Boden im Garten verhärtet schnell und verliert Biomasse

Der Boden in unserem Garten ist lehmig und kiesig. Ab 20 cm Tiefe beginnt runder Kies, den die Gletscher hier zurückgelassen haben. Bis vor fast genau hundert Jahren war hier Wald. Er ist Teil der münchner Schotterebene, das heißt, dass er eigentlich nie fruchtbar war. Landwirtschaft in der Gegend war teils nur mit Hochäckern und Bifang möglich.

Nun bearbeiten wir die Blumenbeete regelmäßig und vor allem bei der Neupflanzung bringen wir immer nicht unerhebliche Mengen an Blumenerde ein. Diese enthält heute große Mengen kompostierter Pflanzenteile, man möchte ja zurecht keinen Torf mehr einsetzen. Auffällig ist, dass der Biomasseanteil im Boden sehr schnell abgebaut wird und nach zwei Jahren praktisch nichts mehr davon übrig ist. Das verbleibende Substrat ist wieder sehr verdichtet und dann wieder extrem schwer zu bearbeiten. Wenn man Unkraut jätet, bleibt oben eine Schicht, die schnell zur Kieswüste erodiert. Einige Pflanzen kommen damit gut zurecht, z.B. verschiedene Mannstreu-Arten, bei anderen ist es aber schwierig. So sind z.B. die sibirischen Schwertlilien weitgehend verschwunden. Allium und Steppenkerze gedeihen, aber die haben ja tief liegende Zwiebeln bzw. Rhizome.

Wir haben auch ein paar Stücke, wo mal Rasen war. Aber um den dauerhaft zu erhalten, müsste man Unmengen an Wasser verschwenden. Der Boden scheint auch das Wasser nicht gut zu halten. Mir persönlich egal, ich mag Moos und Blumen lieber, aber ich hab nicht allein zu entscheiden. Und selbst dem Moos wird es jetzt zu trocken.

Langer Rede, kurzer Sinn. Ich möchte den Boden verbessern, und zwar dauerhaft. Magische Mittel zum Aufträufeln gibt es bekanntlich nicht, also rechne ich, wenn überhaupt mit einer Methode, bei der man wirklich was in den Boden einarbeiten muss. Schlimmstenfalls 10 oder mehr cm tief.

Was würdet Ihr versuchen? Ich habe über vieles nachgedacht, aber jeweils Bedenken entwickelt. Blähton (hat heutzutage noch ziemlich hohe CO2-Emission), Bims (schweineteuer und wer weiß, wo der herkommt), Perlit (bezahlbar, aber mir scheint, dass er eher Luft einschließt, als Wasser zu halten), Biokohle (ob die in dem Boden lange existiert, wenn sonst auch alles verschwindet), Bentonit (hilft aber doch eher bei sandigen Böden), Sand zur Lockerung (verbessert aber die Wasserhaltung nicht), Hackschnitzel (leben wahrscheinlich auch nicht länger als eingearbeitete Erde).

Kompost stellen wir selbst her, ist aber vor allem Laubkompost durch die vielen Bäume. Und der Großteil des Laubkomposts geht drauf für ein Moorbeet. Da hab ich also nicht genug übrig.

Hat jemand Erfahrung mit so einer Bodenverbesserungsaktion?

Laub in größeren Mengen kannst Du bestimmt bei Vereinen „abgreifen“ die Flächen haben. Hundeplatz, Sportstätten, etc.. Habe selbst vor, bei der nächsten Reinigungsaktion beim Hundeverein, das Laub statt zur Gemeinde zu mir nach Haus zu karren.

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Servus,

recht wahrscheinlich ist Euer Boden nicht lehmig, sondern tonig. Lehmböden (auf Löß) sind die fruchtbarsten Ackerböden überhaupt.

Ihr habt schon genug Kies in Eurem Garten, nicht noch mehr Zeugs da reinkippen, das im Baumarkt besser aufgehoben ist als im Garten (Bims, Perlit, Blähton - warum nicht gleich den tollen recycleten Beton, von dem aktuell so viel die Rede ist?). Böden für Acker- und Gartenbau macht man nicht mit der Mischmaschine, und man macht sie auch nicht im Handumdrehen oder in wenigen Jahren.

???

Der Oberboden geht bis 30 cm, und um einen Boden zu kennen, zieht man Proben aus 30-60-90 cm Tiefe.

Es geht um organische Substanz - je mehr desto besser. Die brauchst Du nicht unbedingt zu kaufen, sondern kannst sie auch wachsen lassen: Erstes und oberstes Gebot ist, ganzjährig die ganze Fläche unter Bewuchs zu halten - Ausnahmen vielleicht bei Gemüsebeeten, die dort, wo nicht die gesamte Fläche dicht an dicht bewachsen sein kann, großzügig mit leicht gekalktem Rindenmulch bedeckt werden. Wege nicht mit Trittplatten oder sowas, sondern mit Weißklee in leicht gekalkten Rindenmulch gesät anlegen.

