Brauche Aufbau

RE: Was hat das für einen Sinn? [edit] PN an Verfasser antworten

Glaubt ihr an Schicksal oder Karma oder sowas Ähnliches?

Hab ich nie gemacht, bis ich neulich das Gefühl hatte, es hat mich erwischt.

Nach der Episode im Dezember, die meines Erachtens nach für den alten Herrn zu seinem Besten ausgegangen war (er hat es nach einem Bolusgeschehen und über 30 min Reanimation doch geschafft zu sterben), bin ich jetzt an einem Punkt angelangt, wo ich nicht genau weiß, ist es das VORHER oder das NACHHER?

Seit Beginn dieses Jahres arbeite ich auf einer Station mit Patienten mit apallischem Syndrom (Wachkoma) - da genau wäre er doch gelandet - oder?

Ich pflege diese Leute liebevoll und nach bestem Wissen und Gewissen. Die Routine in der Pflege fehlt mir nicht - ich mache das schon über elf Jahre.

Aber bin grade wieder auf dem Punkt NULL angelangt, weil ich mich frage, ob SO ein Leben für die Betroffenen noch Lebensqualität ist?

Bitte versteht mich nicht falsch - ich bin kein Todesengel und akzeptiere die Leute so, wie sie sind, (ich würde nie etwas tun, was ihr Leben verkürzt) aber ich habe ein sehr großes emotionales Problem damit.

Ich sage mir immer, deren Zeit war einfach noch nicht gekommen und sie haben hier auf dieser Welt noch etwas zu erledigen (wie auch immer)- aber ist denn das noch Leben?

Jeder Tag ist strukturiert durch Körperpflege, Therapien, die sie nicht mögen und die ihnen Schmerzen bereiten (das sieht man am Gesichtsausdruck), durch Besucher, die nicht loslassen können und verlangen, dass sie jeden Tag irgendwelche Orthesen anlegen und jeden Tag im Rollstuhl mobilisiert werden, als würden sie jemals die Chance haben, wieder laufen zu können.

Ich muss dazu sagen, dass aus dem Locked- in- Syndrom schon Leute wieder aufgewacht sind, aus dem Wachkoma ist mir nichts bekannt.

Ich wäre dankbar für jeden Hinweis auf Literatur und für eure Meinungen.

Wer kann, baue mich bitte auf - ich habe grad ein Tief!

Danke!

Hallo,

ich arbeite selber in der Pflege mit jungen Leuten. Alles MS Erkrankte. Daher noch recht jung und der Verlauft ist meist klar.

Was soll ich dir sagen?
Es ist scheiße und ich wollte so nicht leben. Manchmal bin ich auch dafür, die Geräte auszuschalten oder die Ernährung einzustellen. Wenn die Menschen oft nicht beatmet wären, hätte die Natur längst ihren Lauf genommen.

Aber ich glaube auch immer ganz fest daran, dass Alles seinen Sinn hat. Man muss sein Leben immer vorwärts leben, kann es aber nur rückwärst verstehen. Irgendwann wirst du dich umblicken und dir ist klar, warum das so sein musste.
Vielleicht ist da eine Mutter die das Kind noch nicht los lassen kann. Ein Mann der noch Zeit zum trauern braucht? Vielleicht musst auch du noch etwas lernen…

Ich geb dir einen Rat. Such dir Hilfe! Wie willst du Menschen helfen, wenn du selber nicht mit dir klar kommst? Und du weißt selber, dass es keine Schande ist, wenn man Hilfe an nimmt.
Ihr habt sicher einen Psychologen auf Station, frag den doch mal ob er dir einen Kollegen empfehlen kann. Es tut dir sicher gut, wenn du da einfach ein wenig raus kommst und deine Gedanken teilen kannst. Ich war auch schon mal beim Therapeuten und weiß von vielen Kollengen, die das auch schon gemacht haben.

Bitte such dir Hilfe!!

Alles Gute und Gruß Lulea

Hallo,

Glaubt ihr an Schicksal oder Karma oder sowas Ähnliches?
Hab ich nie gemacht, bis ich neulich das Gefühl hatte, es hat
mich erwischt.

Möglicherweise bist du aufgrund der beruflichen Veränderung und der neuen Erfahrungen an einen Wendepunkt angelangt. Grundsätzlich stehen dir drei Wege offen:

Deine Arbeit zukünftig nur mehr als „Arbeit“ betrachten, Emotionen beiseite schieben, ein- und ausschalten, auf das „notwendige persönliche Übel“ reduzieren. Du hättest dann aber (vermutlich) hier nicht geschrieben.

Dich in deiner Arbeit unterstützen lassen (wie von Senftube geraten). Auf Dauer? Dann würde ich von abraten. Etwas am Leben halten, was dir grundsätzlich widerspricht, mit dessen Hilfe du aber irgendwie über die Runden kommst, taugt nichts.
So widersprüchlich es jetzt auch erscheinen mag zu dem, was du täglich für andere machst: Du hast Entscheidungsfreiheit für das, was du und für dich tust.

Verbliebe als Drittes „oder sowas Ähnliches“. Ich beantworte dein „- aber ist denn das noch Leben?“ mit Ja. Es ist für dich und für deine Patienten nicht die Frage nach dem „Wie lebe ich“. Nur dass sie leben.
Und deine Aufgabe und Fürsorge ist die Begleitung dieses Lebens, gelegentlich auch die Begleitung des Sterbens. Eine sehr wichtige Aufgabe, um die dich niemand beneidet, und liebend gerne selbst meidet. Heute mehr als früher.

Für dich kann es auch eine Art Berufung sein, du musst sie leben können. Eine der drei Möglichkeiten.

Ich drücke dir die Daumen, insbesondere für „oder sowas Ähnliches“.

Grüße
Tommy

hi,

du zeigst dringend beratungs- oder besser: supervisionsbedürftige fragen, die mit dir und deiner arbeit zusammenhängen. suche dir einen therapeuten und mache supervision. die kosten kannst du von der steuer absetzen.