Borderlinerin tot

Hallo,
eine Bekannte war „bekennende“ Borderlinerin. Sie hat sich nach Streß mit ihrem Freund an einer Kirche aufgehängt.
Heute ist die Beerdigung.
Meine Fragen:
Kann man Borderlinern helfen?
Muss man „zwangshelfen“ (einsperren, Hilfe aufzwingen, etc.)
Ist diese psychische Erkrankung heilbar?
Wie erkenne ich einen „echten“ Borderliner?
Wie lange vorher muss man angekündigte Suizidgedanken für voll nehmen und wie darauf reagieren? (sie sprach seit 3 Jahren ständig von Suizid, irgendwann nimmt man das nicht mehr ernst…leider)

Ich befürchte, es ergeben sich noch mehr Fragen, danke schon mal für Antworten!

Traurige und ratlose Grüße
Sabine

eine Bekannte war „bekennende“ Borderlinerin. Sie hat sich
nach Streß mit ihrem Freund an einer Kirche aufgehängt.
Heute ist die Beerdigung.

Mein Beileid.

Meine Fragen:
Kann man Borderlinern helfen?

Ja, das kann man im Prinzip. Es gibt inzwischen einige gute Therapieansätze mit durchaus beachtlichen Erfolgen. Aber auch diese helfen nicht immer und bei jedem. Das hat viele Gründe und ist selten nur einer Person zuzuschreiben.

Muss man „zwangshelfen“ (einsperren, Hilfe aufzwingen, etc.)

Nein, das ist oft weder notwendig noch sinnvoll, wenn man langfristige Therapieerfolge anstrebt. Nur in den Fällen, in denen das Leben der Person selbst akut in Gefahr ist (Suizidversuch) oder das anderer Personen, kann so etwas kurzfristig angezeigt sein. Aber dabei geht es nicht um Therapie, sondern eben um das Retten von Leben.

Ist diese psychische Erkrankung heilbar?

Nicht im engeren Sinn des Wortes. Jedoch kann sich die Situation einer Borderlinerin unter guter Therapie und bei ausreichend starker Motivation wirklich spürbar verbessern. Aber wie gesagt: Nicht bei jeder Person. Und leider kann man alles richtig gemacht haben und dennoch reicht es am Ende nicht. Das ist leider nicht immer vermeidbar.

Wie erkenne ich einen „echten“ Borderliner?

Sehr schwierig. Das schaffen noch nicht einmal diejenigen immer, die es eigentlich können sollten.

Wie lange vorher muss man angekündigte Suizidgedanken für voll
nehmen und wie darauf reagieren? (sie sprach seit 3 Jahren
ständig von Suizid, irgendwann nimmt man das nicht mehr
ernst…leider)

Das kann man pauschal leider nicht sagen. Zunächst sollte man Suizidankündigungen immer ernst nehmen, aber gerade in solchen Fällen wie den von Dir genannten Fall meint man gelernt zu haben, die nicht so ernsten von den ernsten Ankündigen unterscheiden zu können. Leider ist niemand perfekt.

Grüße

Hola,

eine Bekannte war „bekennende“ Borderlinerin.

Ist das eine Selbstdiagnose? Oder meint das „bekennende“ ein „nicht hinterm Berg halten“ zb. auch mit Klinikaufenthalten etc.?

Kann man Borderlinern helfen?

Ja. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist behandelbar.
Weniger wirklich heilbar, aber mit Psychotherapie und medikamentöser Behandlung in Schach zu halten.

Muss man „zwangshelfen“ (einsperren, Hilfe aufzwingen, etc.)

Wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, ja.
Fremdgefährdung liegt auf der Hand-
bei der Eigengefährdung wird davon ausgegangen, dass eine Person sich ohne Einfluss ihrer Krankheit nicht in die gefährdende Situation bringen würde. Betrifft alle psychischen Erkrankungen.
Ansonsten gibt es keine Möglichkeit eine Behandlung zu erzwingen. Ist auch umstritten, weil die Therapien idr auf die Mithilfe des Patienten angewiesen sind, welche unter Zwang natürlich bezweifelt werden kann.

Ein „Tacheless“ reden und Verhaltensauffälligkeiten nicht verschweigen oder verschleiern, auspendeln, ist selten wirklich schlecht.
Ob es was bringt, hängt von der jeweiligen Erkrankung, dem Erkrankungsgrad und der Beziehung der beiden Personen zueinander ab.

Ist diese psychische Erkrankung heilbar?

s.o.

