Botanische Frage zu zweijährigen Pflanzen

Hallo!

Hier kommen gerade Zweifel auf in Sachen Einjährige, Zweijährige und ausdauernde Stauden.

Einjährige ist klar, die sterben nach 1 Jahr ab, die Samen überwintern (Bsp. Ringelblume)
Zweijährige (bsp. Fingerhut) blühen erst im zweiten Jahr. Aber sterben die dann auch ab? Meiner Erfahrung nach nicht, oder nicht immer?

Auch unter den ausdauernden Stauden sind ja welche, die erst im zweiten Jahr nach Aussaat blühen, werden die dann auch als „zweijährig“ bezeichnet? (Wohl nicht, nehme ich an)

Die Frage verfolgt mich schon länger. Ich habe immer wieder die Definitionen auswendig gelernt und widergegeben, aber diesen Widerspruch nie geklärt.

Danke also schonmal
und Grüße
kernig

Hallo, Kernig,

in diesem Zusammenhang sprechen wir von Pflanzen mit krautigen oberirdischen Pflanzenteilen.

Zunächst die Einjährigen, die in einer Vegetationsperiode keimen, blühen und fruchten. Danach sterben sie ab.

Dann die Zweijährigen (biennen) Pflanzen, die zwei Vegetationsperioden benötigen. Sie bilden in der ersten Vegetationsperiode Nährstoffe und speichern sie (zumeist im Wurzelstock) um sie dann in der zweiten Phase für die Fortpflanzung (Blüte, Frucht) zu nutzen. Beispiele sind hierfür die Rüben, die Kohlsorten und eben auch der Fingerhut.

Als „Stauden“ werden perennierende (ausdauernde) krautige Pflanzen bezeichnet. Die Bezeichnung ist nicht scharf abzugrenzen. Sie können über Jahre hinweg gedeihen und z.T. auch Frost überstehen. Ein Beispiel dafür wäre die Funkie (Hosta).

Gruß
Eckard

Hallo Eckard.

Dann die Zweijährigen (biennen) Pflanzen, die
zwei Vegetationsperioden benötigen. Sie
bilden in der ersten Vegetationsperiode Nährstoffe und
speichern sie (zumeist im Wurzelstock) um sie dann in der
zweiten Phase für die Fortpflanzung (Blüte, Frucht) zu nutzen.
Beispiele sind hierfür die Rüben, die Kohlsorten und eben auch
der Fingerhut.

Und gehen dann typischerweise ein oder nicht? Oder ist das für die Bezeichnung „zweijährig“ egal?

Grüße
kernig

Hallo kernig,

Dann die Zweijährigen (biennen) Pflanzen, die
zwei Vegetationsperioden benötigen. Sie
bilden in der ersten Vegetationsperiode Nährstoffe und
speichern sie (zumeist im Wurzelstock) um sie dann in der
zweiten Phase für die Fortpflanzung (Blüte, Frucht) zu nutzen.
Beispiele sind hierfür die Rüben, die Kohlsorten und eben auch
der Fingerhut.

Und gehen dann typischerweise ein oder nicht? Oder ist das für
die Bezeichnung „zweijährig“ egal?

ob Pflanzen hierzulande einen Winter überleben oder nicht, hängt vom Jahr und den Bodenverhältnissen ab. Grundsätzlich wäre jede Pflanze auf dieser Welt in der Lage mehrere Jahre auszudauern. Nur ist es eben manchmal zu kalt, zu nass, zu trocken, zu was weiß ich.

Bietet der Samenhandel „zweijährig“ an, ist dies lediglich als Hinweis auf den Sachverhalt zu verstehen, den Du schon vorher erklärt bekommen hast.
Typisieren, im Sinn von „funktioniert wie ein Auto“ lässt sich das nicht.

viele grüße
Geli

Hallo Geli,

ob Pflanzen hierzulande einen Winter überleben oder nicht,
hängt vom Jahr und den Bodenverhältnissen ab. Grundsätzlich
wäre jede Pflanze auf dieser Welt in der Lage mehrere Jahre
auszudauern. Nur ist es eben manchmal zu kalt, zu nass, zu
trocken, zu was weiß ich.

das kann man so nicht sagen. Es gibt genügend Pflanzen deren Lebenszyklus mit der Samenreife endet, unabhängig von Nährstoffversorgung, Klima u.s.w.

(Z.B. Nigella damascena, Hafer, einjährige Kornblume, …)

Gruß

Johnny

Hallo Eckard,
bei folgendem:

Dann die Zweijährigen (biennen) Pflanzen, die zwei Vegetationsperioden benötigen. Sie bilden in der ersten Vegetationsperiode Nährstoffe und speichern sie (zumeist im Wurzelstock) um sie dann in der zweiten Phase für die Fortpflanzung (Blüte, Frucht) zu nutzen. Beispiele sind hierfür die Rüben, die Kohlsorten und eben auch der Fingerhut.

