Hier zu den derzeit „heißesten“ Therapieansätzen bei Borderline:
- Schematherapie (Innere-Kind-Arbeit im Sinne von Dissoziationsmodell)
- DBT (Stage I und Stage II)
- traumafokusiert kognitive Verhaltenstherapie (tf CBT), diese Therapieform reicht aber bei komplex-chronischer Therapie meistens nicht aus.
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- EMDR (als Ergänzung)
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Traumatherapien jeder Art (psychodynamisch, systemisch, gestalttherapeutisch, integrativ), wenn jemand aufgrund von Traumatisierungen Borderline hat, also eine dissoziative Störung zugrunde liegt.
Zur Schematherapie und DBT:
http://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/978-3…
Besser geeignet, um sich zu informieren, als Borderline-Bücher sind Traumaliteratur, wenn es sich um einen traumatisierten Borderliner handelt.
Die ganzen Borderline-Ratgeber, die derzeit auf dem Markt sind, verwirren eher, als dass sie Durchblick verschaffen.
Der Großteil der Borderline-Erkrankungen (Vielleicht auch alle, die Forschung wird es vielleicht eines Tages zeigen können, vielleicht aber auch nie eine konkrete Antwort hierauf geben können, ob Borderline immer Trauma voraussetzt!?) leidet unter komplexen, also mehrfachen Traumatisierungen. Entscheidend dafür, ob ein Trauma wirklich vorliegt, ist nicht, was geschehen ist, sondern ob es zu traumatypischen Veränderungen im Gehirn aufgrund des oder der Belastungserfahrungen gekommen ist. NUR DANN, wenn diese typischen Traumaveränderungen im Gehirn da sind, ist jemand wirklich traumatisiert, nicht schon dann, wenn er schlimme oder belastende Dinge erlebt hat. Traumatische Erlebnisse sind potentiell traumatisch, dh nicht, dass sie einen Menschen immer zwingend traumatisieren müssen. Belastend sind sie sicherlich, aber sie müssen nicht zu diesen Traumaveränderungen führen und dann ist man auch kein Traumapatient.
Es kommt also ganz wesentlich für die Wahl der Therapie an, ob jemand Traumapatient ist, also an einer dissoziativen Störung leidet. Wobei Dissoziation nicht nur diese Zustände umfasst, in denen Menschen „wegdriften“ oder sozusagen den Kontakt nach außen oder zu sich selbt verlieren, in Dämmer-oder Trance-Zustände geraten. Sondern Dissoziation kann sich auch anders zeigen, dann, wenn sich sehr verschieden Persönlichkeitsmuster entwickelt haben, unterschiedliche Stimmungen und Persönlichkeitsanteile sich abwechseln, die Person quasie „switcht“ und mal ist sie ganz lieb, dann von einem Moment auf den anderen fuchsteufelswild, mal kann man sich prima mit so jemandem unterhalten, der ist aufgeschlossen und freundlich, ausgeglichen und dann wieder reagiert er total über, ist fast wie ein Kleinkind überschnell trotzig und beleidigt.
Hinter solchen Stimmungsschwankungen stehen oft dissoziierte (teil- oder ganz abgespaltene) Persönlichkeitsanteile, die im Trauma abgespalten wurden und die Last der traumatischen Erinnerung abgespeichert haben. Genau aus dem Grund verhalten sich Bordline-Patienten oft so widersprüchlich, teils hochkompetent und dann wieder wie wütende Dreijährige, die sich bedroht und angegriffen fühlen, nicht allein sein können usw…
Diese Persönlichkeitsanteile entsprechen dem Alter des Patienten, das er hatte, als das jeweilige Trauma stattfand.
Genau aus diesem Grund sind Borderliner so schwierige Menschen, solange sie nicht adäquat therapiert wurden. Sie sind der Erkrankung selber hilflos ausgeliefert, verstehen nicht, was mit ihnen passiert und sind - genauso wie ihre Umgebung - dann Opfer ihrer Emotionen, von denen sie einfach weggespült werden.
Mit Therapie kann die Ursache zumindest angegangen werden, das Verhalten kann „neu“ gelernt werden, das Gehirn kann lernen, die Traumafolgen zu überwinden.
Wichtig ist zu wissen, dass hinter dem Großteil der Borderline-Erkrankungen schwere Kindheitstraumata stehen und die Erkrankung dann spezifische Therapie erfordert, die darauf abgestimmt sind, die Kommunikation im Gehirn zwischen dem Großhirn und dem Kleinhirn wieder neu zu vernetzen und den Patienten Auswege aus ihrer persönlichen Falle zu eröffnen.
Leider sind Therapeuten, die diese Arten von Therapie wirklich beherrschen, rar gesäht. Viele Borderliner werden nie oder falsch oder zu kurz behandelt und daher kommt’s, dass soviele Borderliner als Monster verunglimpft werden.
Tatsache ist, dass diese Patienten extrem übel dran sind, es geht ihnen wahnsinnig schlecht, sie haben es schwer, im ambulanten Bereich geeignete Therapeuten zu finden und die Therapie ist sehr anstrengend und alles insgesamt ein schrecklicher Rucksack, den sie zu tragen haben. Unterstützung bekommen sie nur schwerlich, weil sie von vielen Seiten abgelehnt und ausgegrenzt werden.
Wenn man sich aber informiert und begreift, was dahinter steht und die passende Therapie dazu kommt, dann wird dieser Mensch sein Schicksal auch annehmen können und sein Leben und seine Gefühle und sein Verhalten in den Griff kriegen, wenn er das wirklich will.
Aber wenn man liest, was oft im Internet steht, diese ganzen Verunglimpfungen über Borderline…, wundert es auch nicht mehr, wenn sich Betroffene gehen lassen und hausen wie die Axt im Wald. Wer ständig getreten wird, der ist sicher nicht motiviert, sich in anstrengenden und belastenden Therapien immer wieder neu zu erfinden und dazu zu lernen.