Ich habe gerade von meiner Gärtnerei die Blumenlieferung für meinen Sommerbalkon bekommen (Blumenkästen, Ampeln und Bodenschalen). Leider wurden mal wieder Blattläuse mitgebracht. Ich habe dieses Problem jedes Jahr und begegne dem immer mit folgenden Versuchen:
Tägliches Ablesen und Zerdrücken der Blattläuse per Hand
Abschneiden stark befallener Pflanzenteile
Marienkäferlarven
Kartoffelsud oder auch Schmierseifenwasser
Neem-Öl
–> Gewinner: die Blattläuse!
Als ich eben in der Gärtnerei nachgefragt habe, was ich denn noch machen könnte, wurden mit diese Blattlaus-Stäbchen empfohlen. Die setze ich immer extra nicht ein, da ich keine anderen Tierchen (Bienen u. a.) nebenbei mit erledigen möchte. Die Gärtnerin meinte aber, da bei mir alljährlich nur die Petunien und die Klematis betroffen wären, könnte ich ruhig die Stäbchen verwenden, wenn ich sie direkt an diese Pflanzen setze, „weil Bienen sowieso nicht daran gehen“.
Nun meine Fragen:
Stimmt das, meiden Bienen Petunien und Klematis?
Welche anderen Tiere töte ich eventuell dennoch mit den Stäbchen (ich habe z. B. immer sehr viele Schwebfliegen, Florfliegen und Marienkäfer an meinen Blumen)?
Falls Stäbchen o.k. gehen, welche wären denn empfehlenswert?
ob Stäbchen oder Granulat, die Wirkungsweise ist die gleiche: Es handelt sich um systemische Mittel, die durch die Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden und in den Saftstrom der Pflanzen übergehen.
Sie sollen nicht oberflächlich neben die Pflanzen gesteckt werden, sondern in den Boden, weil der Wirkstoff nur dann von der Pflanze aufgenommen werden kann, wenn er in die Bodenlösung übergeht.
Die systemischen Insektizide mit dem Wirkstoff Imidacloprid werden vom Julius-Kühn-Institut (ex Biologische Bundesanstalt) als nicht bienengefährlich eingestuft, diese Einstufung ist aber umstritten. Der Wirkstoff selber ist toxisch für Bienen, aber die Mengen, die sie aufnehmen, sind minimal, da sie ja nicht an der Pflanze fressen oder saugen, sondern deren Nektar lecken und den Pollen abstreifen.
Die Einstufung als nicht bienengefährlich erfolgt auf der Grundlage von standardisierten Versuchen. Ihre Kritiker - insbesondere Imker aus Frankreich - führen an, dass die von ihnen vermutete Wirkungsweise, Schwächung der Bienen und in der Folge höhere Anfälligkeit für Varroa, durch die Versuchsreihen nicht erfasst wird. Die Hypothese von dieser Wirkungsweise ist bisher experimentell weder belegt noch widerlegt. Bei den extrem geringen Konzentrationen, die bei Behandlung einzelner Topfpflanzen bis ins Bienenvolk gelangen, dürfte ein solcher Effekt allerdings vernachlässigbar sein. Bei den Fällen von Bienensterben, die in Frankreich mit Imidacloprid in Zusammenhang gebracht werden, handelt es sich um ganze Landstriche unter (von Bienen intensiv beflogenen) Sonnenblumen und Raps, deren Saatgut mit Imidacloprid gebeizt worden war.
Der Nektar von Petunien dürfte für Bienen unerreichbar sein, ihre Rüssel sind zu kurz. Bei Klematis wundert es mich ein bissel, dass sie von Bienen nicht besucht werden sollten.
Ob man Imidacloprid als Stäbchen oder als Granulat anwendet, nimmt sich nicht viel. Bei größeren Töpfen ist Granulat wegen der Dosierung und wegen der Verteilung im Wurzelballen wohl besser geeignet.
also ich habe meinen Balkon immer mit Marienkäferlarven frei bekommen. Am besten ist es aber, die nicht zu bestellen (da dauerts doch etwas, bis die ausschlüpfen), sondern sie frisch aus der Natur zu sammeln (kann man ja leicht erkennen).
Hab’ ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche, sehr aufschluss- und hilfreiche Antwort. Dann werde ich es mal mit einem Granulat versuchen, das schlechte Gewissen hast Du mir genommen
Ja, ich habe mir bisher die Marienkäfer bestellt, und es hat tatsächlich gedauert, bis sie „einsatzbereit“ waren … und alle sind leider auch nicht durchgekommen
Das ist eine gute Idee, die Larven schon „fertig“ in der Natur aufzusammeln. Mal sehen, ob ich welche im benachbarten Park finde.
Ich werde dann mal beide hier erhaltenen Tipps kombinieren, also Granulat & einen Larven-Armee gegen die Blattläuse.
He, Jacqueline…
nee! Sammel lieber Marienkäfer! Ich habe noch keine einzige Biene in meinem Garten gesehen dieses Jahr, merkwürdig - nur Hummeln…das mit den Bienensterben ist glaub ich ernster als wir denken, siehe den Beitrag von Martin: sehr gut!! Ohne Bienen wird die Sterbekette in Gang gesetzt; und das wegen Petunien u. Clematis?
Marienkäferliche Grüße von Lasse Wachsen
Also, noch habe ich nicht losgegiftet … Die Blattläuse sind jetzt auch schon auf den Geranien zusammen mit so 'ner weißen Fliege. Verstehen kann ich das nicht. Ich bin seit ich die Blumen hier habe jeden Tag mindestens eine Stunde nur mit der Handablese von Blattläusen beschäftigt. Dabei versuche ich jedes Blatt von unten und oben abzustreifen, egal ob befallen oder nicht. Und Marienkäferlarven habe ich beim Spaziergang noch gar keine gefunden
Ich will natürlich keiner Biene schaden, deshalb hatte ich ja auch hier im Forum angefragt. Genau genommen habe ich seit drei Jahren keine einzige Biene mehr auf meinen Balkon gesehen, obwohl ich nie Gift einsetze. Höchstens mal Hummeln und letztes Jahr viele Wespen.
Komischerweise habe immer nur ich dieses Blattlausproblem, keiner meiner Nachbarn muss soviel Zeit in seine Blumen investieren wie ich.
Aber gut, dann will ich es wieder ohne Gift machen, versprochen!
Hallo Jacqueline,
was ich noch fragen wollte: hast Du denn da Ameisen? Denn die legen immer wieder Blattlauskulturen an u. schleppen Blattläuse überall hin. Kann das der Grund sein?
Grüße, LaWa
Also, bis jetzt habe ich noch keine Ameisen auf meinem Balkon entdeckt (auch nicht in den Vorjahren). Im Übrigen sind ja auch meine Blumenampeln immer befallen, da hätten die Ameisen doch wohl Schwierigkeiten mit dem Transport. Oder fliegen die die Läuse auch durch die Gegend?