Bodenverbesserer (organisch)

Hallo zusammen,
ich benutze als Bodenverbesserer OSCORNA Boden-Aktivator. Das ist aber eine ziemlich treuere Angelegenheit. Kennt jemand eine entsprechende Alternative?
Gruß
gg

Servus,

je nach Boden und Klima:

Phacelia
Ölrettich
Bitterlupine
Esparsette
Waldstaudenroggen
Ackerbohne
Weißklee
Rotklee
Perserklee
Hornklee
Buchweizen
Hanf

Schöne Grüße

Dä Blumepeder

KOMPOST.

Das beste und gleichzeitig billigste, was es gibt. Wenn du Hausbesitzer bist, kannst du (zumindest bei uns) sogar deine Müllgebühren reduzieren, die Biotonne abschaffen und selbst kompostieren. Ich persönlich packe einfach alles auf den Kompost, was verrottet. Auch Küchenabfälle, die werden natürlich eingegraben, damit es nicht fault und stinkt. Da mein Garten ca. 20 Autominuten entfernt ist, habe ich mir mehrere Eimer mit fest schließendem Deckel besorgt und sammle meine Küchenabfälle, um sie am Wochenende auf den Kompost zu bringen.

Was hast du denn für ein Bodenproblem? Zu leichte, sandige Böden, die schnell austrocknen und Nährstoffe schlecht halten, brauchen GANZ DRINGEND ständige Bedeckung (Mulch). Ich schwöre auf Rasenschnitt, nehme sogar gern den der Nachbarn an. Den mind. 5cm dick auf die Beete verteilen und der Boden wird wirksam am Austrocknen gehindert. Nebenwirkung: Regenwürmer lieben welkende Pflanzenteile und ziehen die sich unter die Erde. Dadurch wird der Boden durchlüftet (Gänge), der Wurmkot verbessert den Boden und die Pflanzenfasern tragen zur Humusbildung direkt im Boden bei, was wiederum die Mikrofauna fördert. Der Boden wird also wirksam, schnell, nachhaltig und billig aktiviert.

Schwere, lehmige Böden, die zum Hartwerden, Verkrusten und Aufbrechen neigen, profitieren aus demselben Grund ebenfalls vom Mulchen. Zusätzlich kannst du solche Böden mit etwas Sand auflockern. Die reichliche Zufuhr von groben strukturgebenden Humusbildnern, sprich gehäckselte Zweige und nicht ganz verrotteter Kompost (spatentief einarbeiten) hilft ebenfalls gegen das Verhärten. Reifen, gesiebten Kompost DICK auftragen und nicht einarbeiten. Stark verhärteten oder verdichteten Boden mit Bodenbrechern wie Kartoffeln bepflanzen, die geben dann zwar erstmal nicht so den Wahnsinnsertrag, helfen dir aber, die harte Erde zu durchdringen und durch die Ernte lockerst du ganz automatisch tief auf. Nur wirklich harten Boden im Winter in grober Scholle umgraben und durchfrieren lassen! Leichte Böden nehmen das sogar sehr übel.

Alle Bodenarten nehmen es übel, nackt und bloß den Witterungen und der Sonne preisgegeben zu werden. Also: Abgeerntete Beete mit schnellwachsenden Gründüngern bedecken, mindestens mulchen. „Ordentliche“ sauber gejätete Beete mit Monokulturen in Reih und Glied sind 1. Bodenvernichter, 2. extrem arbeitsintensiv und 3. auch noch hässlich. Ich mische so viele verschiedene Kulturen auf meine Flächen wie möglich. Es gibt unzählige Tabellen im Netz, was sich mit wem verträgt und was nicht. Allgemein bekannt ist die gemeinsame Kultur von Zwiebel und Möhre, die sich gegenseitig die Schädlinge vertreiben. Aber da geht noch mehr: Zwischen die Erdbeeren kommen Tomaten und Knoblauch (schützt gegen Erdbeerschimmel), falls da noch Platz zwischen ist kann da noch Kohlrabi hin. Tomatenduft hält übrigens die Weiße Fliege vom Kohl fern, hier muss man nur auf genügend große Abstände achten, damit die Tomatenblätter immer abtrocknen können und nicht unter Feuchteschäden (Braunfäule) leiden. Ganz klassisch vor allem in den USA ist die Mischung von Zucchini/Kürbis mit Mais. Der Mais wächst nach oben, die Zucchini breiten sich auf der Bodenfläche aus und beschatten die Erde, so dass der immer durstige Mais weniger unter Trockenheit leidet. Sehr gut lassen sich hochwüchsige mit niederwüchsigen Pflanzen kombinieren. Oberirdisches mit Wurzelgemüse. Langsamwachsende Kulturen schließen ihre Fläche erst später, so dass schnellwüchsige dazwischen die Decke schließen und erntereif sind, wenn die langsamen den Platz zu beanspruchen beginnen. Das trägt auch noch zur gleichmäigen Bodennutzung bei, der Boden wird nicht einseitig ausgelaugt.
Mein Lieblingsbodenbedecker ist übrigens Spinat, der wächst schnell, schützt mit seinen großen Blättern sehr gut den Boden vor der Sonne und gibt nebenbei noch eine extra Ernte. Der verträgt sich auch mit fast allem. Breitwürfig über das Kartoffelbeet gestreut hat er mir letztes Jahr den Kartoffelkäfer vom Leib gehalten, weil die Kartoffelreihen voneinander getrennt waren und die Käfer sich nicht ausbreiten konnten. Ich hab also in der Sonne gelegen, während meine ach so ordentlichen Nachbarn auf den Knien rutschend Käfer gesammelt haben :smile:

