Hallo,
Vielen Dank schon mal für den Aufklärungsversuch. Leider habe ich nicht alles kapiert, deshalb ein paar Fragen zu den entsprechenden Stellen dazugeschrieben.
Ich sehe die Problematik im unbewerteten Handel. Auslöser ist sicherlich die Subprime-Krise (Hypotheken für Geringverdiener). Problem war die Fatalität und das Ausmaß. Beide Punkte wurden bereits erwähnt, vielleicht noch nicht so präzise:
Die Amerikaner haben massenhaft Hypotheken, also Darlehen oder Kredite zum Hausbau, bekommen. Dabei achtete man keine europäischen Standards des sog. Ratings (Bewertung der Kreditwürdigkeit), wodurch so gut wie jeder sehr billig an Kredite kam. Das heißt zum einen finanzieren wir jetzt im Nachhinein die amerikanischen Häuser, das kann man durchaus sagen, das ist aber nur ein Effekt. Diese Kredite wurden so leicht vergeben, weil die FED (Zentralbank der USA, Pendant zur EZB) permanent auch in guten Zeiten mittels niedriger Leitzinsen Geld auf den Markt gepumpt haben und dies von der Regierung noch gefördert wurde, durch dementsprechende Finanzpolitik.
- O.K., das ist inzwischen allgemein bekannt, aber das allein kann nicht zu solchen Defiziten führen. -
Dadurch, dass jeder Häuser kaufen oder bauen konnte, stieg die Nachfrage nach Häusern und vor allem Grundstücken, und damit natürlich der Preis. Die Immobilienpreise stiegen immer weiter, und das sollte gut gehen, solange man noch immer weiter Häuser kaufen wollte. Als allerdings die Stimmung umgeschwungen ist, sind die Immobilienpreise gesunken, damit die Hypothekenwerte der Amerikaner, viele konnten nicht mehr die Raten bezahlen, den Banken fehlte Geld, usw -
hier mal Stopp (ich bin keine Wirtschaftswissenschaftlerin): die Häuser bleiben erstmal die gleichen und sie bleiben Häuser, sind also auch kein Bargeld. Die Werte fallen, die Banken wollen höhere Kreditzinsen - verständlich, aber wenn der Wert der Häuser nicht gefallen wäre, hätten die Banken mit den alten, bezahlbaren Raten weiterwirtschaften müssen. Weshalb fehlt denen also Geld, dass sie ohne Immobilienwertverlust auch nicht in bar gehabt hätten? Hätte es gereicht, wenn die Banken einfach still gehalten und die Raten nicht erhöht hätten? -
Ein schöner Kreislauf. Also nicht nur, dass die Häuser nicht bezahlt werden können, weil die Amerikaner soviel Geld nicht hatten, nein, sie hatten auch künstlich hochgetriebene Preise für Immobilien bezahlt. Auch das Geld, das in den zu hoch bewerteten Immobilien vorher steckte, wird jetzt wieder nachgezahlt, um Löcher zu stopfen.
- D.h. also, wir zahlen den amerikanischen Banken die unvorsichtig gewärten Kredite zurück??
Jetzt kam allerdings noch ein Effekt dazu, der das ganze noch fataler macht, und der es dann letztendlich zur Finanzkrise werden lässt. Nicht nur, dass die Banken das Geld der Häuser an sich verloren
(sorry, aber der Wertverlust trifft ja eigentlich erstmal den Eigentümer - der zahlt den überhöhten Immobilienpreis. Die Bank erst, wenn sie die Immobilie als Kreditgegenwert übernimmt),
nein sie verloren deutlich mehr. Die überbewerteten Kredite wurden zu Paketen geschnürt und weiterverkauft -
nochmal Stopp: die amerikanischen Banken verkauften überbewertete Kredite. Da hat den Schaden doch der, der die Kredite kauft, nicht die Bank, die sie überbewertet verkauft, oder??? -
Man betrieb also Handel mit Hypothekenpaketen. Auf diese wurde nun noch gewettet, sie wurden in sehr viele, teils äußert komplexe, Finanzgeschäfte verpackt und überall weiterverkauft. Durch Handel und Wetten entstanden horrende Geldwerte, -
wieder Stopp: entstanden Geldwerte? Sorry, verstehe ich nicht. Was ist ein Geldwert und wie kann er künstlich entstehen? -
die die eigentlichen Kredite um ein vielfaches überstiegen, weil man falsch bewertet hatte. Somit wurden erneut künstliche Nachfrage und damit höhere Preise geschaffen. Man gibt also 99 Arbeitslosen und einem Mittelständler einen Hauskredit, je in Höhe von 200 000$, verpackt das ganze als ein Paket von 100 sicheren Krediten und verkauft es anstatt für 20 000 000$ eher für 30 000 000$, dadurch dass die Immobilienwerte steigen ist das ganze plötzlich 40 000 000$ wert. Dann wettet man darauf, dass alle schön ihre Kredite abbezahlen und die Immobilienwerte noch steigen. Wenn man in diese Wetten viel Geld investiert, dann entstehen vielleicht insgesamt Geldwerte von 200 000 000$, die man allerdings nicht so überblicken kann. Wenn es allerdings hart auf hart kommt, dann kann eventuell nur noch der eine Mittelständler sein Haus bezahlen und von den 200 000 000$ an Geldwert, bleiben der Bank 200 000$, also 99% Verlust. Das Beispiel ist natürlich leicht übertrieben.
- O.K., aber bei einer Wetten geht ja an sich kein Geld verloren, es wird ebensoviel gewonnen wie verloren (abzüglich der Buchmachergebühren, die aber natürlich auch nicht weg sind).
Wo steckt das Geld? In den damals zu hohen Immobilienwerten, im zu hohen Lebensstandard der amerikanischen Gesellschaft - Was hat der damit zu tun? Der Zusammenhang ist mir nicht klar? - , bei Investoren, die damit gut gehandelt und gegen die Banken gewettet haben. - Welcher Art Investoren sind das z.B.? Wenn sie an der Börse notiert wären, hätten ja irgendwelche Werte ordentlich steigen müssen, ist mir aber nicht aufgefallen? -
So zumindest meine Ansicht, da wird es sicherlich auch noch umfangreichere oder abweichende Analysen geben. Man kann es letztendlich auch nicht auf das genaueste bestimmen.
- Das wäre aber schon nötig, oder? Millionen Anleger und Steuerzahler müssen das bezahlen. Da sollten sie wissen, warum und an wen letzten Endes.
Wäre schön, wenn Du mir die unklaren Stellen noch erklären könntest, ich bin in Wirtschaft wirklich nicht fit - aber gut, das sind etliche Banker offenbar auch nicht.
Vielleicht sollte ich auf Banker umsatteln, viel falscher kann ich es auch nicht machen und im An- und Verkauf kenne ich mich aus.
Gruß, Anne