Bootstrap-Theorie: Was ist das?

Hallo Leute

Ich waere jedem dankbar, der mir die Grundideen der Bootstrap-Theorie
erklaert. (Fachvokabular ist erlaubt)

Gruss, Tychi

Bootstrap Hagedorn Frautschi
Hi Tychi

benannt wurde diese Theorie nach dem „Münchhausen-Effekt“: Münchhausen zieht sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Dieses Bild führt im Amerikanischen zu einem Ausdruck „sich an den eigenen Schnürsenkeln (bootstrap) aus dem Sumpf ziehen“.

Sie wurde in den 60ern entwickelt zur Erklärung der Hadron-Resonanzen und der starken Wechselwirkung, als der Verdacht aufkam, daß die Hadronen nicht wirklich fundamental sind. Eine von ihnen war das Pomeron-Modell und die S-Matrix-Theorie von Geoffrey Chew mit dem Konzept der „nuclear democracy“ (= alle Hadronen sind gleich fundamental).

Daraus entwickelten Hagedorn und Frautschi die Bootstrap-Theorie, ein raffiniertes thermodynamisches Modell (Stichwort „Hagedorn-Temperatur“) mit einer hypothetischen unendlichen Menge von Hadronen, in dem die hadronische Wechselwirkung als Austausch von eben denselben Hadronen interpretiert wurde. Hagedorn verwendete dafür das Bild, daß Tennisbälle miteinander Tennis spielen. Die Bezeichnung „bootstrap“ kommt eben daher, daß Hadron-Resonanzen (also Teilchen) als Austausch von Hadron-Resonanzen verstanden wurde.

Dieses Modell stand in Konkurrenz gegen das Parton-Modell von Feynman und wurde mit dem späteren Dual-Resonance-Modell (Veneziano) erstmal ad acta gelegt. Es spielte aber bei den ersten String-Theorien (Schwarz, Neven, Ramond) eine Rolle.

Die Stichworte „bootstrap hagedorn frautschi“ oder „hagedorn temperature“ bringen dir bei google sicher eine Unmenge Weiterführendes.

Originales:
R. Hagedorn, “Hadronic Matter Near the Boiling Point,” Nuovo Cim. 56A, 1027 (1968).

S. Frautschi, “Statistical Bootstrap Model of Hadrons,” Phys. Rev. D3, 2821 (1971).

und von Hagedorn gibt es bei CERN eine Einführung und bei der DPG einen Kurs für die Sommerschule irgendwann in den 70ern.

Gruß

Metapher

Danke Metapher, sehr guter Beitrag, eines der Zitate habe ich
gefunden, aber nur den abstract gelesen.
Ich bin darauf gestossen bei Fritjof Capra, in seinem Buch „Das neue
Denken“. Dort ist die Theorie einige Male im Zusammenhang mit G. Chew
erwaehnt, aber nirgends erklaert. Demnaechst will ich mal „Das Tao
der Physik“ lesen, dort steht glaube ich mehr dazu drin. Jedenfalls
soll Chew die Ansicht vertreten haben, es gebe gar nichts
Fundamentales auf der Welt, d.h. keine Elementarteilchen, keine
Naturkonstanten u.s.w., sondern nur Zusammenhaenge. Mystisch,
mystisch.

Gruss, Tychi