Blondhaar, Schwarztee,

Hallo zusammen,

in letzter Zeit hört und sieht man immer häufiger diese grausigen Zusammenziehungen. Woher kommt der Blödsinn plötzlich?

Gruß vom Wiz

Hallo,

wieso „in letzter Zeit“ ? Ich kenn den Begriff „Schwarztee“ noch aus meiner (Ost-)Kindheit. Ich vermute fast, dass es auch was mit regionaler Dialektik zu tun hat. Bei meiner Tante und meinen Cousins im Norden vom Land Brandenburg hoere ich solche Woerter oefter als anderswo.

Gruss.

Kris.

Blödsinn, Witzbold, …
Hi Wiz

… Woher kommt der Blödsinn plötzlich?

„Blödsinn“ ist nach demselben Muster gebildet wie Blondhaar!

Witz-Bold!
Schlau-Meier!

Gruß

Metapher (manchmal Klug-Scheißer, selten Faul-Pelz, oft Grün-Tee-Genießer)

Hallo Kris,

mit regionalen Unterschieden scheint es tatsächlich etwas zu tun zu haben. Bin in den Raum Hannover vertriebener Westfale / Rheinländer (allerdings schon über 20 Jahre) und hier sind mir diese für mich vollkommen falsch und grausig klingenden Wortungetüme vor ein paar Jahren erst ganz selten, inzwischen aber mehr oder weniger regelmäßig aufgefallen. Erzählt man der Verwandschaft aus dem Pott davon, kräuseln sich denen die Fußnägel. Könnte also sein, dass sich da eine Epidemie aus dem Osten Richtung Westen auf den Weg macht :wink:

Gruß vom Wiz
BTW: Du hast nicht zufällig was mit dem Kollegen Dr. Wolfgang Hackenberg zu tun?

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Hi zurück,

der Unterschied ist aber, dass Witzbold und Schlaumeier Begriffe sind, die zumindest in meinen fast 36 Lebensjahren schon immer da waren. Blondhaar und Schwarztee, etc. müssen vor ein paar Jahren plötzlich aufgekommen sein, und regional (siehe anderes Posting) erfahren sie krasse Ablehnung. Auch der Duden hat bislang wohl nur das Blondhaar aufgenommen, während der Schwarztee (lt. Mr. Check jedenfalls) nicht verzeichnet ist.

Gruß vom Wiz

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Hallo, Wiz,

… Woher kommt der Blödsinn plötzlich?

wohl doch so plötzlich nicht, fand ich doch dieses Zitat bei Ludwig Ganghofer (1855-1920)
„Er trug einen Reiseanzug aus dunklem Cheviot, dazu ein schwarzes Hütchen, unter dessen schmaler Krempe sich das peinlich frisierte Blondhaar gleich einer polierten Bernsteinschale um den Kopf legte.“
oder bei Ludwig Jacobowski (1868-1900)
„glänzt dann auf Lieschens Blondhaar hell“
Noch ein Zitat von Richard Dehmel (1863-1920)
„Ihre Schultern schmücken zartzarte Flügel wie von märchengroßen
Tagschmetterlingen oder Blumenblättern; und wer in Blondhaar geht, hat blauen Schmelz, wer braun ist, feuerroten - nirgends Schwarz.“
aber damit soll es erst mal gut sein :smile:

Schönen Gruß
Eckard.

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So, Wiz,
jetzt hat mir der Schwarztee doch keine Ruhe gelassen. So leicht wie beim Blondhaar fällt es da nicht (alte) Belegstellen zu finden. Allerdings ist nun einmal die Kompositabildung ein wesentliches Sprachmerkmal (Twain meinte eine ) des Deutschen. Dass man begrifflich Zusammengehöriges auch zusammenschreiben (und eben nicht zusammen schreiben) kann und dass das eben auch bis zum Donaudampfschiffahrtskapitänswitwenrentenauszahlungsstellenschalterbeamten und darüber hinaus gehen kann - das ist eben deutsche Sprache.
Und um nicht schon wieder unser südlichen Nachbarn zu übergehen noch ein kleiner Ausriß von Mathias Ninck, der auch mit Schwarztee zu tun hat:
Was unterscheidet den Deutschen vom Schweizer? Immer wieder und vor allem: die Sprache. Ich begriff das zum ersten Mal, als ich mit sieben Jahren von Freunden auf eine Reise mitgenommen wurde - zur Insel Mainau. Wir spazierten durch diese unendlichen und todlangweiligen Blumenfelder, bis es endlich Zeit war für die versprochene Glacee. Da sassen wir also im Restaurant und warteten auf das Fräulein, und als es kam, sagte der befreundete Familienvater: „Wir hätten gern fünf Glacee.“ Das Fräulein verschwand, zackig und ohne nach weiteren Angaben zu fragen, und dann kam es wieder, und auf dem Tablett balancierte es - fünf Glas Tee. Schwarztee! Es war ein Skandal, und ich verstand, dass der Familienvater auf den Tisch haute. „Glacee!“, schnaubte er. „Glacee, habe ich gesagt! Verstehen Sie?“ Das Fräulein verstand nicht. Sie war Deutsche.
Wir kriegten unser Eis dann doch. Und weil solche Fälle nicht nur auf hungrige Kinder eine traumatisierende Wirkung haben, sondern ganz allgemein ein Problem darstellen, hat sich ein Verein der Sache angenommen: der Schweizerische Verein für die deutsche Sprache (SVDS).

Hallo,

wieso „in letzter Zeit“ ? Ich kenn den Begriff „Schwarztee“
noch aus meiner (Ost-)Kindheit. Ich vermute fast, dass es auch
was mit regionaler Dialektik zu tun hat. Bei meiner Tante und
meinen Cousins im Norden vom Land Brandenburg hoere ich solche
Woerter oefter als anderswo.

Hallo Kris,

ich habe grade an mir gezweifelt, aber es stimmt, bei mir zu Hause (Brandenburg) sind solche Begriffsbildungen durchaus gängig und Schwarztee eine geläufige Bezeichnung.

Was aber sit daran auszusetzen? Es gibt auch Heißmangel, Großmäuler und Schwarzwild und in Bayern soll es sogar Weißwurst geben .

Gruß Maid