Ein guter Lieferant von organischer Substanz (vor allem auch unter der Oberfläche), der mit sehr leichten, extrem drainierten Böden wie bei Euch offenbar ansteht (die Beschreibung habe ich nicht recht verstanden - ein richtiger Tonboden wäre staunass und sehr schlecht durchlüftet, da wird „Biomasse“ nicht schnell abgebaut) ist Steinklee (der liefert dazu noch ganz ordentliche Mengen N), auch Leinkraut eine hübsche Pionierpflanze. Wie gedeihen denn Ackerbohnen, Bohnen, Erbsen?

Schöne Grüße

MM

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spricht was dagegen in dem Fall den Boden kontinuierlich mit Biomasse aufzubauen (und ja, das wird dauern), sprich Kompost, Mulch (fein), Hornspäne, Mist, usw. usw. und insb. viel Gründüngung, am besten gemischt, immer wieder und wieder dosiert aufzubringen, bis sich über die Zeit langsam der Boden aufbaut? :wink:

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Es ist durchaus nicht unüblich Bodenaustausch auch im privaten Umfeld in größerem Stil zu betreiben, wenn die örtlichen Verhältnisse nicht für das gewünschte Nutzungsprofil geeignet sind. Mutterboden wird sicher auch bei Dir regional von diversen Leuten angeboten, die dann auch den Aushub und Abtransport des anstehenden Bodens übernehmen. Im Bestand ist das natürlich nicht so einfach wie bei Neubau. Aber man muss ja auch nicht vollflächig tauschen, wobei wir hier für einen ordentlichen, dauerhaften Effekt schon von 30cm Tiefe sprechen. D.h. da kommen schon Mengen zusammen, die weit jenseits dessen liegen, was Du da bislang mit ein wenig Kompost hier und da gemacht hast.

Moin Aprilfisch,

organische Substanz ist das eine, die Wasserhaltung das andere, hat aber, so verstehe ich Dich, ja miteinander zu tun.

Lehmig war ein falscher Begriff, aber der Timeout für die Korrektur in meiner Frage ist abgelaufen.

Der Boden ist nicht grundsätzlich schlecht, wir sehen bei allen Arbeiten regelmäßig Regenwürmer in größerer Zahl. Nur haben die anscheinend den besseren Spaten. Meine brechen eher ab. Auffällig ist halt die schnelle Erosion und das beschleunigte Austrocknen.

Gründüngung haben wir bislang nicht gezielt vorgenommen. In den Beeten haben sich Fingerkraut und irgendein Sauerklee breit gemacht. Ersteres neigt aber dazu, die Blumen zu überwuchern. Was der Sauerklee so tut, weiß ich nicht, müsste ihn erstmal genauer bestimmen.

Ob ich Ackerbohnen, Bohnen und Erbsen als Zwischenfrucht ins Blumenbeet bekomme, müsste ich noch mal diskutieren, aber theoretisch kann man die ja auch zwischenrein säen.

@Wiz Vor 10 Jahren wurde der Boden schon mal ausgetauscht. Das Problem ist, der müsste von weit her kommen, damit er strukturell anders ist. Mir wäre lieber, den langsam zu transformieren.

Den kontinuierlichen Aufbau, Erde und natürliche Dünger, haben wir bisher schon gemacht, aber möglicherweise zu wenig? Genau Buch geführt haben wir nicht, könnte ich natürlich mal anfangen.

Dabei steht halt die Beobachtung, dass oberflächlich aufgebrachte Erde irgendwie nach drei Jahren zu nichts zerfällt. Vermutlich müsste ich Bodenproben ziehen, um den Erfolg weiter unten beurteilen zu können.

Vielleicht sitze ich auch einem Trugschluss auf und nur weil ich mit dem Spaten in meinen Boden nicht reinkomme und er aussieht wie dreckiger Kies ist er nicht zwangsläufig nährstoffarm, verdichtet oder anderweitig unbrauchbar.

wenn kompletter Austausch, wie von @Wiz vorgeschlagen, für Euch nicht (schon wieder) in Frage kommt würde, ich da ansetzten.

naja, schadet sicher nicht, aber das wäre mir persönlich dann schon wieder „too much“ :wink:

Ein solcher Bodenaustausch muss natürlich mit dem „richtigen“ Boden gemacht werden, und hält dann eigentlich. Meine Eltern haben in den 70ern auf einem alten Ziegeleigelände gebaut, und wie viele Nachbarn im Neubaugebiet Mutterboden (tiefschwarzer Zuckerrübenboden) anfahren lassen. Da blüht und gedeiht es bis heute wunderbar, und jedes Jahr werden da Container voll Grüngut abgefahren.

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und die 90er Böden aus den Börden wird man im Voralpenland südlich der Günz- und Mindelendmoränen vergebens suchen.