Übrigens bedecke ich auch die Wege zwischen den Beeten, vorzugsweise mit Holzhäcksel vom Obstbaumschnitt, so unterdrücke ich Wildwuchs (vulgo Unkraut) und kann trockenen Fußes meine Plantage abreiten :wink: Auch auf den Beeten ist ein Nebeneffekt der ständigen Bodenbedeckung, dass Wildwuchs unterdrückt wird (getreu dem Grundsatz der Physik, der da besagt, dass kein zweiter Körper sein kann, wo schon einer ist).

Ein schöner, billiger, natürlicher Bodenaktivator ist auch Brennessel, klassisch als Jauche gegossen und die ausgelaugten Pflanzen mit kompostiert oder direkt ins Beet geworfen. Gespritzt kann das Zeug auch werden, stärkt Tomaten gegen Braunfäule, verteibt Blattläuse und fördert bei eigentlich allen Pflanzen das „Allgemeinbefinden“ und damit die Krankheitsresistenz. Es gibt noch viele andere Pflanzen, die sich als Jauche, Brühe oder Sud gegen spezifische Krankheiten und für spezifische Pflanzen verwenden lassen. Tante Google hilft.

Katzenstreu (nicht klumpend!) auf Bentonitbasis oder ganz und gar aus natürlichen Materialien soll auch gut sein. Ich selbst habe nach der Abgabe meiner Katze die restliche Streu als Bodenverbesserer in Mutters Garten verwendet (sehr schwerer Boden). Wenn ich mich recht entsinne, war ihre Erdbeerernte in jenem Jahr rekordverdächtig.

Natürlich fehlt hier noch der gute alte Pferde-, Rinder- oder sonstige Mist, der bedarf eigentlich keiner weiteren Erwähnung! Wo keine Stallungen aufzutreiben oder der Transport zu kompliziert ist, tut es auch das Granulat aus Rinderdung, den der durchschnittliche Baumarkt in der Gartenabteilung parat hat (ist auch für empfindliche Nasen besser geeignet).

Fazit: Im Garten halte ich von teuren Bodenverbesserern oder -aktivatoren nichts, die naturgegebenen Mittel sind biliger, leichter zu beschaffen und wesentlich nachhaltiger als jeder Wunderkrempel.

Erratum
Servus,

ersetze bitte „lehmig“ durch „tonig“.

Danke

Dä Blumepeder

Wenns dich glücklich macht…
Egal wie mans nennt, das Ergebnis und die Behandlung sind das gleiche.

Lehm vs. Ton
Servus,

Lehmböden sind die fruchtbarsten Böden überhaupt und brauchen keine der von Dir beschriebenen Maßnahmen. Vor allem die von Dir beschriebene Frostgare schadet bei allen Böden, mit Ausnahme von Tonböden, mehr als sie nützt.

Es geht gar nicht darum, dass ich oder sonstjemand glücklich ist oder nicht, sondern um klare Begriffe. Ohne diese kann man über nichts richtig reden, auch nicht über Gartenbau.

Schade um Deine nützlichen Ratschläge.

