Bitte Zeugnis bewerten!

Hallo,

ich bitte um Bewertung eines Studienzeugnisses. Es ist bestimmt für einen Studenten im dualen Studium (3 Jahre; Hälfte Ausbildung, Hälfte Studium). Der Ausbildungsleiter schrieb dem Studenten nach 2 Jahren folgendes Zeugnis:

Herr XXXX geboren am … in … trat am 01.10.2006 in das Unternehmen ein und begann sein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie XY. Im Laufe seines Studiums lernte er verschiedene Funktionsbereiche im Unternehmen intensiv kennen und übernahm dort jeweils Projektaufgaben von dreimonatiger Dauer.

Die in den jeweiligen Praxisphasen übernommen Projektaufgaben umfaßten dabei die gesamte Breite der Tätigkeiten eines Wirtschaftsinformatikers im Unternehmen. Herr XXXX hat im Rahmen seiner Praxisprojekte eigenständig ein Projekt im Rahmen einer Kommunikationslösung für ein Klinikum im Bereich „Stadt X“ bearbeitet. Dabei hat er gezeigt, daß er in der Lage ist sich eigenständig in neue Themengebiete einzuarbeiten und dabei Kenntnisse zu generieren, die es ihm ermöglichten, seine Praxisprojekte erfolgreich für das Unternehmen zu gestalten.

Im Rahmen seiner zweite Praxisphase wurde die erstellte Kommunikationslösung noch um die Funktionalität der Fernwartung erweitert. Auch hier zeigte Herr XXXX, daß er ein Lage ist komplexe Lösungen zu erarbeiten. Dabei hat er insbesondere gezeigt, daß er sich erfolgreich in bestehende Teamstrukturen am Standort einbringen kann und auch hier wertvolle Beiträge zum Projekterfolg leistet.

Sowohl in seinem Studium, als auch insbesondere bei den Praxiseinsätzen im Unternehmen hat sich Herr XXXX als motivierter, zuverlässiger und hochkompetenter Mitarbeiter gezeigt, der den Belastungen, die sich im Rahmen eine derartigen Projekteinsätze immer ergeben, jederzeit gewachsen war. Er konnte sich in die jeweilige Aufgabenstellung schnell und effektiv einarbeiten und hat die ihm gestellten Aufgaben stets eigenverantwortlich in hoher Qualität gelöst.

Die ihm gestellten Aufgaben löste Herr XXXX selbständig, gewissenhaft und termingerecht, darüber hinaus brachte er eigene, zielführende Ideen ein, die ihn in seinen jeweiligen Praxiseinsätzen zu einem voll-wertigen und wertvollen Mitarbeiter machten. Die Qualität seiner Arbeit hat, dank der ihm eigenen, sorgfältigen und genauen Arbeitsweise, stets zu Lösungen geführt, die immer unsere volle Anerkennung gefun-den haben. Die Art und Weise, mit der sich Herr XXXX in bestehende Teams integriert hat, belegen sowohl seine Teamorientierung, als auch eine außerordentliche Flexibilität.

Sein Verhalten Vorgesetzten und Kollegen gegenüber war jederzeit einwandfrei und uneingeschränkt kooperativ. Dabei zeigte sich insbesondere die stets freundliche und positive Grundhaltung den Kollegen gegenüber.

Ich bin überzeugt davon, daß Herr XXXX sein Studium erfolgreich beenden wird und als künftiger Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag zum Unternehmenserfolg leiten wird. Dafür wünsche ich ihm alles Gute.

Danke für ein paar Hinweise!

Wert? Naja…

Herr XXXX geboren am … in … trat am 01.10.2006 in das Unternehmen ein und begann sein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie XY. Im Laufe seines Studiums lernte er verschiedene Funktionsbereiche im Unternehmen intensiv kennen und übernahm dort jeweils Projektaufgaben von dreimonatiger Dauer.

  • wir spezifizieren sie aber nicht näher, da man sonst anhand seiner Kompetenz auf die Idee kommen könnte, daß bei uns nicht gearbeitet wird.

Die in den jeweiligen Praxisphasen übernommen Projektaufgaben umfaßten dabei die gesamte Breite der Tätigkeiten eines Wirtschaftsinformatikers im Unternehmen.

