Brauche eure Ideen und Ratschläge

Hallo zusammen,

ich wende mich an euch weil ich mit meinem Latein total am Ende bin. Vielleicht habt ihr Ideen und könnt mir weiter helfen. Sorry schonmal vorab, ich fürchte mein Text wird etwas länger.

Es geht um meine Schwester (33 Jahre alt). Sie ist momentan nach der Trennung von ihrem Freund, die jetzt 9 Monate her ist, psychisch total am Ende. Es wird einfach nicht besser. Ganz im Gegenteil. Seitdem sie weiß, dass er momentan meherere Frauengeschichten laufen hat, ist es noch viel schlimmer geworden. Sie liebt ihn immer noch, obwohl er sie oft sehr schlecht behandelt hat (respektlos über sie geredet, Kontrolle, enorme Eifersucht, Freundschaften verboten, ständig rumgenörgelt an ihr, ihr fremdgegangen, usw. usw.). Er hat ihr die Trennung auch nicht wirklich leicht gemacht. Sich ständig bei ihr gemeldet und den Kontakt zu ihr gesucht.

Sie weint momentan fast den ganzen Tag nur noch, muss ständig krank geschrieben werden weil sie körperlich total am Ende ist. Das geht jetzt wie gesagt schon seit 9 Monaten so, wird akutell aber wieder sehr viel schlimmer, weil sie aus dieser Situation keinen Ausweg findet. Sie hat schon vor ein paar Monaten versucht bei mehreren Psychotherapeuten und Neurologen einen Termin zu bekommen. Überall wurde ihr gesagt, dass sie sehr lange warten muss. Der erste Termin den sie bekommen konnte ist erst im März nächsten Jahres. Sie hatte nun schon ein Beratungsgespräch in einer Psychosomatischen Klinik, weil sie gerne ein Kur dort machen möchte. Diese muss natürlich erst von der Krankenkasse genehmigt werden und das dauert sicherlich auch seine Zeit. Außerdem ist es leider nicht sicher, dass die Kur überhaupt genehmigt wird. Die Kassen stellen sich da ja leider heutzutage etwas an.

Ich frage mich nun, wie kann man ihr schnell helfen. Eine Therapie, die sie erst in ein paar Monaten machen kann nützt ihr nichts. Sie ist JETZT total am Ende.

Momentan führe ich jeden Tag Gespräche mit ihr in denen ich immer wieder merke wie verzweifelt sie ist, weil sie diese Situation so nicht mehr aushalten kann aber auch nicht weiß wie sie da raus kommen kann.

Von ihrem Hausarzt hat sie nun ein Beruhigungsmittel verschrieben bekommen, welches sie allerdings nur abends nehmen darf. Sie hat sofort Halluzinationen davon bekommen als sie es gestern abend zum ersten mal genommen hat. Das ist also auch nicht die Lösung. Ich habe ihr schon vorgeschlagen, dass sie sich ein leichtes Antidepressiva verschreiben lassen soll. Kann das der Hausarzt? Oder kann das nur ein Neurologe oder Psychologe?

Habt ihr Ideen was man JETZT für Möglichkeiten hat, damit ihr SOFORT geholfen werden kann?

Ich danke euch schonmal.

Viele Grüße

Samira

Hallo Samira,

offenbar geht es uns in Berlin sehr gut (oder ich hatte echt Glück), was Therapieplätze betrifft. Ich hab jedenfalls nie warten müssen. Hab halt den Therapeuten öfter mal wechseln müssen, aber ich war immer - gerade wenn es sehr nötig war - umgehend versorgt.

Wo wohnt Deine Schwester? Gibt es u.U. als Übergangslösung bis zur Therapie ein Kriseninterventionszentrum o.ä.? Oft bieten karitative Einrichtungen, Kirchen oder auch Stadtverwaltungen so etwas an. Einen psychologischen (Not-)Dienst…

Und im schlimmsten Fall würde ich mit ihr in ein Krankenhaus zur Notaufnahme gehen.

Für Dich wird das auf Dauer zu viel würde ich klar sagen - aus Laien- aber auch Betroffenensicht.

Grüße
Demenzia

Hallo

Sie hatte nun schon
ein Beratungsgespräch in einer Psychosomatischen Klinik, weil
sie gerne ein Kur dort machen möchte.

