Bitte schnell! Niederdt. und Diphtongierung?

Liebe Leut!

Habe gerade ein dringendes Problem… morgen habe ich ne Prüfung in Deutsch und wie das so ist - hab ich sehr viel dazu überlegt.

Nun stehe ich vor einem Problem:

Durch die 2. Lautverschiebung haben sich ja das Niederdt. und das Hochdt. gebildet. Jetzt hat so um 1350 ja die Diphtongierung bzw. auch die Monophtongierung eingesetzt im Hochdeutschen - hat die das Niederdt. auch mitgemacht?

Falls nicht - wie kann ich dann die verschiedenen Niederdt. überhaupt unterscheiden? Das Niederdt. wird ja wohl nicht seit 500 n. Chr. (2. Lautversch.) unverändert geblieben sein, oder?

Danke für Eure Hilfe!

Semiramis

hi,

strange - grad eben hab ich das off topic mit fritz r. unterm thema kreisssaal diskutiert.

Durch die 2. Lautverschiebung haben sich ja das Niederdt. und
das Hochdt. gebildet. Jetzt hat so um 1350 ja die
Diphtongierung bzw. auch die Monophtongierung eingesetzt im
Hochdeutschen - hat die das Niederdt. auch mitgemacht?

monophthongierung und diphthongierung (beide mit phth übrigens) sind keine erscheiungen der lautverschiebung, sondern später. etwas früher die monophthongierung (ab 11./12. jah.), die die dipththonge ie, uo, üe zu lang-i, lang-u und lang-ü verwandelt („liebe guote brüeder“ zu „liibe gute brüder“ - der alte diphthong ist in der orthographie noch da!)
ist ein i.w. mitteldeutsches phänomen; das niederdeutsche ist nicht betroffen.

dipthongierung (ab dem 12. jh.) ist eine erfindung des südostens, wo sie auch heute noch ganz markant in viel mehr positionen gesprochen wird, als in der schriftsprache. sie breitet sich nach norden aus, kommt aber nicht ins niederdeutsche und auch das alemannische im westen nimmt sie nicht an. deswegen heißt es sowohl alem. als auch niederdeutsch heute noch hûs statt haus.
kennwörter: „mîn niuwez hûs“ zu „mein neues haus“

Falls nicht - wie kann ich dann die verschiedenen Niederdt.
überhaupt unterscheiden? Das Niederdt. wird ja wohl nicht seit
500 n. Chr. (2. Lautversch.) unverändert geblieben sein, oder?

da kenn ich mich im detail nicht so gut aus; aber selbstverständlich gibt es zahlreiche kleinräumige und jüngere veränderungen, sodass auch innerhalb des niederdeutschen / niederländischen (es gibt da keine scharfen dialektgrenzen) dialekte existieren. aber mit monophthongierung und diphthongierung kommst du da nicht weiter.

htht
m.

der vollständigkeit halber …
… ich hab im beitrag die sog. „neuhochdeutsche“ diphthongierung behandelt. es gibt da auch frühere phasen der diphthongierung, zwischen germanischem, althochdeutschem und mittelhochdeutschem sprachzustand. auch diese früheren phasen betreffen niederdeutsche sprache und dialekte nicht.

z.b. wilhelm busch, krischan mit der pipe:
de vader seggt, eck mot nu gahn
krischan lat de pipen stan

in eck zu ich, mot zu muss, lat zu lass, pipe zu pfeife / pfifa, ist lautverschiebung erkennbar, eine erscheinung des konsonantismus, i.w.: p, t, k >> pf, ts, kch im anlaut bzw. f, s, ch im inlaut

in mot zu mhd. muoz ist erste (althochdeutsche) diphthongierung erkennbar.

in muoz zu nhd. muss ist neuhochdeutsche monophthongierung erkennbar.

in pipe zu pfeife ist dann nhd. diphthongierung erkennbar.

so, jetzt isses in 4 literarischen zeilen beinander.
m.

1 „Gefällt mir“