Blendenkorrektur

Also meine Kamera hat da so ein Rad, bei der man die Blendenkorrektur von -2 bis +2 einstellen kann. Nun seh ich aber im Belichtungsmesser doch sowieso, wie ich Blende/Zeit wählen muß/soll, damit das Bild richtig belichtet ist. Oder ich fotografier eben gleich auf Automatik…
Stimmt natürlich nicht ganz, meine Aussage!

Also:

Wer kann mir anhand eines Beispiels darlegen, wie ich die Blendenkorrektur richtig, und vor allem wann ich sie einsetzen kann oder muß??

Danke!

SL

Hallo Show_Low,
dieses „Blendenrad“ dient zur Belichtungskorrektur. Was heißt das? Du sagst, „du siehst im Belichtungsmesser doch sowieso, wie du Blende/Zeit wählen muß/soll, damit das Bild richtig belichtet ist“ und das stimmt in Grenzsituationen nicht. Dein Belichtungsmesser „sieht“ natürlich nicht in Farbe, für Ihn gibt es nur Grauwerte. Und auf einen dieser Grauwerte ist er eingestellt, das ist der Wert, bei dem für ihn die Belichtung stimmt. Und genau diesen Wert strebt er bei jeder Messung an. Natürlich „Integral mittenbetont“ und Pipapo und Was noch alles.
Jetzt 2 typische Situationen für die Belichtungskorrektur: Anfang April, Pitztaler Gletscher zum Skifahren. Strahlende Sonne und ein riesiges Feld gleißend weißer Schnee. Mitten drin, vielleicht 10% vom Bild, Dein Motiv. Da kann noch soviel „integriert“ und „mittenbetont“ werden, für die Kamera ist es zu hell, und sie blendet ab. Das bedeutet, daß der Schnee nicht mehr weiß ist, sondern grau, manchmal bekommt er auch einen leichten Lila-Stich, jedenfalls nicht mehr weiß. Also das „Blendenrad“ auf +1,5. Die Kamera macht, was sie immer tut, + Deinen 1,5 Blenden, die Sie jetzt mutwillig überbelichtet, und somit den Schnee weiß läßt. Umgedreht geht das auch. Ein Motiv vor einer riesigen schwarzen Wand oder einem Tuch, was weiß ich. Du willst, daß es schwarz ist (also unsichtbar), für die Kamera ist es zu dunkel, sie blendet auf und das Tuch ist grau. Also das „Blendenrad“ auf -1,5. Die Kamera macht, was sie immer tut, - Deinen 1,5 Blenden, die Sie jetzt mutwillig unterbelichtet, und somit das Tuch schwarz läßt.
Alles klar ?
Gruß, Stephan

So halbwegs!! Denke ich!!

Wenn ich es also richtig verstanden habe, geht man bei Gegenlicht so vor, daß die Blende stärker geöffnet wird. Also z.B. aus Blende 11 mach Blende 8 oder 5.6…
Plus bedeutet also, den Zahlenwert zu verkleinern!
Umgekehrt verhält es sich, wenn der Hintergrund zu dunkel ist, da mach ich bei negativer Blendenkorrektur den Zahlenwert größer, also aus 8 mache ich 11…

SL

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Blendenkorrektur: Meine Erklärung

Wenn ich es also richtig verstanden habe, geht man bei
Gegenlicht so vor, daß die Blende stärker geöffnet wird. Also
z.B. aus Blende 11 mach Blende 8 oder 5.6…
Plus bedeutet also, den Zahlenwert zu verkleinern!
Umgekehrt verhält es sich, wenn der Hintergrund zu dunkel ist,
da mach ich bei negativer Blendenkorrektur den Zahlenwert
größer, also aus 8 mache ich 11…

SL

Hallo, ich möchte auch noch ein bißchen dazu sagen, damit es vielleicht noch deutlicher wird.