Die Kassen stellen sich da ja leider heutzutage etwas an.

eine KUR muss genehmigt werden, eine stationäre Aufnahme nicht

Ich habe ihr schon vorgeschlagen, dass
sie sich ein leichtes Antidepressiva verschreiben lassen soll.
Kann das der Hausarzt? Oder kann das nur ein Neurologe oder
Psychologe?

JA das darf auch der Hausarzt verschreiben - allerdings sollte er sich mit Fachärzten kurzschliessen, weil die Wirkungen UND die Nebenwirkungen anfangs durchaus deftig sein können. Ausserdem muss sie dann in der Anfangszeit der Einnahme relativ engmaschig beobachtet werden.

Ich persönlich hätte Bauchweh damit, es mir ohne vorherigen Beratung beim psychologisch ausgebildeten Spezialisten vom Hausarzt verschreiben zu lassen :-\

Habt ihr Ideen was man JETZT für Möglichkeiten hat, damit ihr
SOFORT geholfen werden kann?

sie kann sich direkt in eine Klinik einweisen lassen … also nicht zur Kur sondern zur Behandlung (stationär oder auch ambulant )

Gruß H.

Hallo Hexerl,

danke für deine Antwort.

Wir haben ja sogar eine solche Klinik vor Ort, diese hat allerdings auf ihrer Homepage folgendes stehen:

Nicht behandelt werden PatientInnen mit akuten psychotischen Erkrankungen, akut suizidgefährdete PatientInnen.

Ich denke in diesen Bereich würde meine Schwester eher reinpassen.

Schwierig das Ganze einzusortieren und überhaupt zu wissen wohin man sich wenden kann.

Gruß

Samira

Hallo Demenzia,

danke für deine Antwort.

offenbar geht es uns in Berlin sehr gut (oder ich hatte echt
Glück), was Therapieplätze betrifft. Ich hab jedenfalls nie
warten müssen. Hab halt den Therapeuten öfter mal wechseln
müssen, aber ich war immer - gerade wenn es sehr nötig war -
umgehend versorgt.

Wo wohnt Deine Schwester?

Wir wohnen im Münsterland. Hier scheint das leider etwas schwieriger zu sein :frowning:

Gibt es u.U. als Übergangslösung bis
zur Therapie ein Kriseninterventionszentrum o.ä.? Oft bieten
karitative Einrichtungen, Kirchen oder auch Stadtverwaltungen
so etwas an. Einen psychologischen (Not-)Dienst…

Ich habe ihr jetzt mal die Adresse der Ehe-Familien- und Lebensberatung rausgesucht. Vielleicht können die ihr ja erstmal weiter helfen.

Und im schlimmsten Fall würde ich mit ihr in ein Krankenhaus
zur Notaufnahme gehen.

Und dann. Schicken die einen nicht sofort wieder weg?

Für Dich wird das auf Dauer zu viel würde ich klar sagen - aus
Laien- aber auch Betroffenensicht.

Da hast du wahrscheinlich recht. Ich merke jetzt schon, dass es mir allmählich selber an die Substanz geht. Aber trotzdem möchte ich irgendwie helfen. Und wenn es halt darin besteht ihr zu sagen, du kannst dort und dort hingehen die helfen dir weiter.

Gruß

Samira

Krisenhilfe Münster
Hallo Samira,

hier findet Ihr Ansprechtpartner in Eurer Region, die Euch weiterheflen können: http://www.krisenhilfe-muenster.de/

Alles Gute!
Diana

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Mahlzeit,

Und im schlimmsten Fall würde ich mit ihr in ein Krankenhaus
zur Notaufnahme gehen.

Und dann. Schicken die einen nicht sofort wieder weg?

kann ich mir nicht vorstellen. Wenn sie u.U. - so verstehe ich Dich weiter oben jedenfalls - sogar suizidgefährdet ist, kann sie nicht einfach weggeschickt werden, meine ich. Das müsste Dir doch aber er Hausarzt beantworten können, oder?

Da hast du wahrscheinlich recht. Ich merke jetzt schon, dass
es mir allmählich selber an die Substanz geht. Aber trotzdem
möchte ich irgendwie helfen. Und wenn es halt darin besteht
ihr zu sagen, du kannst dort und dort hingehen die helfen dir
weiter.

Klar - ich denke auch, dass das für sie enorm wichtig ist.

