Bitte um Zeugnisbewertung

Hallo liebe Experten,

es geht um das Arbeitszeugnis von meinem Mann. Er hatte einen befristeten Vertrag, das Anfang Juli ausläuft und leider nicht verlängert wird. Ist das Zeugnis so ok? Muss in dem Arbeitszeugnis angegeben sein dass es sich um einen befristeten Vertrag gehandelt hat oder ist das unrelevant?

ARBEITSZEUGNIS

Herr…, geboren am …, ist seit 03.07.2006 in unserer Firma als Schweißer/MAG beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehören die Bodenmontage, Vormontage und Endmontage der Kippmulden und darüber hinaus die Bearbeitung und Montage verschiedener Baugruppen.

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der metallverabeitenden Industrie und fertigen mit ca. 300 Mitarbeitern auf einem Gelände von 40000m2 Fahrgestelle, 3-Seiten- u. Hinterkippmulden, Wechselbrücken, Entsorgungsbehälter und Müllpresscontainer.

Herr… hat sich schnell und sicher in das Aufgabengebiet eingearbeitet und seine Tätigkeiten selbständig und gewissenhaft durchgeführt. Er hat seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeübt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht gut entsprochen.

Herr… zeigte stets eine gute Einsatzbereitschaft und zeichnete sich bei der Erledigung aller seiner Aufgaben durch Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Selbständigkeit aus.

Er erwieß sich als pflichbewußter und zuverlässiger Mitarbeiter, der seine Aufgaben stets zügig und gut erledigte.

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzen und Kollegen war einwandfrei.

Mies
Der Sicherheit halber:
Ist das Zeugnis auch wirklich komplett?
Wenn ja ist es irgendwo zwischen schlecht und übelst.

Es ist allein der Form halber davon auszugehen, dass hier kein Profi am Werk war und deswegen einiges wohl nicht so schlimm gemeint ist wie es klingt.

Herr…, geboren am …, ist seit 03.07.2006 in unserer Firma als Schweißer/MAG beschäftigt.

Formfehler: Enddatum gehört rein. Nur bei einem Zwischenzeugnis ohne Beabsichtigung einer Vertragsbeendigung steht das nicht drin.

Zu seinen Aufgaben gehören die Bodenmontage, Vormontage und Endmontage der Kippmulden und darüber hinaus die Bearbeitung und Montage verschiedener Baugruppen.

Blablerababer nichts Konkretes.

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der metallverabeitenden Industrie und fertigen mit ca. 300 Mitarbeitern auf einem Gelände von 40000m2 Fahrgestelle, 3-Seiten- u. Hinterkippmulden, Wechselbrücken, Entsorgungsbehälter und Müllpresscontainer.

Erstmal schreibt man normal die Beschreibung des Unternehmens vor die Tätigkeitsbeschreibung.
Zum zweiten: Was das Unternehmen über die eigene Arbeit zu sagen hat ist schon zeilenmäßig mehr als das, was es über die Arbeit eines ganz speziellen Mitarbeiters zu sagen weiß. Und dann wird die Arbeit des Mitarbeiters durch diese Ausführungen noch ganz gezielt in eine klitzekleine Nische gerückt.
In einem Satz: „X ist hochgradig entbehrlich“

Herr… hat sich schnell und sicher in das Aufgabengebiet eingearbeitet

Das nach 2 Jahren - uiuiui. Erster Satz der Leistungsbeurteilung: „Nach 2 Jahren hier im Betrieb ist das Wichtigste, daß er sich schnell eingearbeitet hat“

und seine Tätigkeiten selbständig

Hat er die „übertragen“ bekommen oder sich selbst ausgesucht? Konnte man ihm möglicherweise gar nicht reinreden weil er so stur war?

und gewissenhaft durchgeführt.

Also lahm?

Von Fachkenntnissen reden wir gar nicht, da der Mann keine besaß.

Er hat seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeübt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht gut entsprochen.

Wenn dies die Arbeitsweise betrifft ist es ausreichend bis mangelhaft. Wenn es anders gemeint ist, steht es an der falschen Stelle.

Herr… zeigte stets eine gute Einsatzbereitschaft

Aber nur Bereitschaft…

und zeichnete sich bei der Erledigung aller seiner Aufgaben durch Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Selbständigkeit aus.

Wir betonen das mit der „Gewissenhaftigkeit“ nochmal ausdrücklich und stellen sie voran. Außerdem verschweigen wir bei den Auszeichnungen Resultate.
Also: Er zeichnet sich aus durch Lahmarschigkeit, Unvermögen und die Unfähigkeit, nach Hilfe zu fragen.
Kurz: Er hat so ziemlich alles verbockt was man verbocken kann. Note Mangelhaft bis Ungenügend.

