Brauche Hilfe für schwer traumatisierte Katze

Hallo,
ich poste hier für meine Freundin:
Sie hatte zwei Findel-Kater, die vorher Schreckliches durchgemacht haben müssen. Einer war noch ein kleines Kätzchen, als er zu ihr kam, war abagemagert bis auf die Knochen, stürzte sich im Garten auf Regenwürmer und durchwühlte den Kompost nach Fressbarem, weil er noch zu klein zum Mäuse fangen war.
Der andere Kater kam auch sehr ramponiert zu ihr, und die beiden Kater fanden bei ihr ein liebevolles Zuhause. Diesen Mittwoch musste der eine Kater (der Regenwurm-Fänger) eingeschläfert werden, was allein schon für den anderen, extrem schüchternen Kater schlimm sein muss, da er das Siechtum seines „Kumpels“ hautnah mitbekommen hatte.
Einen Tag später riß sich ein Kampf- oder Jagdhund (meine Freundin konnte das Tier nicht näher benennen) von der Leine und jagte den schüchternen Kater ewig lange durch die Siedlung.
Ergebnis: Für die Hundebesitzerin war das Thema erledigt, weil der Kater offensichtlich nicht blutete, also wohl „nichts passiert“ sei.
Aber: Der Kater hatte sich eine Pfote verletzt, traut sich nicht mehr in den Garten, muss ins Katzenklo getragen werden, da er es verabscheut und früher nur draußen sein Geschäft gemacht hatte. Das arme Tier hat sogar Angst vor seinen Spielsachen, traut sich nicht, das Wohnzimmer zu durchqueren, aus Angst der Terrasse zu nah zu kommen.
Meine Freundin trug ihn dann behutsam in den Gartenteil hinter dem Haus, aber das völlig verstörte Tier kauert an seinem Frauchen, begleitet es auf Schritt und Tritt. Zum Tierarzt will sie ihn nicht bringen, da er schon immer eine Panik vor den Transportkörben hatte, und auch beim Arzt ausrastet. Sie fürchtet, den Kater auch noch zu verlieren, wenn er vor Aufregung einen Herzschlag kriegen sollte.
Er lehnt übrigens seit der Hundeverfolgung Frischfutter ab, frißt nur noch Trockenfutter.
Ich riet meiner Freundin jetzt akut, sich ein Beruhigungsmittel von der Tierärztin mitgeben zu lassen.So was sollte doch auch ohne Arztbesuch des Katers gehen? Homöopathie soll da auch was bringen. Wer kann mir/ihr Rat geben?

LG
Tollkirsche

PS: Bin erst wieder nach dem WE da, also bitte nicht wundern, wenn ich nicht gleich antworten kann.

Hallo Tollkirsche,

deine Freundin sollte sich beim TA erkundigen, ob er Hausbesuche macht. Mit einer Beruhigungsspritze ist das Problem allerdings noch nicht aus der Welt. Es gibt außerdem tatsächlich recht gute homöopatische Mittel, speziell gegen Angst. Meine Erfahrungen diesbezüglich waren da recht gut. Das Zeug nennt sich Lachesis-schlagmichtot (is schon ein Weilchen her).

Überdies ist es durchaus hilfreich, zu versuchen, das arme kleine Kerlchen in seinen panischen Verhaltensweisen nicht noch mehr zu bestärken. Damit will ich sagen, sie soll bitte bloß nicht versuchen, den Kleinen jedesmal, wenn er irgendwie verzweifelt und ängstlich reagiert, noch lang und breit beruhigen zu wollen, ich weiss, das fällt verflucht schwer. Aber dadurch fühlt sich die Katze in ihrem Verhalten noch mehr bestärkt und hat irgendwann Schiss vor ihrem eigenen Hintern.

Ich weiss, wovon ich rede, mein Dicker (auch Findelkatze) ist bei jedem Gewitter ganz platt geworden und „klammerte“ sich sofort ganz panisch an mich ran, fand ich zuerst noch recht niedlich, dieses Schutzbedürfnis. Relativ wenig später dann bekam er schon Zustände, wenn der Regen an die Scheibe klopfte, wehe, ein fremder Mensch war im Treppenhaus, kurz, der Gute fing an, ganz ausgewachsene Neurosen zu entwickeln.