Ohooo… und was heißt das jetzt? Bei Unternehmen A sind die Wirtschaftsinformatiker damit beschäftigt, herauszufinden, ob man lieber Oracle oder DB2 für das neue CRM nehmen sollte, bei Unternehmen B debuggen sie die Skripte der DWH-Entwickler, bei Unternehmen C machen sie im gesamten SDLC mit!
Ohne Details ist diese Aussage komplett wertlos.

Herr XXXX hat im Rahmen seiner Praxisprojekte eigenständig ein Projekt im Rahmen einer Kommunikationslösung für ein Klinikum im Bereich „Stadt X“ bearbeitet.

Und was hat er da gemacht? Ein Java-Programm geschrieben, was ein Eingabefenster auf dem Bildschirm aufmacht? [rofl]

Dabei hat er gezeigt, daß er in der Lage ist

…es aber trotzdem nicht tut, da er viel zu faul ist…

sich eigenständig in neue Themengebiete einzuarbeiten und dabei Kenntnisse zu generieren, die es ihm ermöglichten, seine Praxisprojekte erfolgreich für das Unternehmen zu gestalten.

… und auch hier schreiben wir wieder im Konjunktiv, da seine „Erfolge“ eher fiktiver Natur waren…

Im Rahmen seiner zweite Praxisphase …

Tippfehler?

wurde die erstellte Kommunikationslösung noch um die Funktionalität der Fernwartung erweitert.

Ohaa, das klingt ja jetzt richtig anspruchsvoll. Er kann also sogar eine FTP-Verbindung aufbauen? Und das hat er in 3 Monaten geschafft? Wow, beeindruckend!

Auch hier zeigte Herr XXXX, daß er ein Lage ist komplexe Lösungen zu erarbeiten.

Eigentlich erwartet man von einem Informatiker, daß er zu komplexen Themen einfache Lösungen erarbeitet.
Aber vermutlich hat Herr XXXX ja statt dem einfachen FTP-Tunnel ein 5000-zeiliges Programm geschrieben!

Dabei hat er insbesondere gezeigt, daß er sich erfolgreich in bestehende Teamstrukturen am Standort einbringen kann und auch hier wertvolle Beiträge zum Projekterfolg leistet.

Den Konjunktiv haben wir mit Absicht eingefügt, denn wirklich erfolgreich war seine Zusammenarbeit nicht.

Sowohl in seinem Studium, als auch insbesondere bei den Praxiseinsätzen im Unternehmen hat sich Herr XXXX als motivierter, zuverlässiger und hochkompetenter Mitarbeiter gezeigt…

Wir schreiben Arbeitsweise und Arbeitspensum mit Absicht in einen Satz, denn einen vollen Satz ist uns seine Arbeitsweise nicht wert.

, der den Belastungen, die sich im Rahmen eine derartigen Projekteinsätze immer ergeben, jederzeit gewachsen war.

Wir sagen aber mit Absicht nicht, wie hoch die Belastungen für unsere Azubis waren, denn dann könnte man auf die Idee kommen, daß er trotz allem eine faule Nuß war!

Er konnte sich in die jeweilige Aufgabenstellung schnell und effektiv einarbeiten

Auch hier bleiben wir absichtlich im Konjunktiv.

und hat die ihm gestellten Aufgaben stets eigenverantwortlich in hoher Qualität gelöst.

Eben war er noch in Teams integriert? Naja, das mit seiner nur theoretischen Integrationsfähigkeit hatten wir ja schon.

Die ihm gestellten Aufgaben löste Herr XXXX selbständig, gewissenhaft und termingerecht, darüber hinaus brachte er eigene, zielführende Ideen ein, die ihn in seinen jeweiligen Praxiseinsätzen zu einem vollwertigen und wertvollen Mitarbeiter machten.

Whoa, den Satz muß man sich richtig auf der Zunge zergehen lassen. Allein durch die Länge weiß man am Satzende gar nicht mehr, worum es geht.

Die Qualität seiner Arbeit hat, dank der ihm eigenen, sorgfältigen und genauen Arbeitsweise stets zu Lösungen geführt, die immer unsere volle Anerkennung gefunden haben.