Er erwieß sich als pflichbewußter und zuverlässiger Mitarbeiter, der seine Aufgaben stets zügig und gut erledigte.

Er erledigte die Aufgaben gut, aber Ergebnisse erbrachte er dabei keine.
„Erwies“ schreibt man auch nicht mit „ß“ oder ist das eine neue Rechtschreibung?

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzen und Kollegen war einwandfrei.

Wenn am Bau ab und zu auch Kunden oder Inspektoren waren und die bewußt verschwiegen wurden, dann reden wir hier von „Ungenügend“, sonst ist es 3.

…Wir wünschen Ihm weder Erfolg noch alles Gute, und weil er das bis jetzt nicht hatte, auch nicht für die Zukunft.

Zusammenfassung: "Wir sind froh, seinen Vertrag nicht verlängern zu müssen. Leider konnten wir ihn nicht vorher loswerden."

Eigentlich eindeutig.

Gruß,
Michael

Nachschlag!
Einführung in der Gegenwart:

Herr…, geboren am …, ist seit 03.07.2006 in unserer Firma als Schweißer/MAG beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehören

Ab hier Vergangenheit:

Herr… hat sich schnell und sicher in das Aufgabengebiet
eingearbeitet und seine Tätigkeiten selbständig und
gewissenhaft durchgeführt.

Zusätzliche Interpretation: Er ist unser Mitarbeiter, aber hat hier gearbeitet und war einwandfrei im Verhalten.
Das heißt:
Derzeit sitzt er faul rum und tut nichts, meckert rum und lästert, darum schmeißen wir ihn raus sobald es geht

Das ist allerdings möglicherweise keine Absicht sondern nur ein Formfehler.

Gruß,
Michael

Danke
Hallo Michael,

erstmal Danke für die ausführliche und ernüchternde Antwort.

Das Zeugnis ist tatsächlich ziemlich durcheinander und ich finde auch dass es nicht sehr umfangreich ist.

Wenn man sich nicht regelmäßig mit Arbeitszeugnissen bzw. deren Bedeutungen beschäftigt, dann fällt einem das gar nicht so auf, was dahinter steckt.

Wir hoffen dass es noch geändert wird.

LG

Silke

Selbstkorrektur
Einiges habe ich wohl nicht richtig interpretiert, mir ist schon allein abhanden gekommen, dass es sich ja nicht um eine "Bau"Arbeit handelt sondern um interne Fertigung.
Dementsprechend gab’s wohl für einen Schweißer keine Kundenkontakte oder Ähnliches.
Ein paar Sachen muss ich also umklassifizieren:

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der metallverabeitenden Industrie und fertigen mit ca. 300 Mitarbeitern auf einem Gelände von 40000m2 Fahrgestelle, 3-Seiten- u. Hinterkippmulden, Wechselbrücken, Entsorgungsbehälter und Müllpresscontainer.

Dass ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern keinen erfahrenen Personaler hat, verwundert doch ein wenig. Aber das Arbeitszeugnis beweist, dass hier vermutlich nur semiprofessionell mit einer Art Generator rumgefrickelt wurde.

Er hat seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeübt und unseren Erwartungen in jeder Hinsicht gut entsprochen.

Das ist nur sehr unglücklich formuliert, könnte aber durchaus im 2-3er Bereich gemeint sein.
Man übt Aufgaben aber nicht aus (das würde man mit Tätigkeiten tun) und das fehlende „stets“ bei den Erwartungen das „in jeder Hinsicht gut“ ohne „stets“ und auch nicht „entsprochen“ klingt sehr zweischneidig. Ohne das „gut“ wäre es glatte 6, aber selbst das „gut“ reißt es kaum in den 3er Bereich.

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzen und Kollegen war einwandfrei.

Wenn am Bau ab und zu auch Kunden oder Inspektoren waren und
die bewußt verschwiegen wurden, dann reden wir hier von
„Ungenügend“, sonst ist es 3.

Den Teil muss ich wegen Fehlinterpretation der Position teilweise zurücknehmen. Er war mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Kontakt mit Externen also bleibts bei der 3.

Dadurch, dass viele Passagen so aussehen als wären sie mit dem Zeugnisgenerator erstellt und dann händisch umgeschrieben, klingt es so als hätte man versucht, ein dreiminus-bis-vier Zeugnis zu erstellen und das händisch nachzubearbeiten, damit es nicht gar so offensichtlich ist.

Man hat zumindest bewußt auf den Einsatz von „untermautert positiven“ Aussagen verzichtet, was den 1er und 2er Bereich definitiv komplett ausscheiden läßt.
Den Rest könnte man wohlwollend auf Formfehler beim Zeugniserstellen schieben.
Wobei das bei einem 300-Mann-Unternehmen doch eher verwunderlich ist.

Gruß,
Michael

Hallo Silke!

