Hallo Maik,
viele Patienten erhoffen sich gern den EINEN spezifischen und sensitiven Test. Jedoch gibt es den nicht so oft, wie sich den Patienten wünschen.
Wenn man von der Mehrheit der Patienten ausgeht, so erwartet man bei der Blinddarmentzündung (Appendizitis) einen typischen Verlauf. Bauchschmerzen, die erst um den Nabel herum sind, dann in den rechten Unterbauch wandern. Ebenso würde man vielleicht Fieber, Appetitlosigkeit und Erbrechen erwarten.
In der klinischen Untersuchung gibt es am Bauch mehrere als typisch erachtete Zeichen und nicht einen isolierten Druckpunkt. Zum Nachlesen wären hier beispielhaft genannt: McBurney, Lanz. Aber auch wenn man den Darm rückwärts ausstreicht (Rovsing) erwartet man eine Schmerzverstärkung. Oder aber wie verhalten sich bestimmte Druckpunkte auch beim Loslassen des Bauches, verstärkt sich dann der Schmerz (Blumberg). Ebenso kann man prüfen, ob die Hüftbeugung gegen Kraft (Psoaszeichen) schmerzt… oder der Bauch des Patienten erschütterungsempfindlich ist (Einbeinhüpfen, Perkusssion). Auch beurteilt man die Anspannung des Bauches: Ist dieser weich, spannt der Patient aktiv dagegen, kann er abgelenkt werden oder hat er eine Abwehrspannung. Dies alles nur als kleine Auswahl genannt.
Ein Drücken in den Bauch ist - vor allem, wenn man eh Bauchweh hat - immer unangenehm. Besser ist häufig die Frage nach einem Punkt, der besonders wehmacht. Dies alles nur als kleine Auswahl genannt.
Wenn die klinische Untersuchung den Verdacht auf eine Blinddarmentzündung verstärkt, dann kann man die Entzündungswerte im Blut anschauen (die aber zum Beispiel auch bei einer Magen-Darm-Grippe erhöht sein können). Auch lässt sich dann ein Ultraschall diskutieren, der wiederum zum einen voraussetzt, dass man den Wurmfortsatz (der im Volksmund als Blinddarm bezeichnet wird) auch wirklich einsehen kann. Und auch wenn der sich normal darstellt, heisst das noch nicht, dass dort keine Entzündung vorliegt.
Du siehst also es sind eine Vielzahl von Beurteilungskriterien, die man heranzieht und nicht ein einzelner Druckpunkt. Erst das macht die Sensivität aus, die sich sogenannte Score-Systeme zu Nutze machen - mit ihnen kann man dann Wahrscheinlichkeiten für eine Erkrankung berechnen.
Natürlich gibt es immer mal wieder denjenigen, der einen untypischen Verlauf hat oder den, bei dem der Wurmfortsatz nicht im rechten Unterbauch zu liegen kommt und deshalb an anderer Stelle Schmerzen beklagt - aber die Mehrzahl der Patienten erwischt man mit dieser Schritt-für-Schritt-Diagnostik.
Unten links schmerzt es häufig auch bei Blähungen oder Verstopfungsneigung, aber auch mal bei Divertikeln - Ausstülpungen aus dem Darm. Für eine Blinddarmentzündung wäre dies eine sehr aussergewöhnliche Lokalisation. Wenn Du besorgt bist, stell Dich nochmals beim Arzt vor.
Liebe Grüsse,
(B)Engel