Borderline

Hallo,
ich möchte auch gerne mal eine Frage zu dem Thema Borderline stellen.
Ich meine eine Borderlinestörungen mit vorübergehend wahnhaften Störungen, also die nicht mehr auftreten aber mal da waren. - Bin nicht selbst betroffen. ! -

Ich habe gelesen, das Borderlinekranke u. a. unter einem sog. Entfremdungserleben leiden können, also das ihnen ihre sonst so vertraute Umwelt plötzlich mehr fremd erscheint. Außerdem haben sie dadurch wohl auch Probleme, bestimmte Ereignisse, ob gut oder böse,
nicht so an sich heranlassen zu können - kein starkes tiefergehendes Gefühl der Berührung des Ereignisses. Oft fühlen sich die Menschen auch in ihrer Zeit stehen geblieben. Warum, verstehe ich nicht.

Aber was ich wissen will, ist, kann man solchen Menschen eigentlich medikamentös helfen, wieder Gefühle zu entwickeln wie sie sie früher fühlten, als sie noch kein Borderline hatte. Ich meine kann man diese Entfremdungsgefühle aufheben. ? Ist das ein biochemischer Grund, warum sie anders fühlen. ? Kann man Borderline auch erben. ?

Für jede verständliche Antwort danke ich im voraus.

MfG.
dex

? Ist das ein biochemischer Grund, warum sie anders fühlen. ?
Kann man Borderline auch erben. ?

Nein, Dex. Wie ich weiter oben ausführte, hanedlt es sich nach bisherigen Erkenntnissen beim borderline-Syndrom (trotz „Grenzgänger“ zwischen Neurose und Psychose) um eine frühe erworbene Störung im Sinne einer schweren Charakter-Neurose etwa.
Gruß, Branden

Hallo,

Aber was ich wissen will, ist, kann man solchen Menschen
eigentlich medikamentös helfen,

nach einer Literaturangabe werden ca. 20-25% der in Kliniken befindlichen Borderline-Patienten mit Psychopharmaka behandelt. Allerdings scheint bisher noch keine gute psychopharmakologische Beeinflussung der Störung möglich zu sein. In der Vergangenheit wurden Therapieversuche mit verschiedenen Medikamententypen versucht (Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva, Monoaminooxidase-Hemmern (MAOH), selektive Serotonin Reuptake-Hemmer (SSRH), Antikonvulsiva, Lithium, Anxiolytika und Stimulantien). Zeitweise glaubte man, daß niedrige Dosierungen von Neuroleptika und MAOH erfolgreich seien. In den 90er Jahren schienen dagegen SSRH erfolgversprechend zu sein.

Etwas mehr zur Therapie von Borderline PS hier:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

? Ist das ein biochemischer Grund, warum sie anders fühlen. ?

Die Ursachen der Borderline Persönlichkeitsstörung sind bis heute nicht bekannt. In einigen Erklärungsmodellen werden auch biochemische Anomalien angenommen, z.B. im Serotonin-System.

Kann man Borderline auch erben. ?

Eine Erbkrankheit i.e.S. ist Borderline PS nicht. Allerdings ist das Erkrankungsrisiko bei biologischen Verwandten ersten Grades um 5mal gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht. Genetische Beiträge zur Entwicklung der Störung werden daher auch in einigen Erklärungsmodellen, wie z.B. in dem von Marsha Linehan, angenommen.

Grüße,

Oliver Walter

Das wäre allerdings nur die psychoanalytische Erklärung der Borderline-Störung. Diese Sicht würde aber selbst von Kernberg wohl kaum so gehalten werden, da z.B. Missbrauch in der Kindheit oder Adoleszens bei einem extrem hohen Prozentsatz der Betroffenen zu finden ist. Nach dem bio-psycho-sozialen Modell von Linehan würde man sowohl eine angeborene (vererbte) Diathese und Umweltfaktoren bzw. traumatische Erlebnisse (z.B. fortgesetzter Missbrauch, emotional-invalidisierendes Umfeld) etc. als Ursachen annehmen.

Es gibt eine ganze Vielzahl von (zugegeben unspezifischen) biologischen Hinweisen auf Auffälligkeiten von Borderline-Patientinnen. So sind sie bereits als Säuglinge sensibler und auffälliger, lassen sich schlechter beruhigen, sind impulsiver etc.

Die Zwillingsforschung ergibt ebenfalls Hinweise auf biologische Aspekte. Ebenso neuere funktionelle Bildgebung bzw. Untersuchungsverfahren. Ist halt nicht alles nur der alte Psychoanalytikerzopf (obwohl ich psychoanalytische Konzepte durchaus interessant und relevant halte).

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Die Zwillingsforschung ergibt ebenfalls Hinweise auf
biologische Aspekte. Ebenso neuere funktionelle Bildgebung
bzw. Untersuchungsverfahren. Ist halt nicht alles nur der alte
Psychoanalytikerzopf (obwohl ich psychoanalytische Konzepte
durchaus interessant und relevant halte).

Klar, Martin, ich will Dir da überhaupt nicht widersprechen. Wie bei fast allen Persönlichkeitsauffälligkeiten wird es eine Mischung von Erbe und Umwelt geben.
Gruß, Branden