Zwar sind in Oberbayern überraschende 66 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ackerbaulich genutzt, aber wenn man davon die Äcker abzieht, die in den Grünlandgebieten für Maisanbau zur Silagegewinnung genutzt werden, wird das ziemlich schnell ziemlich eng.

Die Böden in dieser eiszeitlich überformten Gegend sind ein ziemlicher Flickenteppich - es kann durchaus vorkommen, dass auf einem Acker dort alle fünf Meter ein anderer Boden an die Oberfläche kommt, ich hab in Oberschwaben schon auf solchen Böden geackert, da ist man ununterbrochen mit der rechten Hand am Nachregulieren für den Pflug, nix mit Automatik.

Daher kommt es, dass das, was dort unter „Mutterboden“ feilgehalten wird, oft genug ein schreckliches Zeug ist, das dem Bauunternehmer Landwirte nicht für Geld und gute Worte abnehmen wollen.

Und unabhängig davon ist - und das ist sogar in der beschriebenen Gegend nicht häufig - die Münchener Schotterebene gekennzeichnet durch Böden, die tatsächlich hauptsächlich aus Ton und Schotter bestehen, der Anteil von Schluff (= den Korngrößen, die zwischen Ton und Sand liegen und den Lößlehm in den Börden so fruchtbar machen) ist vernachlässigbar. Das führt zu dem seltsamen Phänomen, dass kaum Bodenbildung stattgefunden hat und der Ton aus dem Oberboden nach unten ausgetragen worden ist, so dass unter der Schotterschicht eine Tonsohle besteht, die den Kontakt zum Grundwasser einschränkt bis verhindert. Wenn es jetzt gelingt, irgendwo eine ordentliche Braunerde oder Parabraunerde aufzutreiben und diese mindestens zwanzig Zentimeter stark auf den Schotter aufzubringen, wird dieser recht zügig mit Niederschlägen und Bewässerung das gleiche Schicksal zuteil werden - es sei denn, sie ist ausreichend humos: Ton-Humus-Komplexe werden nicht so leicht ausgewaschen.

Und damit schließt sich der Kreis: Auch in diesem Fall muss alles dafür getan werden, dass der Oberboden ausreichend humos bleibt, sonst hat man ihn recht bald gesehen.

Schöne Grüße

MM

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Das ist tatsächlich eine Beschreibung, die sich mit meinen Beobachtungen gut deckt. Die Kunst ist nun, die Verbindung zwischen den Mineralien und den organischen Humusbildnern zu schaffen. Wahrscheinlich tue ich gut daran, beim Kompostieren schon erhebliche Mengen an tonigem Material einzubringen, damit die Zeit für mich arbeitet. Im Komposthaufen findet ja keine nennenswerte Auswaschung statt und die Kompostwürmer vermischen die Inhalte sehr gut.

Eine Option ist, Teile des Mutterbodens mit in den Kompost zu werfen. Da dort aber schon bis oben sehr viel runder Kies drin ist, befürchte ich durch das Gewicht eine Verdichtung, die den Kompostiervorgang stören könnte und schlicht Ballast darstellt. Also könnte ich was hineinsieben oder eben irgendwas tonartiges hinzufügen.

Servus,

wenn Du etwas Toniges einarbeiten lassen möchtest, überlass diese Arbeit am besten Freund Tennessee Wiggler & Co: Regenwürmer bilden aus zersetzten Pflanzenresten und Tonmineralien (die sie ebenfalls fressen) die benannten Ton-Humus-Komplexe. Man muss halt drauf achten, dass ausreichend Kalk verfügbar ist - das dürfte aber bei Dir kein Problem sein (ich arbeite auf Auenton aus Buntsandsteinverwitterung, der ist annähernd kalkfrei - im Lauf von etwa 20 Jahren hab ich trotzdem einen ordentlichen Gartenboden zustande gebracht, nach dreißig Jahren Rasen- und Rosensteppe). Bei meinem Bodenkunde-Prof Brunk Meyer haben wir mal ausgerechnet, wie viele Tonnen Boden Regenwürmer pro Hektar und Jahr durcharbeiten - ich erinnere mich nicht an die Zahl, aber sie war dramatisch hoch.

Eine hübsche Möglichkeit, diese verschiedenen Elemente zu verbinden, sind Hügelbeete nach John Seymour: Das ist bei Deinem Schotterboden zwar im Spätherbst oder im zeitigen Frühjahr eine Scheißarbeit, aber sie lohnt sich:

Hebe ein Beet etwa 15 - 20 cm tief aus, bringe dann Gehölzschnitt - Pflanzenschnitt - Kompost von grob nach fein aufsteigend (und in den oberen Lagen so Du hast auch Ton) in Form eines langgestreckten Hügels ein, dazu ein paar Handvoll Hornspäne und vielleicht doch auch Dolomitkalk, decke das Ganze mit dem Aushub wieder ab.

Schöne Grüße

MM

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