Also, die „Qualität der Arbeit“ hat „zu Lösungen geführt“, aber nicht die Arbeit selbst? Und er war dabei so lahm, dass man unter 3-monatigem Projekteinsatz auch das verstehen könnte, wofür Andere einen halben Manntag brauchen.

Die Art und Weise, mit der sich Herr XXXX in bestehende Teams integriert hat, belegen sowohl seine Teamorientierung, als auch eine außerordentliche Flexibilität.

Warum wiederholen wir das von oben noch einmal, aber dieses Mal mit anderem Wortlaut? Achja, wir wollen endgültig klarstellen: Dieses Zeugnis soll verwirren!

Sein Verhalten Vorgesetzten und Kollegen gegenüber war jederzeit einwandfrei und uneingeschränkt kooperativ.

Interessante Floskel im Nachsatz. Man beachte, dass eine derartige Formulierung gerne verwandt wird, um das Gegenteil auszudrücken.

Dabei zeigte sich insbesondere die stets freundliche und positive Grundhaltung den Kollegen gegenüber.

Noch so eine interessante Formulierung.

Ich bin überzeugt davon, daß Herr XXXX sein Studium erfolgreich beenden wird und als künftiger Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag zum Unternehmenserfolg leiten wird. Dafür wünsche ich ihm alles Gute.

Hö? Nur kurz alles Gute?
Nicht „weiterhin viel Erfolg“, und dann auch nur für den Beruf? Achja, daß er ein A* ist, das hatten wir ja oben schon angedeutet…

Abgesehen davon, dass wer immer dieses Zeugnis verbrochen hat, scheinbar die üblichen Konventionen wohl nicht kennt, klingt alles danach, dass der Zeugnisempfänger inkompetent und faul ist, langsam und schlecht arbeitet - und dabei relativ antisozial zu sein scheint.

Gruß,
Michael

Hallo,

(…)

Der Ausbildungsleiter
schrieb dem Studenten nach 2 Jahren folgendes Zeugnis:

Es handelt sich also um einen Ausbildungsleiter. Von so jemandem erwarte ich, dass er Zeugnisse formulieren kann.
Fragt sich nur, warum er so unkonventionell daherschwurbelt und so viel Schaum wegen nichts schlägt.

Mike River hat ja schon viel gesagt.
Ich picke mir nur ein paar Sachen heraus.

(…)

Dabei hat er gezeigt, daß er in der Lage
ist

aber es nicht tut weil er viel zu faul ist!

sich eigenständig in neue Themengebiete einzuarbeiten und
dabei Kenntnisse zu generieren, die es ihm ermöglichten,

„Ermöglichten“ = es ist aber nicht geschehen. -->Faule Ratte!

seine
Praxisprojekte erfolgreich für das Unternehmen zu gestalten.

(…)Auch hier zeigte Herr XXXX, daß er ein
Lage ist komplexe Lösungen zu erarbeiten.

Wir gaben ihm eine weitere Chance, aber er war wieder nur faul.

Dabei hat er
insbesondere gezeigt, daß er sich erfolgreich in bestehende
Teamstrukturen am Standort einbringen kann

es aber nicht tut

und auch hier
wertvolle Beiträge zum Projekterfolg leistet.

Witzig.
(…)

Sein Verhalten Vorgesetzten und Kollegen gegenüber war
jederzeit einwandfrei und uneingeschränkt kooperativ.

„uneingewchränkt kooperativ“ würde ich so auslegen:
„Kooperation kennt er nicht“
(…)

Ich denke, es handelt sich hier um jemanden, der sich nirgends integriert hat. Eventuell ein Berufsverfehler.

Gruss,
TR

Hallo,

und Danke erstmal für eure Bewertung; deckt sich in etwa mit meiner eigenen.
Wollte aber nochmal etwas dazu sagen: bei diesem Studenten handelt es sich tatsächlich um einen der besten (!) Studenten der BA und auch der Firma. Der Ausbildungsleiter ist jemand, der wirklich sehr angetan von dem Studenten ist, ihm schon einen Arbeitsvertrag angeboten hat und ihm eigentlich ein sehr gutes (!) Zeugnis schreiben wollte… Naja, das ist dann wohl gründlich daneben gegangen…
Wir werden mal eine Verbesserung aufsetzen und nochmal hier posten.

VG