Und wie viel dir geblieben,
Und wie schön ist noch die Welt!
Herz, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben
das ist ein Vers von „Heine“ (aus dem „Buch der Lieder“) und - obwohl meines Wissens erst kurz nach 1820 entstanden - noch ganz im Zeichen der Nachwehen der französischen Revolution zu deuten, der es u. a. um persönliche Freiheit geht. Heine will sagen: Selbst wenn die (politischen) Umstände schrecklich sind, kann man trotzdem innerlich genießen. Nimmt man noch den Titel des Gedichtes „Heimkehr“ hinzu, dann wird klar, dass es hier um eine Frühform von Selbsterkenntnis als innere Emigration geht, also um ein „Hin zu sich selbst“.
Na ja, vom Metrum her gesehen schon. Wenns aber jetzt Heine ist, geb ich mich natürlich geschlagen. Obwohl - mich stört das fehlende „ist“ nach wie vor. Was aber will der Autor uns jetzt damit sagen? Bei Heine kann man ja nie sicher sein. Hinterher ist man auch immer schlauer.
(Ich dachte, es sei was Selbstgestricktes… Interessant, wie dann ein unvollständiges Metrum einen anderen Stellenwert erhält. Wieso darf dä Heine dat?)
Ach - Eckard,
und ich dachte schon, ich wäre mal wieder vorgeprescht und in einem Fettnapf gelandet. Oder jedenfalls in irgendwas Peinlichem. Fettnapf triffts ja eigentlich weniger.
Hallo,
Du hattest ja gefragt, was wir beim lesen empfinden, und wie wir den Text interpretieren.
Als allererstes war mein Empfinden, da hat einer was wichtiges verloren und nun muss es weitergehen und „alles darf das Herz lieben“.Für mich heisst das sinngemäß, das Herz kann nicht nur durch einen bestimmten Menschen oder Umstand glücklich gemacht werden, sondern aufgrund seiner eigenen Liebesfähigkeit sich an allem, was in der Welt ist beglücken.
Die Aufgabe hier sieht für mich also in einer Reifung der Liebesfähigkeit aus.
Unten schreibt Eckhard ja auch die erste Strophe des Gedichtes auf, die mir dann bestätigt hat, dass das so durchaus interpretierbar ist.
Das ist also eine eher individuell und psychologisch orientierte Sichtweise, die mir immer eher kommt und näher ist, als die von Thomas beschriebene Interpretation vor einem geschichtlichen Hintergrund.
Der wird bei Heine immer gerne zugrunde gelegt, aber es ist eben nur eine Sichtweise, und Geschichte wird letztendlich aus vielen vielen einzelnen Geistimpulsen gemacht, die dann zum Zeitgeist werden.
Ist natürlich interessant, die einzelne Psyche und den Zeitgeist in Zusammenhang zu bringen.