Blaue Blume - Romantik

Hiho,

es geht um den Begriff der blauen Blume, wie er in romantischen Erzählungen öfter vorkommt als der Inbegriff des Erhabenen, Schönen. Wie in dem Lied
Und wer die blaue Blume finden will,
Der muß ein Wandervogel sein.

Woher kommt die Metapher? Wer weiß Genaueres?
(Gegoogelt hab ich schon, ich suche weitere Hintergrundinfos)

Danke & liebe Grüße,
Nike

Hi Nike!

Die blaue Blume stammt aus dem unvollendeten Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis, sie ist eine Glücksblume, eine Wunderblume und wurde zum Symbol der Romantik.

Gruss

Junktor

Hi Nike!

…Es dünkte ihn, als umflösse ihn ein Wolke des Abendrots; eine himmlische Empfindung überströmte sein Inneres; mit inniger Wollust strebten unzählbare Gedanken in ihm sich zu vermischen; neue niegesehene Bilder entstanden, die auch ineinanderflossen und zu sichtbaren Wesen um ihn wurden…Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume und betrachtete sie lange mit unnenbarer Zärtlichkeit…

Ach!
Mit seufzenden Grüssen
Junktor :smile:

1 „Gefällt mir“

Hi Junktor,

ja, schööön, nicht? :smile:

Auf Novalis war ich aber auch schon gekommen. Nur - wieso eine blaue Blume? Liegt dem eine bestimmte Symbolik zugrunde?

Liebe Grüße,
Nike

Hi Nike!

ja, schööön, nicht? :smile:

JA!

Auf Novalis war ich aber auch schon gekommen. Nur - wieso eine
blaue Blume? Liegt dem eine bestimmte Symbolik zugrunde?

Bestimmt sogar, ich will es mal anhand der Symbolik versuchen zu entschlüsseln, allerdings ohne Gewähr. Das könnte natürlich nur Novalis selbst tun!

Blau als Farbe des Himmels drückt Ferne, Weite und Unendlichkeit aus.
Blau aber auch als Farbe des Wassers, da drückt es das Unbewußte oder die weibliche Naturseite aus. Blumen sind symbolische Verschlüsselungen für Gefühle. Nun ist die Blume lichtblau. Die weibliche Seite ist natürlich die Gefühlsseite. Und Licht ist erkennen! Also um es zusammenzufassen, Novalis symbolisiert über die blaue Blume, so eine Art Erkenntnis/Erfahrung über die Gefühlsseite, also nicht die Rationalität! Das findest du öfters bei ihm, z.B. sehr klar geschildert in dem Gedicht „Frühling“!

Der Frühling

Es färbte sich die Wiese grün,
Und um die Hecken sah ich`s blühn
Und täglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter:
Ich wußte nicht wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Und immer dunkler ward der Wald,
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßem Duft entgegen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Es quoll und trieb nun überall,
Mit Leben, Farben, Duft und Schall;
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Daß alles möchte lieblich scheinen,
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

So dacht ich: Ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht,
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Vielleicht beginnt ein neues Reich,
Der lockere Staub wird zum Gesträuch,
Der Baum nimmt tierische Gebärden,
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächt`ger Trieb in mir begann:
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Uns barg der Wald vor Sonnenschein:
Das ist der Frühling! Fiel mir ein;
Und kurz, ich sah, daß jetzt auf Erden
Die Menschen sollen Götter werden.
Nun wußt ich wohl wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah!

Herzliche Grüße
Junktor

1 „Gefällt mir“

blau
Hallo Siegerin,

junktor hat ja den Begriff schon erklärt. Ergänzend verweise ich auf Eichendorffs programmtisches Gedicht „Frische Fahrt“, dessen erster Vers lautet:

„Blaue Luft kommt lau geflossen“

Welche Wohlklang der Laute!

Ich möchte aber noch kunsthistorisch hinzufügen, dass blau im Mittelalter die teuerste herzustellende Farbe war. Deswegen wurden herausragende Persönlichkeiten (Monarchen oder die Jungfrau Maria) gerne mit blauen Mänteln dargestellt. Vielleicht hat sich ja dieses Gefühl für den Wert des Blauen bis in die Romantik erhalten,

vermutet
Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

DANKE - Euch beiden!
Hallo Ihr zwei,

ja, diese Hintergrundinfos waren genau das, was ich suchte. Ich hatte mir etwas Ähnliches auch schon gedacht, da mir die Symbolik auch noch irgendwo im Hinterkopf lag - sie mußte nur geweckt werden. :wink:

Übrigens war die Frage nicht für mich, sondern für eine Freundin: Wir kamen letztens auf das Thema, und sie erzählte, daß sie schon seit Jahren drüber nachdächte, woher der Begriff käme. Es war eine dieser Fragen, die man sich stellt, aber nie wirklich angeht. Nun ist sie umfassend informiert (Ich habe ihr heute 7 Seiten zum Thema ausgedruckt, inklusive Eurer Informationen) und richtig glücklich darüber. :smile:

Wunderschönes Gedicht übrigens, Junktor, Novalis war wirklich ein Poet.

Noch mal danke und *chen für Euch beide.

Liebe Grüße,
Nike