Leider nein… Mittellateinische Abkürzungen
Hallo ihr beiden,
ich finde Deine Idee für „Boiius“ nicht schlecht und ziemlich überzeugend, da es a) die Varianten boius vs boig erklärt und b) die beiden Fachbezeichnungen erklärt (allerdings weniger die Fallunterschiede).
Ich andererseits habe mir ständig überlegt, welche Abkürzungen für bachalaureus gängig waren und bin dann mit dem Capelli Abkürzungsverzeichnis schliesslich bei Ortsnamen angekommen, wo allerdings auch nichts Passendes dabei war.
Nicht einverstanden allerdings bin ich damit die ominöse Abkürzung für -us als g zu lesen.
Für Abkürzungen in mittelalterlichen Handschriften oder Inkunabeln (die selbst meist auch wieder auf Handschriften zurückgehen) gilt grundsätzlich: es gibt Regeln… und die werden oft gebrochen werden. Diese Variationen können entweder lokal bedingt sein (weil ein Scribe aus Italien nicht gleich schreibt, wie ein Scribe aus England) oder aber persönlich sein. (Innerhalb einer HS findet sich dann allerdings meist keine Variante mehr. Im Falle von Chartularien hilft das nicht weils hier zuviele Hände gibt.)
Die am meisten verbreiteten Abkürzungen als kleiner Auswahlstrauss sind:
→ 9 (die Zahl neun) auch genannt "tironische Neun"
→ 3 (die Zahl drei)
→ 2 (die Zahl zwei)
Unser Beispiel könnte also durchaus als eine tironische Neun durchgehen, da ich weder je eine finale 3 als -us durchgehen. Es ist allerdings immer schwer so etwas beurteilen zu wollen, wenn man a) den Text nicht vor sich hat und b) es sich um schnell hingeschriebene Unterschriften o. Ä. handelt.
Vielleicht kann Clarissa aber anhand der paar visuellen Beispiele ja entscheiden ?
Sollte noch jemand Interesse an mehr Informationen und Varianten haben, empfehle ich Lexikon Abbreviaturarum, Dizionario di Abbreviature latine ed italiane von A. Capelli, Sechste Ausgabe, 1990, ab Seite XXXI.
Liebe Grüsse aus dem Skriptorium…
Y.-
PS: Für die Neugierigen unter Euch, bei den Ausschnitten handelt es sich um Manuskripte eines Textes von Albertus Magnus, dem De intellectu et intelligibili.