War nicht leicht, meine Erziehungsfehler rückgängig zu machen; schwer, konsequent zu bleiben bei diesem jämmerlichen Rumgeheule jedesmal.

Aber wenn man ne Weile die haustierkonformen Verhaltensweisen belohnt und die Panikanfälle ignoriert, gibt sich das nach ner Zeit. Euer Katerchen wird allerdings vermutlich sein ganzes hoffentlich langes Leben lang ein schüchternes Katerchen bleiben.

Ich wünsche euch alles Gute

Awful Annie

Hallo,

ich kann hier nur beipflichten. Ihr solltet zusehen, einen Arzt zu finden, der zu der Mietze nach Hause kommt.

Bei Hommöopathie wäre ich ein wenig vorsichtig. Das sollte ein erfahrener Homöopath machen. (nicht unbedingt ein Tierarzt, da viele - natürlich nicht alle- sehr oft pauschal nach Symptomen behandeln, ohne das Thema ganzheitlich anzugehen.)

Ich würde der Katze auf jeden Fall Rescue geben. Das ist eine gute Bachblütenmischung, die es schon fertig in der Apotheke gibt. Am besten als Globuli, da Alkohol nicht ganz ungefährlich für Katzen ist. Notfalls ein zwei Kügelchen in Wasser auflösen und der Katze etwas davon auf die Schleimhäute tropfen.

Ansonsten denke ich, kann man der Katze zunächst helfen, indem man ein ruhiges zu Hause schafft. Also keine hektischen Bewegungen, keine laute Musik und nicht permanent neuer Besuch, sondern einfach nur Ruhe ausstrahlen und der Katze eine wohlige Athmosphäre schaffen.

Den Rest muss die Zeit machen. Viel Liebe und Streicheleinheiten!

Alles gute,
horsemanship76

2 „Gefällt mir“

Hallo Annie,

Es gibt außerdem
tatsächlich recht gute homöopatische Mittel, speziell gegen
Angst.

Richtig!

Das Zeug nennt sich Lachesis-schlagmichtot

schlagmichtot = muta -> Buschmeisterschlange

Lachesis hat zwar auch Angst in seinem Mittelbild, ist aber kein Mittel für „diese“ Angst. Das wirkt, wenn’s schlecht läuft, eher negativ.

Bei Angst nach solchem Schreckereignis ist in erster Linie an Arnica zu denken. 1x C30. Und dann schaun, ob nach 2-3 Tagen noch Störungen da sind, die eine weitere homöopathische Behandlung erforderlich machen.

Gruß Steffi

1 „Gefällt mir“

Hallo

ich würde es erst einmal mit 2 Globuli Ignatia C30 in etwas Wasser aufgelöst probieren. Das hilft, dass er wieder frißt und gegen Kummer.

Gruß Kerstin

Vielen Dank und erste ‚Zwischenmeldung‘
Vielen Dank euch allen für eure Postings.
Ich habe auch noch eine Mail erhalten, und alle Infos an meine Freundin weiter geschickt. Die Pfote scheint zu heilen, sie war wohl nur verstaucht. Auf jeden Fall kann der Kater sie wieder nutzen, wenn auch humpelnd. Gestern wagte er sogar erste Schritte allein in den Garten, und meine Freundin wurde regelrecht übermütig, was seine Heilungsprognose anbelangt.
Heute Nacht dann der Dämpfer: Meine Freundin hat keine Katzenklappe, und so öffnete sie die Tür, weil der Kater raus wollte. Wenige Minuten später stand er jammernd vor der Tür, wollte wieder rein. War er drin, jammerte er wieder, dass er raus will. Und so verbrachte die Gute ihre Nacht damit, den Pförtner für den Kater zu spielen. (Ich kommentier das jetzt nicht…)Vielleicht greift sie jetzt doch zu Globuli - und wenn das so weiter geht, braucht sie selbst welche.

LG
Tollkirsche