Blumenwiese auf nährstoffreichem Standort

Moin,
ich habe den Auftrag ein ca ein ha großes Stück Wiese für mindestens ein Jahr ästhetisch und ökologisch wertvoll zu gestalten. Eine Bienenwiese o.Ä. scheidet da doch erstmal aus, oder? Es ist ein Bördeboden also mit 90+ Bodenpunkten. Viel zu „fett“ für schöne Blümchen… Ob es alle paar Wochen gemäht werden muss oder nicht ist egal, hauptsache es sieht schön aus und ist gut für Bienen und Konsorten.
Grüße
Heinz

Hallo.
Du müsstest Dir erst mal im Klaren sein, was Du willst. In Deiner Fragestellung ist ersichtlich, dass es eine Bienenwiese nicht sein sollte und einen Satz weiter möchtest Du, dass sich Bienen und Konsorten wohlfühlen sollen.
Was schön aussieht, liegt im Ermessen des Betrachters.
Möchtest Du eine 100%ige ökologische Bienenwiese, mach nichts und lass alles wachsen und blühen so wie die Natur es will.
Möchtest Du einen sterilen blumenlosen Rasen, dann mäh in der Vegetationszeit jede Woche und Du hast einen Tennisrasen.
Dazwischen ist alles möglich.
Gruss Peter

Die Schönheit…
…liegt im Auge des Betrachter.
Das zum Thema „ästetisch“.

Aus der Retorte ist sowas schwerer als die Dinge einfach sich entwickeln zu lassen: Das Stück Wiese einfach nur zwei Mal im Jahr mähen (die 1. Mahd möglichst spät, um das Aussamen von Blumen zu ermöglichen) und das Mähgut abtransportieren. Und abwarten, was sich so anfindet.

Dass Blumenwiesen nur auf armen Böden gedeihen, ist ein wenig ein Gerücht und eine Frage der Bilder, die man dazu im Kopf hat. Es werden sich andere Tier- und Pflanzenarten auf nährstoffreichen Standorten anfinden als auf Trockenrasen - aber das ist ja im Sinne der Vielfalt auch durchaus erwünscht.

Ich habe mal nach „Blumenwiese auf nährstoffreichem Standort“ gegoogelt und ein paar Seiten rausgesucht:
Saatgut
Saatgut
um Nachzuhelfen vielleicht gar nicht schlecht. Oder mal die Artenlisten angucken und gezielt manche Arten einsähen. Oder vom Spaziergang im Sommer Samen von Wiesen mitbringen.
Bei den Saatgutmischungen würde ich darauf achten, dass nur heimische Wildarten drinnen sind, keine merkwürdigen prächtig bunten Blumen, die da gar nichts zu suchen haben (in den Links nicht überprüft)

Allgemeine Infos zur Blumenwiese

Aber am schönsten fände ich die Idee, sich das einfach entwickeln zu lassen. Zuzusehen, wie im Laufe der Jahre manche Pflanzen dominieren und wieder zurückgedrängt werden…

Grüße
kernig

Eine Bienenwiese o.Ä. scheidet da doch erstmal aus,
oder? Es ist ein Bördeboden also mit 90+ Bodenpunkten. Viel zu
„fett“ für schöne Blümchen… Ob es alle paar Wochen gemäht
werden muss oder nicht ist egal, hauptsache es sieht schön aus
und ist gut für Bienen und Konsorten.
Grüße
Heinz

Moin!

Das geht schon und ich kenne so einen Versuch (Nußberg, Braunschweig, unterhalb des Denkmals).
Problem an der Sache ist nur, daß die Wiese nur einmal im Jahr nach der Reife der Samen Ende September gemäht wird, damit alle Pflanzen eine Chance haben, sich selber auszusamen. Das ist für viele nicht ästhetisch genug bzw. sieht unordentlich aus.
Ein weiterer Punkt ist, daß man alle paar Jahre nachsäen muß, weil sich mit der Zeit die Gräser durchsetzen (werden normalerweise vom Vieh gefressen, die aber nun fehlen).
Mit einmal aussäen und dann die Natur machen lassen, funktioniert also nicht.

Falls bereits eine Wiese existiert, sollte der Boden gefräst und neu eingesät werden. Nur Samen draufschütten funktioniert auch nicht.
Die Auswahl der Arten ist Geschmackssache. In Naturschutzgebieten kommen natürlich nur heimische Arten in Frage, auf Privatflächen würde ich auf Vielfalt setzen.

Alternativ kann man auf sehr guten Böden Zwiebelpflanzen einsetzen. Wild-Narzissen und Blausternchen wachsen dort sehr gut und bilden dichte Bestände.

lg

Bördeboden ist eigentlich viel zu schade für eine Blumenwiese. Bio-Weizen aussäen, ist auch Pollen- und Nektarträger für die Bienen, ernten und verkaufen. Das ist das beste für Bienen und Mensch.

Grüße Malvenblüte

Hallo Kernig,

schönen Dank für den erhellenden Beitrag.

Ergänzend noch ein paar Dinge, die Dir nichts Neues sind, aber für Mitleser vielleicht interessant:

  • eine Blumenwiese nur für ein Jahr ist in erster Linie hübsch anzusehen und bloß nebenbei auch insektenfreundlich; das kann man auch sehen, wenn man die von Dir verlinkten Quellen liest: Da sind viele zweijährigen und ausdauernden Pflanzen dabei.

  • es ist nicht zufällig, dass die beschriebenen Mischungen aus der CH kommen: Der ungefähr ab Kassel nordwärts peu à peu immer mehr ins Bläulichgrün übergehende Farbton von Wiesen (auch von extensiv bewirtschafteten) zeigt das Süd-Nord-Gefälle, was den Artenreichtum und die Häufigkeit von Blütenpflanzen im Grünland betrifft. In den Börden leuchtet es schon deutlich weniger als im Schweizer Mittelland.

  • zuletzt noch: Schönheit fürs Auge und Wert für Insekten fallen nicht unbedingt in einer Pflanze zusammen. Wenn man eine Insektenwiese auf Bördeboden einrichten will, sollten Schmetterlingspflanzen wie (allen voran) Brennessel, aber auch Klette und Karde nicht fehlen, und natürlich auch die Wilde Möhre.

Schöne Grüße

Dä Blumepeder