Blaue Kernlein im Waschpulver

Hallo, ihr fleischigen Waschfrauen und -männer!

In immer mehr Waschmitteln sehe ich kleine blaue Kernlein, auch in Spülmitteln und Enthärtern tummeln sie sich.

Sind das nun erstzunehmende Zusatzstoffe, die etwas bewirken?

Oder werden wir hier mit hübschen Placebos veralbert?

Vielleicht sollte ich auch noch bei den Chemiker fragen, oder?

Gruß Fritz

Woher weisst du ob ich
fleischig bin?
HH

Hallo Fritz,

erstmal danke für das „fleischig“ … ich hör´sonst immer nur fettig :smile:)

Zu Deiner Frage: Möööönsch, dat sind doch die Hyper-Super-Mega-Tera-Ultra-Magic-Perlen. Die womit ohne doch gar nix geht. Das Viagra des weißen Riesen sozusagen.
Wenn man sich vor Augen hält, wie das Wunder erfunden wurde, weiß man auch, wie´s wirkt:
Es begab sich aber vor langer Zeit, daß ein Manufacteur erlesenster Pülverchen zur Reiningung allerlei Stoffwerks schwere Sorgen hatte. Zwar war sein Name in aller Munde und wohlbekannt, auch seine Pulver waren bei allen Hausfrauen ungeachtet ihres hohen Preises wohlgelitten.
Doch es hatte sich wohl ein Kobold eingeschlichen in sein Werk, der dort allerlei Schabernack trieb. Seit kurzem erst ließ er in dem schönen strahlend reinweißen Pulver grüne Pünktchen erscheinen, der die Gesellen des großen Meisters arg in Not brachte. Denn der Meister zürnte ob der freveligen Verunreinigung und triezte die Gesellen der Technik nicht wenig um Abhilfe zu schaffen.
Allein, es nutzte nichts. Wie von Magie dorthinein gezaubert erschienen diese kleinen grünen Pünktchen ein ums andere Mal.
Da erschien ein Hofnarr vor dem Meister, sein Name war Mark Eting und er steckte voll wundersamer Ideen, wie man der braven Hausfrau die Pulver des Meisters um ein höheres Geld verkaufen könne, ohne daß sie sich betuppt fühlen.
Er hatte von der Not des Meisters gehört und bot nun an, aus der Not eine Tugend zu machen. Man solle nur alle Herolde vom Stamme Wer Bung verkünden lassen, daß die neuen Pulver des bekannten Meisters nun dessen neue Erfindungen und Mächte in kleine Kügelchen gepreßt enthielten, die ob ihrer konzentrierten Energie fortan Megaperls geheißen werden sollten.
Erst war der Meister skeptisch, war er doch den alten ehrlichen Handwerksbräuchen verpflichtet. Allein, er hatte keine Wahl und so stimmte er dem Plan des Hofnarrs zu.
Und es sollte ein Wunder geschehen, landauf, landab verkündeten die Herolde vom neuen Pulver und dessen nie gesehener Wirkung. Schon bald fanden sich viele Hausfrauen, die bereit waren auf das Leben des heiligen Miele zu schwören, daß das neue Pulver unerhört viel besser sei als alles dagewesene.
Das erfreute nun den Meister, denn seine Geschäfte gingen besser denn je.
Bis eines Tages ein Geselle der Technik dem Meister neue - und wie er glaubte frohe - Kunde brachte. Der vermeintliche Kobold war entdeckt.
Es war keine widernatürliche böse Macht im Spiel. Nur ein breites Gummiband, das in der Manufactur das Pulver von einem Ort zum anderen transportierte war nicht gut gerichtet, es schliff an einer scharfen Kante. Da das Band selbst aber grün war (warum kann bis heute kein Weiser sagen) und durch die Mißhandlung arg litt, ging es in kleinen Portionen kaputt und die kleinen Krümel fielen in das Pulver.
„Hallelujah !“ hörte man den Meister durch die Hallen rufen, „wir sind vom Fluche erlöst !“
Doch nun trafen immer mehr Meldungen aus dem Lande ein, daß das neue Pulver mit den Megaperls so vorzüglich sei. Der Lüge von Mark Eting konnte nicht mehr Einhalt geboten werden, ohne daß der Meister sein Gesicht verlöre.

Und so sitzt der Meister heute noch in einem kleinen Gemach in seiner Manufactur und muß tagein tagaus jedes zehnte Kügelchen in seinem Pulver mit einer Farbe anmalen, die Mark Eting gerade als die beste und modernste befindet, damit die braven Hausfrauen im Land immer seine Pülverchen kaufen und nicht merken, wa wirklich geschah…

Gruß
Bernd

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O, dasch? Dasch ischt
auf die Aschteriksch-Lektüre zschurückzschführen. Dort heischt esch:
Ohne Fleisch, keinen Preisch!

Fritz

Vielen Dank!
Vielen herzlichen Dank für diese lange, ausführliche und erhellende Antwort, lieber Bernd!

Den Namen Mark Eting wird man sich merken müssen. Der ist sicher noch für andere Überraschungen gut.

Beste Grüße Fritz

Hat sich Dein Gebiß gelockert, Fritz?
von wegen „fleischig“ :smile:
Hier ist für Deine Frage die richtige Adresse: [email protected]
Blaue Farbe (Waschblau) wurde früher schon dazu verwendet, die Wäsche weißer als weiß erscheinen zu lassen. Nach dem Bleichen (auf dem Bleichrasen) neigte vor allem Leinen dazu, einen leichten Gelbstich zu zeigen. Dem kam man zuvor, indem man dem letzten Spülwasser ultramarinblaue Farbe beigab. Heutzutage heißt das „optischer Aufheller“ und wirkt auch auf andere Farben.
Hier kannst Du mehr darüber lesen http://www.bez-freistadt.at/waschmuseum/Bleichen1.HTM
Grüße
Eckard.

Hat sich Dein Gebiß gelockert, Fritz?
von wegen „fleischig“ :smile:

Nicht doch, Eckard! Ein Jix nach Asterux!:smile:

Blaue Farbe (Waschblau)

Dann ist das keine chemische Reinigungssubstanz, sondern wirklich bloß blauer Farbstoff, um das Auge zu täuschen?

Unglaublich!?! Aber doch nicht unwahrscheinlich.

Danke, einmal mehr!

Fritz