Wie erkenne ich einen „echten“ Borderliner?

gar nicht. Psychische Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich meist sehr unterschiedlich gestalten. Eine Diagnose lässt sich nicht, wie bei Schnupfen, anhand dem Vorliegen bestimmter Bakterien/ Viren genau bestimmen. Es gibt eine Schnittmenge. Menschen, die Erkrankung X haben, haben idr mind. X von X Verhaltensweisen.
Das diagnostizieren liegt dabei aber in der Verantwortung des Fachmannes. (Fehl)diagnosen sind nach wie vor im Bereich der Psychiatrie/ Psychologie mit gesellschaftlichen Folgen behaftet.
Weshalb äußerst vorsichtig mit Ihnen umzugehen ist.
Die Diagnosekriterien des ICD-10 und DSM IV sind aber im Internet verfügbar.

Wie lange vorher muss man angekündigte Suizidgedanken für voll
nehmen und wie darauf reagieren? (sie sprach seit 3 Jahren
ständig von Suizid, irgendwann nimmt man das nicht mehr
ernst…leider)

Wenn ein Feuerwehrmann sich überlegt, ob der Anruf, dass es bei Herrn X brennt, nun Spaß oder Ernst ist, hat Herr X im Zweifelsfall ein arges Problem. Suizidgedanken sind grundsätzlich ernst und für voll zu nehmen und zwar so lange, bis das Gegenteil „bewiesen“ ist. Das Gegenteil stellt dabei nicht das Ausbleiben des Suizids in den nächsten 4 Tagen oder Wochen dar. Suizidgedanken sind nicht selten latent vorhanden und gewinnen je nach Situation an Bedeutung oder verlieren diese wieder- sind aber nicht weg. Im Zweifelsfall also jmd. fragen, der sich damit auskennt. Z.B. Psychosozialer Dienst, behandelnder Arzt oder auch die 112.
Tendenziell immer eher zu viel als zu wenig.

Ich befürchte, es ergeben sich noch mehr Fragen,

Ist die eigentliche Frage die Du stellst nicht,
ob man es hätte verhindern / irgendwas tun können?
Nein. Mutmaßlich nicht. Du jedenfalls nicht. Man muss unglaublich dicht dran sein, um in diesen Fällen Einfluss nehmen zu können, und wahrscheinlich hätte man sich noch so viel Mühe geben können, man hätte diese Position -krankheitsbedingt- in langer langer Zeit noch nicht eingenommen.
Ich weiß, das ist unbefriedigend…

Grüße fro

@all

eine Bekannte war „bekennende“ Borderlinerin.

Sie war schon einmal in Therapie, nach viel hin und her wurde diese Krankheit diagnostiziert und sie stand einfach dazu, deshalb „bekennende“ (und in Anführungszeichen)

Meine Fragen:
Kann man Borderlinern helfen?

Ja, das kann man im Prinzip. Es gibt inzwischen einige gute
Therapieansätze mit durchaus beachtlichen Erfolgen. Aber auch
diese helfen nicht immer und bei jedem. Das hat viele Gründe
und ist selten nur einer Person zuzuschreiben.

Muss man „zwangshelfen“ (einsperren, Hilfe aufzwingen, etc.)

Nein, das ist oft weder notwendig noch sinnvoll, wenn man
langfristige Therapieerfolge anstrebt. Nur in den Fällen, in
denen das Leben der Person selbst akut in Gefahr ist
(Suizidversuch) oder das anderer Personen, kann so etwas
kurzfristig angezeigt sein. Aber dabei geht es nicht um
Therapie, sondern eben um das Retten von Leben.

Sie hat damals die Therapie abgebrochen, kein Wille und kein Vertrauen.

Ist diese psychische Erkrankung heilbar?

Nicht im engeren Sinn des Wortes. Jedoch kann sich die
Situation einer Borderlinerin unter guter Therapie und bei
ausreichend starker Motivation wirklich spürbar verbessern.
Aber wie gesagt: Nicht bei jeder Person. Und leider kann man
alles richtig gemacht haben und dennoch reicht es am Ende
nicht. Das ist leider nicht immer vermeidbar.

Wie erkenne ich einen „echten“ Borderliner?

Sehr schwierig. Das schaffen noch nicht einmal diejenigen
immer, die es eigentlich können sollten.

Wie lange vorher muss man angekündigte Suizidgedanken für voll
nehmen und wie darauf reagieren? (sie sprach seit 3 Jahren
ständig von Suizid, irgendwann nimmt man das nicht mehr
ernst…leider)

Das kann man pauschal leider nicht sagen. Zunächst sollte man
Suizidankündigungen immer ernst nehmen,
Leider ist niemand perfekt.

Ich habe ihre Suizidankündigungen immer ernst genommen, aber bei jedem Kontakt ging es letztendlich immer um die Erkrankung, wie beschissen alles sei etc.pp.
Irgendwann habe ich zugemacht, da sie auch keinen Bock hatte, sich meine Tiraden zwecks Therapie etc anzuhören. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch für andere Menschen verantwortlich bin, ist das von mir eine Art Eigenschutz gewesen. (Das ist keine Endschuldigung)

Das ich sie dauerhaft nicht retten konnte, ist mir klar, auch, das ich nicht für ihre Entscheidung verantwortlich bin, aber es bleibt ein Rest von Gedanken, ob die Aussenstehenden doch mehr für sie hätten tun können…und müssen.

