Hi,
bereits seit dem Sommer zeigten die Börsen eine stark fallende
Tendenz. Die Herbstrallye blieb ebenso aus wie die
Jahresend-Hochphase. Das neue Jahr beginnt mit stark fallenden
Kursen und die Korrekturversuche von Mr. Greenspan blieben
zumindest in den ersten Spekulationstagen auch wirkungslos.
Die fallenden Kurse sind seit März zu verfolgen. Die Talfahrt hat sich immer dann beschleunigt, wenn mal wieder ein Unternehmen die Planzahlen und damit die gestellten Erwartungen nicht erfüllen konnte: Gigabell, EM.TV und zuletzt Intershop.
Eben diese Fälle haben dafür gesorgt, daß die angesagten, und eigentlich auch fast logischen, Rallyes ausgefallen sind. Die Anleger sind mit ihrer Geldgier im Prinzip selbst am Kursverfall schuld, weil sie ihre Aktien nur, trotz der absurden Bewertungen, gekauft haben, weil sie dachten, daß es immer jemanden (noch dümmeren) geben würde, der noch absurdere Preise für die jeweilige Aktie bezahlen würde. Diese Blase ist geplatzt. Leider nicht auf einmal, sondern durch die genannten Fälle in Raten. Das hat den Markt derartig verunsichert, daß jede neue negative Meldung das Vertrauen in den Markt aufs neue erschüttert hat.
Wenn ich mein Depot, welches beileibe kein spekulatives ist,
so betrachte und mir vorstelle ich bräuchte das Geld jetzt,
wäre es eine Katastrophe.
Dazu gibt es mehreres zu sagen. Erstens darf man nur mit „übrigem“ Geld spekulieren. Zweitens sind nur spekulative Depots zusammengebrochen. Nicht spekulative Werte wie Dt. Bank, Bayer, Merck, Lufthansa haben sogar im Laufe des Jahres neue Höchststände erreicht.
Mich wundert, daß alle Welt das doch relativ gelassen
hinzunehmen scheint. Bin ich alleine mit meiner Meinung, daß
es dramatisch ist oder wie seht ihr das ?
Die Kursverluste konnte niemand, der sie zu verzeichnen hatte, gelassen hinnehmen. Aber, wie schon gesagt wurde, kann man eh nichts ändern, außer einer Sache: Verluste realisieren, um sich durch den angesammelten „Verlustvorrat“ für die nächste Zeit von steuerlichen Erwägungen freizumachen. Im Endeffekt haben diese Erwägungen, zumindest mich, Geld (=Buchgewinne) gekostet. Hätte man steuerfrei realisieren können, hätten wesentlich mehr Anleger Gewinne realisiert und ständen jetzt nicht vor bis zu 90%igen Kursverlusten. Die Kursverluste lassen vor allem solche Anleger nicht gelassen darstehen, die mit den erwarteten Kursgewinnen Konsum finanzieren wollten (dies gilt insbes. f. d. USA).
Interessant wären auch Eure Meinungen wie die weitere
Entwicklung sein wird.
Solange weitere schlechte Nachrichten zu befürchten sind, ist der Neue Markt vor weiteren Katastrophen nicht gefeit. Beim Dax siehts besser aus. Die Liquidität ist da. Unsere konzerneigene Fondgesellschaft sitzt auf über 20% Barreserve. Die will angelegt sein. Insofern wird das Geld seinen Weg finden. Die Frage ist, in welchen Markt das gehen wird, und aus heutiger Sicht können das nur die Standardwerte sein.
Man muß sich nur vor Augen führen, daß ein Wert, der um 50% gefallen ist, eine Kursverdoppelung braucht, um den Höchsstand wieder zu erreichen. Das ist zwar möglich, aber wenn das eintritt, entsteht offensichtlich die nächste Blase. Man betrachte den Tag nach der Zinssenkung in den USA. In den ersten Handels minuten lagen die Horrowerte vorn: Tomorrow, Intershop, Gigabell, Digital, EM-TV. Wer in die Werte investiert, spekuliert.
Die Zeiten, in denen sinnvollerweise Wachstumsraten vonm 100% pro Jahr zu sehen sind, sind hoffentlich vorbei. Vor 5 Jahren war man mit 10% pro Jahr noch zufrieden. Es wird Zeit, daß das die Anleger wieder erkennen. Geldgier war immer schon ein schlechtes Investitionsargument. Daß Einzelwerte exorbitante Kursgewinne ausweisen ist dennoch nicht ungewöhnlich. Es gilt wieder für die Zukunft die Qualität. Das bloße Zeichnen von Neuemmissionen darf nicht wieder zum Hobby werden.
Also: Sorgfältig Werte auswählen, für unbekannte Märkte (im Prinzip das komplette Ausland) Fonds kaufen und vor Ort Vorsicht walten lassen.
Es kann nur besser werden.
Gruß
Christian