  1. Es ist zwar richtig, dass man bei Gegenlicht die Blende stärker öffnen sollte, und dies kann man auch gut mit der Belichtungskorrektur bewerkstelligen, aber dass ist es eigendlich nicht, was Stephan wohl sagen wollte.
    Es geht hier vielmehr um die Helligkeit des Motives an sich, bedingt durch seine Oberfläche.
    Daher hier noch ein vielleicht anschaulicheres Beispiel:
    Stell dir einen weißen Pudel vor einem Schneehaufen vor, und einen schwarzen Pudel vor einem Kohlehaufen. Du möchtest beide gerne fotografieren, weil dass bestimmt eine schönen Kontrast gibt, wenn man beide Bilder dann nebeneinanderhängt.
    Wir gehen mal davon aus, dass Beleuchtungssituation bei beiden Bildern gleich ist, z.B. normales Tageslicht.
    Wie Stephan schon erklärt hat, ist der Belichtungsmesser deiner Kamera auf einen ganz bestimmten Standardgrauwert geeicht.
    Das dunkle Motiv wird weniger Licht reflektieren, als dass helle Motiv, da deine Kammera aber davon ausgeht, es habe ein Standart-Motiv vor sich, und genausoviel Licht aufnehmen möchte, damit dert Film gleichmäßig grau belichtet wird es dir bei dem dunklen Motiv eine längere Belichtungszeit, oder eine kleinere Blendenzahl vorgeben, bei dem helleren Motiv eine kürzere Belichtungszeit oder eine höhere Blendenzahl. So nimmt die Kamera effektiv bei beiden Motiven gleich viel Licht auf, beide Motive erscheinen später gleich grau, die Leute werden denken, du hast dass gleiche Motiv zweimal fotografiert.
    Das musst du nun vermeiden, egal ob du manuell einstellst, oder automatisch, wobei eine Blendenkorrektur gerade für automatische Belichtung gedacht ist, weil du das automatisch ermittelte Ergebnis ja nur noch über diesen Ring verändern kannst, und zwar relativ, zum ermittelten Wert. Bei der manuellen Einstellung wäre es ja eigendlich kein Problem, den „gemessen richtigen“ Wert einzustellen, und dann noch eben den Blendenring um ein paar Stufen vor oder zurück zu drehen.
    So wie oben von Stephan beschrieben ist es richtig, helle Motive muss man „überbelichten“ dunkle Motive „unterbelichten“.
    Das optimale Bild hätte man übrigens genau dann erhalten, wenn man eine Karte mit genau diesem Grauwert vor beide Motive gehalten, und davon die Belichtung gemessen hätte.
    Zur Orientierung für die Praxis: Der Standartgrauwert ist recht dunkel, auf jeden Fall dunkler als eine normale Pappe, es ist gut und wichtig, diesen Wert ungefähr zu kennen, besser noch ist es, wenn man ihn beim Fotografieren bei sich trägt, oder einen Referenzwert von dem man genau weiss, wie stark er vom Standartwert abweicht! Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht ! Viele Amateur- und Berufsfotografen haben einfach irgendwann die Helligkeitihrer Handfläche gemessen und bestimmt, um wie viele Blenden sie vom Standartgrauwert abweicht. Da sie ihre Hand immer mit sich tragen, und sich dieser Wert nur geringfügig verändert, können sie vor dem Fotografieren einfach noch mal schnell die Hand vor das Motiv halten und darauf messen. Ein wenig Rechnerei, und schon haben sie annähernd die Optimale Blendenzahl !

PS: Noch einfacher, überlege dir einfach, was ein normales Motiv durchschnittliches Motiv ist.

PPS: Im Farblabor wird dann deine ganze Arbeit wieder versaut, weil die Entwicklermaschine, die dort arbeitet, ebenfalls wieder von Durchschnittswerten ausgehend auf das Papier belichtet, d.h. das mühsam unter- oder überbelichtete Negativ wieder durchschnittlich macht. Nur bei APS werden Belichtungs-Informationen auf dem Film gespeichert, die dies verhindern, oder man nimmt ein besseres Labor, wo noch jemand aufpasst, der kapiert, das man z.B. einen Sonnenuntergang fotografiert hat,
und keine normale Strandszene.