den Suizid wählen (müssen) ist Verzweiflung, eben weil
das Leben sich auf unerträgliche Notwendigkeit reduziert hat.

Hallo,

selbstverständlich, Du hast recht. Aber es besteht immerhin noch eine Wahlmöglichkeit. Ausweglos ist die Lage erst, wenn keine Wahl und keine Möglichkeit der eigenen Handlung mehr bleibt.

Es ist schwer nachvollziehbar mit den Augen eines gesunden Menschen ohne größere materielle Not, der sich überlegt, welches Auto er sich kauft und welches Fernsehprogramm am besten gefällt. Es gibt Situationen, die das alles bis zur Lächerlichkeit klein werden lassen. Dann wird die Freiheit, zu sagen „ich will nicht mehr“ zur großen Erleichterung. Es ist in solcher Situation wie eine ganz helle Offenbarung. Es kann nichts passieren, es gibt den Ausweg. Die quälende Aussichtslosigkeit ist einfach weg.

Wer je das eigene Leben auf derart Elementares zurückgeführt sah, wird für Dogmen von Kirchenleuten, die ihm etwas vom Leben und vom Tod vorplappern wollen, kaum noch empfänglich sein.

Gruß
Wolfgang

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Wer je das eigene Leben auf derart Elementares zurückgeführt
sah, wird für Dogmen von Kirchenleuten, die ihm etwas vom
Leben und vom Tod vorplappern wollen, kaum noch empfänglich
sein.

Jede Einsicht kann zum weitergeplapperten Dogma werden, das ist kein Privileg von „Kirchenleuten“.
Wer selbst noch nie an die Grenzen des Lebens gelangt ist, sollte sich jedenfalls auch hüten, den Suizid als Krönung menschlicher Freiheit zu verherrlichen.

Quest

1 „Gefällt mir“

Jede Einsicht kann zum weitergeplapperten Dogma werden, das
ist kein Privileg von „Kirchenleuten“.
Wer selbst noch nie an die Grenzen des Lebens gelangt ist,
sollte sich jedenfalls auch hüten, den Suizid als Krönung
menschlicher Freiheit zu verherrlichen.

Da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt. Gegen den Fall der semantischen Verkehrung von Aussagen mag ich allerdings nicht argumentieren. Für den Fall meiner mißverständlichen Aussage: Es gibt Situationen, in der der Suizid die Alternative zu einem aussichtlosen Leiden darstellt. In solcher Situation ist es die letzte Freiheit, nicht etwa die Krönung derselben.

Es wäre eine grobe Fehlinterpretation, in dieser Aussage eine Verherrlichung zu sehen.

Lassen wir es dabei.

Gruß
Wolfgang

Hi Raimund,

es war ja nach den Pressemitteilungen kein „Selbstmord“, sondern ein „Freitod“.
Man versucht also schon in der Rhetorik das religiös Verdammte und Vorwerfbare, das von der Gesellschaft nicht akzeptierte, heraus zu nehmen.

Gruß,
Francesco

Lassen wir es dabei.

Gruß,
Quest

sobald die münze im beutel klingt, die seele in den himmel springt… hannelore kohl war prominent, und die feierlichkeiten, haben der katholischen kirche bestimmt eine menge geld gebracht… da schaut der liebe gott auch gern mal über einen selbstmord oder freitod hinweg… so funktioniert die kirche schon immer, und daran wird sich nichts ändern…

gruss soylent

Hi SoylentGreen,

sobald die münze im beutel klingt, die seele in den himmel
springt… hannelore kohl war prominent, und die
feierlichkeiten, haben der katholischen kirche bestimmt eine
menge geld gebracht… da schaut der liebe gott auch gern mal
über einen selbstmord oder freitod hinweg… so funktioniert
die kirche schon immer, und daran wird sich nichts ändern…

Erster Satz deines Postings: 500 Jahre hinter der Zeit her.
Zweiter Satz: wie kommst du darauf, dass die Kirche „viel Geld“ für die Einsegnung der Frau Kohl bekommen hätte?
Dritter satz: Selbstmord ist schon lange nicht mehr strafbar und kein Ausschließungsgrund für ein christliches Begräbnis, also braucht „der liebe Gott“ nicht „wegzugucken“, schon gar nicht., wenn das Motiv schwere, unheilbare Krankheit war.
Vierter Satz: Stammtischweisheit und wahnsinnig originell.
wie wärs denn mit erstmal denken und dann solche albernen Sprüchlein loslassen?
gruß,
bb

Hi Moni,

bin ich falsch informiert oder hatte die katholische Kirche
nicht in der Vergangenheit Selbstmord abgelehnt ?

Ja, allerdings war zu dieser Zeit der allgemeine Wissensstand so, dass Selbstmordkandidaten auch strafrechtlich verfolgt wurden.

Sogar

soweit, daß ein Selbstmörder nicht in geweihter Erde
(Friedhof) bestattet werden durfte ? Wurde das irgendwann
geändert ?

Ja. Mit fortschreitender Erkenntnis der menschlichen Psyche stellte man sich auf den Standpunkt, Selbstmord geschehe immer in einem Zustand der Verwirrung. Das ist zwar ein bisschen flau und tut so, als könnten Menschen nicht bei klaren Sinnen entscheiden dass sie sich das leben nehmen wollen. Wie auch immer, mit der ungeweihten Erde war damit Schluss. Wie prunkvoll das Begräbnis dann ausfällt, hat aber nichts mit der Kirche zu tun sondern mit dem Bestattungsunternehmen und dem geldbeutel der Hinterbliebenen.
gruß,
bb