Hallo Eva,
so gut ich es als langjährige Selbstbetroffene kann, will ich Ihnen meine Meinung sagen. Als Nicht-Ärztin kann ich mich ja durchaus offen und kritisch mitteilen.
Nein, Sie können leider nicht davon ausgehen, die Borreliose ausschließen zu können. Ich rate Ihnen dringend, hier Ihre Krankheitssymptome vorgehen zu lassen und auf jeden Fall eine adäquate Behandlung mit Antibiotika mit Ihrem Hausarzt anzugehen. Adäquat heißt hier lange genug (ab 3 Wochen) und hoch genug dosiert. Medis wie Doxyzyklin z. B. müssen nach Körpergewicht eingestellt werden. Wenn man also nicht mehr als 35 kg wiegt, reichen 200 mg pro Tag, sonst nicht. Bitte achten Sie mit darauf, lesen Sie alles nach, was Ihnen gegeben wird, fragen Sie in der Apotheke nach, die Borrelien können einer zu niedrigen Dosis locker ausweichen!
Die vorhandenen Labortests (Blut) haben keinen Goldstandart in Europa, d.h. sie sind nicht sicher. Es sind falschnegative Ergebnisse möglich und häufig. Außerdem wurde bei Ihnen kein 2-Stufen-Test gemacht: Man suchte erstmal nur nach ganz neuen und „mittelalten“ Antikörpern mittels eines sogenannten „ELISA-Test“. Da man unter dem Grenzwert war, wurde nicht weitergesucht und Sie sind sozusagen durch die Maschen gerutscht, womit Sie deutschlandweit nicht alleine sind. Oft sind nach lange bestehender Infektion auch tatsächlich kaum noch Antikörper vorhanden, das ist das Verrückte an Borreliose. Die zweite Stufe wäre ein sog. „Westernblot“, ein anderes Verfahren, bei dem spezifischen Antikörper nachgewiesen werden (die Antikörper haben alle verschiedene „Gesichter“, je nachdem, welche Erreger sie getroffen bzw. „gesehen“ haben), die man dann den verschiedenen Borrelienstämmen und der Dauer der Infektion zuordnen kann. Oft findet man hier etwas, das ist vor allem dann von Belang, wenn wie in Ihrem Fall, Symptome bestehen.
Es gibt zwei sehr erfahrene Labore in Deutschland, denen man das Blut zum Testen schicken kann, eines ist in Berlin und eines in Köln. Ich bin bei beiden hochpositiv gewesen und bei den Hauslaboren der Dorfärzte eben nur einmal, zu meinem Glück gleich das erste Mal.
Die Adressen finden Sie unter den Links auf der Webseite des Borreliosebundes, m.M.n. die informativste Seite im deutschsprachigen Raum. http://www.borrelioseforum.de/cms/html/modules.php?n…
Man kann, wenn der Arzt es absolut nicht will, auch telefonisch ein Testkit anfordern und das Blut privat hinschicken. Aber wozu, die Kasse zahlt das, der Doc braucht bloß die Adresse.
Es wäre auch gut, die sog. Co-Erreger auch testen zu lassen, die ähnliche Beschwerden auslösen wie die Borrelien (unter Links Pkt. 2) Die Begründung liegt auf der Hand: Sie wollen ja wissen, was Ihnen fehlt und sich behandeln lassen.
Ich rate an dieser Stelle auch immer, sich zu einem der wenigen Spezialisten, die meist auch „nur“ Allgemeinärzte sind, in Behandlung zu begeben. Da können Sie vertrauen und er wird auch die notwendigen Tests veranlassen und alles richtig verschreiben. Die sind leider sehr wenige an der Zahl und die Wartezeiten sind lang, deshalb nicht zögern. Absagen können Sie den Termin ja immer noch. Leider ist keine Ärzteliste irgendwo. Ich würde mich entweder im Forum anmelden und einfach fragen, wer kennt einen Arzt im PLZ … oder Sie rufen mal den Borreliosebund in Hamburg an, Adresse steht auch da.
Der Aufwand ist jetzt noch vergleichweise gering, und auch wenn die Infektion schon lange besteht, läßt sich die Sache angehen. Auf jeden Fall ist Borreliose primär eine chronische Erkrankung, die sich jederzeit verschlimmern kann und Ihr Immunsystem ununterbrochen böse beschäftigt. Ich halte die Befürchtungen, die Sie sicherlich haben, für absolut berechtigt. Natürlich wünsche ich Ihnen das Beste (tatsächlich negativ!!), vielleicht stellt sich auch etwas ganz anderes (weniger Schlimmes) heraus.
Alles GUte,
Ulrike R.
P.S. Oft wird zu einer Liquorentnahme gedrängt, d. h. es wird etwas Gehirnwasser aus dem Wirbelkanal entnommen. Hier ist die Zahl der falschnegativen Fälle sehr hoch, mehr als 60% habe ich gelesen. Und die Sache ist nicht risikolos. Anschliessend werden Sie dann möglicherweise als gesund entlassen und keiner will mehr was machen, also Finger weg. Wird andererseits tatsächlich etwas gefunden, ist die Behandlung diesselbe, als hätte ein Labor im Blut etwas entdeckt…