Hallo Maxi
ich möchte mir einen Softstart für meinen Verstärker bauen. Eine Schaltung, die ich in´m Internet gefunden habe, zeigt einen Widerstand, der nach ein paar (Milli-)Sekunden per Relais überbrückt wird.
Da ich aber im Wechselstrombereich arbeite, dachte ich mir, dass ich einen Kondensator in Reihe zu meinem Trafo schalte und den dann überbrücke.
Die Idee, einen Kondensator als Vorwiderstand für eine Induktivität (und dazu gehört auch ein Transformator) zu verwenden, ist äußerst riskant.
Ich weiß nicht, ob Du ein Zeigerdiagramm verstehst, aber wenn Du Dir eines zeichnen würdest, so würdest Du erkennen, dass sich der Primärstrom durch einen Trafo aus zwei Komponenten zusammensetzt, dem durch den ohmschen Widerstand der Spule bedingten Wirkstrom sowie dem um 90° nacheilenden, durch den induktiven Widerstand bedingten induktiven Blindstrom.
Wenn Du jetzt einen Kondensator mit dem Trafo in Reihe schaltest, fügst Du dem Zeigerdiagramm des Gesamtstromes noch eine kapazitive, dem induktiven Blindstrom entgegengesetzt wirkende Komponente hinzu.
Dadurch bekommst Du, vor Allem, da der Strom des Trafos sich belastungsabhängig ändert, vollkommen unübersichtliche Spannungsverhältnisse sowohl am Trafo als auch am Kondensator.
Fall 1:
Der Kapazitive Widerstand des Kondensators ist kleiner als der induktive Widerstand des Trafos (großer Kondensator) -> Du kompensierst einen Teil des induktiven Widerstands der Primärspule, der Gesamtwiderstand (Scheinwiderstand) der Primärspule sinkt, der Primärstrom des Trafos steigt, sein Kern wird in die magnetische Sättigung getrieben, es raucht!
Die Wechselspannung am Kondensator liegt zwischen 0V und fast der vollen Netzspannung.
Fall 2:
Der Kapazitive Widerstand des Kondensators ist größer als der induktive Widerstand des Trafos, aber kleiner als sein doppelter Wert (etwas kleinerer Kondensator) -> Du überkompensierst den induktiven Widerstand der Primärspule, der Gesamtwiderstand (Scheinwiderstand) der Primärspule sinkt, der Primärstrom des Trafos steigt, sein Kern wird in die magnetische Sättigung getrieben, es raucht!
Die Wechselspannung am Kondensator liegt zwischen fast der vollen Netzspannung und fast der doppelten Netzspannung.
Fall 3:
Der Kapazitive Widerstand des Kondensators ist größer als der doppelte induktive Widerstand des Trafos, (noch kleinerer Kondensator) -> Du überkompensierst den Induktiven Widerstand der Primärspule stark, der Gesamtwiderstand (Scheinwiderstand) der Primärspule wird überwiegend durch den Kapazitiven Widerstand des Kondensators bestimmt, der Primärstrom des Trafos wird gedrosselt.
Am Kondensator liegt fast die doppelte Netzspannung an.
Die sich tatsächlich an den Komponenten einstellenden Spannungsverhältnisse sind natürlich stark vom Verhältnis Wirkstrom zu Blindstrom des Trafos abhängig und lassen sich „über den Daumen“ nicht vorhersagen.
Aus der Darlegung geht – wie ich glaube – eindeutig hervor, dass eine Reihenschaltung von Kondensator und Trafo keine gute Idee ist.
Gruß merimies