Mir fällt auch, dass das Zeugnis unvollständig ist. Soweit ich weiß, muss die Befristung schon erwähnt werden, genaueres kann aber, wenn ihr in Deutschland habt die Arbeiterkammer sagen. In meinem Zeugnis stand die Befristung schon im Zeugnis.

Wenn ich das Zeugnis so lese kann der Dienstgeber mit deinem Mann nicht sehr zufrieden gewesen sein. Es klingt nämlich von der Formulierung her so gleichgültig und allgemein.

Ein Dienstzeugnis sollte zum Schluss Dank, Bedauern des Ausscheidens, Empfehlung und Zukunftswünsche beinhalten.
Diesen Teil sollte dein Mann von seinem Unternehmen rausnehmen lassen. Das interessiert den zukünftigen Dienstgeber bestimmt nicht und verwirrt diesen nur. Ich würde das vorher eben mit einer Arbeiterkammer besprechen, wie dein Mann vorgehen soll. Auf jeden Fall hat diese Formulierung in einem Dienstzeugnis nichts verloren. Ich war nämlich selbst in einem Personalbüro und daher weiß ich das. Das Dienstzeugnis dient als Information für den nächsten Dienstgeber was dein Mann bisher an Tätigkeiten gemacht hat. Die Beschäftigungsdauer steht üblicherweise auch in einem Dienstzeugnis.

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der

metallverabeitenden Industrie und fertigen mit ca. 300
Mitarbeitern auf einem Gelände von 40000m2 Fahrgestelle,
3-Seiten- u. Hinterkippmulden, Wechselbrücken,
Entsorgungsbehälter und Müllpresscontainer

Diesen Satz finde ich absolut unter jeder Kritik. Als Dienstgeber erwartet man, dass das Verhalten seines Mitarbeiters einwandfrei ist. Ich halte das für eine negative Anspielung auf sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen.

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzen und Kollegen war
einwandfrei.

Gruss

Petra Herbst

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Silke!

Ich habe noch etwas im Internet entdeckt im Bezug auf Dienstzeugnisse - nämlich Formulierungen. Du findest diese am besten unter www.castelligasse.at/Dienstzeugnis.htm. nach dem ersten Beispieldienstzeugnis. Ich darf diese hier leider nicht zitieren.

Gruss

Petra Herbst

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Danke Petra
Hat mir sehr weiter geholfen…
LG Silke

Diesen Satz finde ich absolut unter jeder Kritik. Als Dienstgeber erwartet man, dass das Verhalten seines Mitarbeiters einwandfrei ist. Ich halte das für eine negative Anspielung auf sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen.

Nö:

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzen und Kollegen war
einwandfrei.

Das ist die Standard-Floskel „Note 3“ für Sozialverhalten.
Kann man in jedem beliebigen Zeugnisgenerator nachlesen, z.B.:
http://www.hr-manager.de/hr_man/html/zeugnis_gen_net…

Ansonsten ist eine kurze Beschreibung des eigenen Unternehmens schon wichtiger Bestandteil des Arbeitszeugnisses, denn es macht einen Unterschied, ob man für eine Dreimannfirma am Bau ein paar Rohre geschweißt hat oder für ein größeres Unternehmen mit internationalen Kunden in der Montagekette gearbeitet hat.
Allerdings sollte diese Beschreibung *WEIT* kürzer sein als die Tätigkeitsbeschreibung des Arbeitnehmers, sonst nenne ich sowas schmierige Werbung.

Gruß,
Michael

Völlig unbrauchbar
Hi Petra!

Ich habe noch etwas im Internet entdeckt im Bezug auf
Dienstzeugnisse - nämlich Formulierungen. Du findest diese am
besten unter www.castelligasse.at/Dienstzeugnis.htm. nach dem
ersten Beispieldienstzeugnis. Ich darf diese hier leider nicht
zitieren.

Sorry, aber dieser Link mag in Österreicht (da kenne ich die Zeugniskryptik nicht) zutreffen, nach deutschem Verständnis ist er einfach nur völlig unbrauchbar.

Das unterscheidet diesen zeugnislink allerdings nicht wirklich von 90% der deutschen Zeugnislinks *g*

Man KANN ein Zeugnis nicht mit einzelnen Floskeln bewerten. Es ist durchaus möglich ein absolutes Schrottzeugnis zu schreiben, dass „…erfüllte die Aufgaben stets zu unserre vollsten zufriedenheit“ enthält. Das KANN man nämlich durchaus als blanken Hohn benutzen!

Nix für ungut

LG
Guido

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Sehr gut…
Genau sowas habe ich gesucht. Danke
Wenn ich mir anschaue wie einfach das ist, hätte der Personaler aber echt ein anspruchsvolleres zeugnis erstellen können.