Schöne Grüße

Dä Blumepeder

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Gut, dann lass ich mich gern aufklären. Der Unterschied zwischen lehmig und tonig ist mir halt nicht so klar. Vielleicht hab ich deshalb die Geographie-Abiprüfung so gut wie versemmelt.
Mulchen und Kompost bekommt allerdings JEDEM Boden, da halte ich dran fest. Die Frostgare lehne ich persönlich (schon aus lauter Faulheit, aber auch aus rationalen Gründen) komplett ab und ich habe beachtlichere Erträge mit Faulenzen als meine fleißigen, dauerschuftenden Nachbarn (auf sehr leichtem Boden, der gut krümelt, aber auch schnell austrocknet). Geheimwaffen: Mulch, Mulch, Mulch, Kompost und Mischkultur.
Und bevor mich einer der kompletten Faulheit anklagt: Ich bin Vollzeit berufstätig, alleinerziehend und muss ca. 20min in den Garten fahren. Der muss zwangsläufig pflegeleicht bleiben, schließlich will ich auch mal die Beine hochlegen, wenn ich von der Arbeit komme!

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Hallo Angela,

Deine so dankenswert ausführlichen Angaben zu einer effektiven Bodenverbesserung im Garten kann ich nur UMFASSEND bestätigen. So habe ich jahrelang einen sehr großen Gemüsegarten einschließlich Kartoffelanbau trotz sehr umfangreicher Berufstätigkeit in Schwung gehalten - mit genau diesen Methoden. Insbesondere das Mulchen war - bei meinem überwiegend sandigen Boden! - DER Schritt voran. Auch puncto Arbeitsersparnis (Gießen + Jäten).
Zuvor hatte ich allerdings gleich gute Erfahrungen mit dem Mulchen auf einem SEHR schweren (lehmig-tonigen … was wars nur?) Boden.
Ob Du wohl das Buch von Ruth Stout gelesen hast? Man könne (durch die Mulchwirtschaft) einen Garten sogar von einem Rollstuhl aus bewirtschaften …

Was ich nicht wußte: die Vorteile der Katzenstreu … da habe ich noch dazu gelernt aus Deinem Artikel. Hätt ich gern eher gewußt - wie oft hier auf Baumärkten vergeblich nach Bentonit gesucht … Hättest mal eher davon schreiben können! :smile:
Danke jedenfalls für einen kleinen Artikel über Bodenbewirtschaftung, den ich gerne und in der Hoffnung las, daß das noch viele andere tun.

S.I.

Hallo

je nach Boden und Klima:

Phacelia
Ölrettich
Bitterlupine
Esparsette
Waldstaudenroggen
Ackerbohne
Weißklee
Rotklee
Perserklee
Hornklee
Buchweizen
Hanf

Eine hervorragende Erklärung, wie man es anwendet und was es bewirkt.

Grüsse
pue

Insbesondere das Mulchen war - bei meinem
überwiegend sandigen Boden! - DER Schritt voran. Auch puncto
Arbeitsersparnis (Gießen + Jäten).

Sehr schön zu wissen, dass es noch mehr Menschen gibt, die das zu schätzen wissen. In die sturen Schädel der Kleingartenrentner mit ihrem „Fachwissen“ von vor 60 Jahren geht das nicht rein, die finden das „unordentlich“. Ich könnte mich jedes Mal wegschmeißen, wenn sie im Rudel zusammenstehen und über die ach so schwere Gartenarbeit mit dem ewigen Gießen barmsen, dann aber wieder hingehen, mit der Gartenschnur Beete abzirkeln und peinlichst jedes ungenehmigte Blättchen aushacken. Von deren nackten Erdflächen zwischen den soldatisch aufgereihten Monokulturen könnte ich blind werden!

Ob Du wohl das Buch von Ruth Stout gelesen hast? Man könne
(durch die Mulchwirtschaft) einen Garten sogar von einem
Rollstuhl aus bewirtschaften …

Nein, das kenn ich nicht. Werd ich aber mal stöbern.

Was ich nicht wußte: die Vorteile der Katzenstreu … da habe
ich noch dazu gelernt aus Deinem Artikel. Hätt ich gern eher
gewußt - wie oft hier auf Baumärkten vergeblich nach Bentonit
gesucht … Hättest mal eher davon schreiben können! :smile:

Tschuldigung, ich gelobe Besserung! :wink: Katzenstreu gibt es aus den verschiedensten Materialien, bitte mal auf die „Zutatenliste“ schauen! Wichtig: NICHT KLUMPENDE nehmen!

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Servus,

danach war nicht gefragt. Möchtest Du etwas darüber wissen?

Schöne Grüße

Dä Blumepeder