Gruß
Demenzia

Münster?
hi,

münster hat so ziemlich die größte dichte von psychotherapeuten in deutschland! da wird sich etwas finden.

benutzt die arztsuche der kassenärztlichen vereinigung, hier sind alle zugelassenen therapueten gelistet, schaut nach bei psychologischen psychotherapeuten, die liste ist ellenlang:
http://www.kvwl.de/earzt/

ausserdem rate ich euch, direkt bei der ambulanz der DGVT in münster anzurufen, die geben in der regel innerhalb von ein paar wochen einen termin:
http://www.psychotherapieausbildung-bundesweit.de/95…

es arbeiten dort psychotherapeutinnen und -therapeuten in ausbildung unter supervision, das ist ein gutes angebot, das ich selbst kenne und empfehle. zahlt natürlich die krankenkasse.

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Hallo alpha,

das Münsterland ist groß :smile: Meine Schwester wohnt leider viel zu weit von Münster weg. Deswegen kommt ein Therapeut in Münster leider nicht in Frage.

Trotzdem vielen Dank für deine Antwort.

Gruß

Samira

Hallo Demenzia,

suizidgefährdet ist sie nicht, dafür hat sie ein zu großes Verantwortungsbewusstsein. Sie hat zwei Katzen, die sie nie im Stich lassen würde.

Gruß

Samira

Hallo Diana,

danke für deine Antwort. Meine Schwester wird bei der Krisenhilfe anrufen. Dort sitzen ja Profis, die wissen was man tun kann.

Gruß

Samira

hi

suizidgefährdet ist sie nicht, dafür hat sie ein zu großes
Verantwortungsbewusstsein. Sie hat zwei Katzen, die sie nie im
Stich lassen würde.

In einem hast du recht : solang sie sich um die Katzen sorgt, ist sie noch nicht direkt suizidgefährdet

Wenn sie aber anfängt für die Katzen gute Plätze zu suchen oder verkündet, wer sie bekommen soll wenn ihr mal was passiert, wird es Zeit die Alarmglocken zu schlagen

Gruß h.

Hallo Hexerl,

ich danke dir für deine Antwort. Klar habe ich mir schon sorgen gemacht, dass sie sich was antut. Man kann das ja immer schlecht einschätzen. Werde auf jeden Fall hellhörig bleiben und darauf achten WAS sie sagt.

Danke und Gruß

Samira

Hi Samira,

ergänzend zu dem, was die anderen geschrieben haben:

Wenn ich dich richtig verstehe, ist deine Schwester nicht im klinischen Sinne psychisch erkrankt, sondern steckt nur (naja, „nur“) in einer bösen Lebenskrise. Und auf mich wirkt sie weniger depressiv als einfach schlimm verletzt und hefting trauernd.

Extremer Liebeskummer, Verlust - das hat durchaus gemeinsame Züge mit Trauer. Klar, es kommt noch anderes dazu.

Mir wäre es in so einer Lage wichtig, nicht allein zu sein, mich austauschen und ausheulen zu können, vielleicht auch selbst fähig zu sein, andere zu stützen.

Daher: Vielleicht bringt es was, auch mal nach Gruppen Ausschau zu halten, die sich mit Verlust, Trauer usw. beschäftigen.

Alles Gute,

Beate

Was Beate rät würde ich auch empfehlen. Gruppen die mit Trauer und Verlust arbeiten. Als Übergang, Bis eine Art Therapie gefunden werden kann. Pillchen würde ich nur im Extremfall nehmen. Ich habe eine Kollegin die schwere Antidepresiva und Schmerezmittel nimmt. Der geht mit den Nebenwirkungen gar nicht gut.

Sicher hat die Trennung bei deiner Schwester ein Loch aufgerissen aus dem noch wesentlich mehr „hrauskriechen“ wird. Die Trennung und Trauer darüber ist da wohl nur ein Auslöser gewesen. Ich bin mir sicher in einer Therapie würde die Trennung schnell nur der Einstieg sein zu anderen Dingen die sie eigentlich belasten (z.B. wieso sie nicht happy ist diesen Blödmann los zu sein, so wie er sie misshandelte…).

Du kannst sie nur stärken sich durch die Trauer zu arbeiten und sich aus dem Loch zu ziehen. Sie soll daran denken das sie ohne ihn besser dran ist, er sie nicht verdiente, es ihren „Wert als Mensch“ nicht schmälerte nur weil er sie schlecht behandelte, sie betrog und am Ende abservierte, und sie nach wie vor etwas sehr wertvolles ist und ein toller Mensch, der sich nicht verkriechen muss!

Gruß
Helena