Hallo Medion,
das ist nur ein Diskussionsbeitrag. Soweit ich das verstehe (und das ist bisher noch nicht so besonders gut), müßte man sagen, die Buchwerte hätten an diesem Tag um 66 bis 100 Mrd. Euro verloren. Aber dieser Buchwert-Verlust wird erst dann real, wenn tatsächlich verkauft wird. Und auch an diesem Montag wurde nur ein kleiner Teil umgesetzt, vielleicht einige Prozent der vorhandenen Aktien, sodaß höchstens ein paar Mrd. Euro als Verlust realisiert wurden. Aber es ist eher eine Umverteilung, denn andere haben dafür dieselben Aktien zu günstigen Kursen eingekauft.
Vor kurzem habe ich die Aussage gelesen, an den Börsen treibe sich eine Herde Manisch-Depressiver herum. Je nachdem, ob gerade die manische oder die depressive Phase vorherrscht, steigt im Extremfall alles fast unterschiedslos oder fällt im anderen Extrem alles fast gleichermaßen. Über lange Zeiträume jedoch - Jahre oder Jahrzehnte - gleichen sich die manischen und depressiven Phasen aus und und über einen breiten Querschnitt müßten die Aktien in einem Ausmaß langsam ansteigen (eigentlich: Anstieg der Aktienkurse + Dividenden), die dem Wirtschaftswachstum (korrigiert um die Inflationsrate) entspricht, wie ich vermute. Im Querschnitt wohlgemerkt! - einzelne Aktien entwickeln sich da natürlich unterschiedlich.
Für lange Zeiträume ist daher der Aktienmarkt kein Nullsummenspiel. Kurzfristig gesehen dagegen schon. Mit Derivaten kenne ich mich nicht aus, denke aber, da die Lebensdauer der Derivate kürzer ist als die von Aktien, daß Deine Annahme zutrifft und somit der Derivatenmarkt ein Nullsummenspiel darstellt.
Der Buchwert ist also, wie ich zu Beginn gesagt habe, eine virtuelle Größe. Wer das Geld nicht braucht, kann die Aktien liegenlassen und über die Jahre und Jahrzehnte einen langsamen Wertzuwachs erwarten, soferne die Aktien breit gestreut oder gut ausgewählt sind, und einzelne Positionen irgendwann einmal, in einer manischen Phase verkaufen. Unter diesen Voraussetzungen ist Anlage in Aktien fast idiotensicher.
Kurzfristig jedoch, so stelle ich es mir vor, bist Du ein Zocker, der an Möglichkeiten und Kenntnissen den professionellen Zockern - den Banken, Fonds, eben den institutionellen Anlegern - von vorneherein unterlegen ist und daher gute Nerven, eine gewisse Lockerheit gegenüber der Möglichkeit von Verlusten, ausgezeichnete Kontrolle der eigenen Emotionen, sehr gute analytische Fähigkeiten, Allgemeinwissen, und, und … benötigt.
Grüße,
I.