Muss ich dir leider ein klein wenig widersprechen.
Sorry.

Als zweijährige werden Pflanzen bezeichnet, die über den Jahreswechsel zwei mal blühen und sich folglich auch zweimal fortpflanzen.
Typische Vertreter sind Stiefmütterchen und Bellis. Sie blühen im Sommer des ersten Jahres und im Frühjahr des zweiten Jahres noch einmal.

Bei den von dir genannten Pflanzen handelt es sich strenggenommen nicht um zweijährige. Jedoch wurden sie im Laufe der Zeit botanisch dort mit einsortiert, da sie nur zwei Vegetationsperioden überleben. Im Grunde sind sie aber einjährig, da sie nur einmal blühen.
Somit sind die Begriffe einJÄHRIG und zweiJÄHRIG im deutschen Sinn etwas verwirrend. Viele Systematiker haben sich darüber schon die Haare gerauft.
Meine Dozenten im Studium auch. Da wurde die Einteilung von ein- und zweijährigen ebenfalls heiß diskutiert.

Lieber Gruß
Anja

Hallo Anja,

nun muss ich leider dir ein klein wenig widersprechen und Eckard ein wenig recht geben…

Die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Ein-/Zweijährig und den Stauden besteht wohl - da sind wir uns wohl einig - darin, dass Stauden nicht zu den hapaxanthen (kurzlebigen) Pflanzen gehören.
Annuelle, also Einjährige Pflanzen lassen sich unterscheiden in Sommerannuelle und Winterannuelle. Während bei den Sommerannuellen (krautige Pflanzen, die im Jahr der Aussaat blühen) die Einteilung zu den Einjährigen unstrittig ist, werden Winterannuelle öfter auch zu den Zweijährigen gezählt. Winterannuelle keimen meist im Sommer eines Jahres, um anschließend die Pflanze aufzubauen und im kommenden Jahr zu blühen. Meist brauchen die Pflanzen auch die Kälteperiode des Winters zur Blüteninduktion. Der Lebenszyklus umfasst also zwei Vegetationsperioden aber nur ein Jahr. Klar Bienne, also Zweijährige Pflanzen sind die, die ein ganzes Jahr zum Pflanzenaufbau brauchen, um im zweiten Jahr zu blühen und Frucht zu bilden.
Zu den Pflanzenbeispielen: Stiefmütterchen und Bellis gehören laut dieser Definition zu den Winterannuellen, Rübe, Kohl und Fingerhut oder Königskerze zu den Biennen.
In der Zuteilung der Winterannuellen zu den Ein- oder Zweijährigen widersprochen haben sich die Quellen „Lehrbuch der Botanik (Strasburger)“, „Grundlagen des Gartenbaus (Sachweh)“, „Kleines Repititorium der Botanik (Welle)“, „Botanik in Frage und Antwort (Jessen/Schulze)“, „Lexikon des Gartenbaus“.
Auf jeden Fall bezieht sich in der Praxis das „Jahr“ tatsächlich auf die Kalenderjahre, nicht die Gesamtkulturdauer.

Herzlicher Gruß
Christoph

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Hallo Senseo und Christoph,

gar so wissenschaftlich wollte ich bei der Beantwortung von Kernigs Frage gar nicht werdem, denn das ist wenig sinnvoll, wenn sich nicht einmal die Experten einig sind.

Nicht ohne Grund hatte ich auch nicht von Jahren geschrieben sondern
ausdrücklich von Vegetationsperioden. Pflanzen sind nun einmal abhängig von den Umweltbedingungen, so dass sich da auch zeitliche und örtliche Unterschiede und Verschiebungen ergeben können.

Kleines Kuriosum am Rande: ich hielt Mirabilis (ohne nachgelesen zu haben) für mehrjährig, bis ich drauf kam dass die Biester sich selbst am Standort ausgesät hatten.

Gruß
Eckard

dochdoch, auch gern wissenschaftlich
Hallo!

Der Ausdruck „Jahre“ ist in vielen Definitionen durch „Vegetationsperioden“ ersetzt die ich gefunden habe. Ich nehme mal an, wegen dieser Ungereimtheiten.

Auf vielen Samentüten steht auch: Bei Aussaat vor bsp. Mai Blüte im ersten Jahr, danach erst im zweiten.

Ich bin aber froh, die sich hier entspannende Diskussion zeigt mir, dass Ich verständnismäßig nicht an einer simplen und eindeutig zu beantwortenden Wissensfrage gescheitert bin. :smile:

Die Dinge sind wohl nicht so eindeutig, wie manche Definition der Fachbegriffe uns das vielleicht vermuten lassen.

Mir ists recht, ich lese mit Interesse die Antworten hier.

Schöne Grüße
und Dank an alle, die sich beteiligen.

kernig