Ich war entsetzt, das jemand auf ihrer Homepage sie als mutig und bewunderungswürdig hält, gehört das dazu?
Denn für mich ist es mutiger, sich dem Leben zu stellen und auch schrierige Dinge zu meistern.

Grüße

Hallo,

Ich habe ihre Suizidankündigungen immer ernst genommen, aber
bei jedem Kontakt ging es letztendlich immer um die
Erkrankung, wie beschissen alles sei etc.pp.
Irgendwann habe ich zugemacht, da sie auch keinen Bock hatte,
sich meine Tiraden zwecks Therapie etc anzuhören. In
Anbetracht der Tatsache, dass ich noch für andere Menschen
verantwortlich bin, ist das von mir eine Art Eigenschutz
gewesen. (Das ist keine Endschuldigung)

das ist verständlich und auch o.k. so. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, Dich trifft in diesem Punkt keine Schuld. Wenn sie nicht wirklich bereit war, eine Therapie zu machen, dann konnte niemand ihr dauerhaft helfen.

aber
es bleibt ein Rest von Gedanken, ob die Aussenstehenden doch
mehr für sie hätten tun können…und müssen.

Ja. Solche Gedanken sind nur natürlich. Und dennoch: Hilfe ist nur effektiv möglich, wenn der andere sich wirklich helfen lassen wollte. Dazu gehört auch, selbst etwas zu tun. Bei vielen Borderlinern sind am Anfang die Motivation und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten grenzenlos. Das hält bloß nicht lange an. Die haben ihre Phasen.

Ich war entsetzt, das jemand auf ihrer Homepage sie als mutig
und bewunderungswürdig hält, gehört das dazu?

Vielleicht war sie es ja tatsächlich - zumindest für diese eine Person.

Denn für mich ist es mutiger, sich dem Leben zu stellen und
auch schrierige Dinge zu meistern.

Das sehe ich auch so. Aber für Borderliner ist das Leben schwierig und anstrengend - auch für diejenigen, die mit ihnen zu tun haben. Trotzdem haben sie prinzipiell die Möglichkeit, es zu schaffen, ihr Leben erträglicher zu gestalten.

Grüße

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(Ich war entsetzt, das jemand auf ihrer Homepage sie als mutig und
bewunderungswürdig hält, gehört das dazu?)
Denn für mich ist es mutiger, sich dem Leben zu stellen und auch
schrierige Dinge zu meistern

Hallo Sabine,

ganz unabhängig von der Schwierigkeit, solche Begriffe wie „Mut“, „Verzweiflung“, ja selbst „Schwierigkeiten“ zu fassen, sind solche Aussagen immer sehr problematisch.
Wie willst du den „Mut“, sich „dem Leben zu stellen“ und auch „schwierige Dinge zu meistern“, in Korrelation setzen zu der Kraft, die erforderlich ist, sich selbst das Leben zu nehmen? - Hier könnte man auch umgekehrt argumentieren. Das eine ist banal, das andere ist genau DAS nie.

Der Verlust von „Mut“ wird im oben verwendeten Sinn ja geradezu als persönliche Schuld des Suizidenten angesehen, und damit stellt man die Dinge wohl eher auf den Kopf! Und der Mut, so lange ausgehalten zu haben, bis die wohlfeile und in der Regel ja nicht verdiente oder erarbeitete Energie schließlich zusammenbricht, mag um ein Vielfaches größer sein als der Mut, sich im Leben laufen zu lassen (= euphemisch: „sich dem Leben zu stellen“).

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Trauer oft nichts anderes ist als Selbstmitleid, Angst oder Abwehr und von Empathie so viele Lichtjahre weit entfernt ist, wie der „Deserteur“ sich im Leben von seinen „Mitstreitern“ befunden hat. Verlusttrauer ist allenfalls politisch korrekt.

In allem Übrigen siehe Aiwendil.

Grüße
Heinrich

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Und ich glaube, dass man als „psychologischer Laie“ ohnehin weniger Möglichkeiten hat umfassend zu helfen. Dies sollte man den Profis überlassen.
Hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit gegenüber der erkrankten Person: Ja. Aber wenn es um psychische Erkrankungen geht (meine Beobachtung) kommt es schnell zu einer Ueberforderung der „helfenden“ Person.

wenn es um psychische Erkrankungen geht
(meine Beobachtung) kommt es schnell zu einer Ueberforderung
der „helfenden“ Person.

Ja, dem stimme ich voll und ganz zu. Häufig beobachtet man dann nämlich, daß es statt statt einer hilfebedürftigen Person zwei davon gibt.

Grüße