Hallo,
seit ca. einem halben Jahr hat meine Mutter starke Schmerzen im Rücken und massiv an Gewicht verlohren.
Vor 1,5 Wochen stellte ein Arzt bei ihr einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse fest.
Heute bekam sie das Ergebniss der Biopsie:
Der Tumor ist bösartig + nicht operabel.
Es befindet sich ein Schatten auf der Leber (muß noch geklärt werden)
In drei Tagen soll sie mit einer Chemotherapie beginnen.
Ich bin ziemlich durcheinander und schaffe es irgendwie nicht die Infos zusammenzugoogeln. Würde mich freuen wenn ihr mir Informationen über den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf, Heilungs- und Linderungsmöglichkeiten und alles andere geben könntet. Ich bin da für wirklich alles dankbar.
Sorry das ich euch damit nerve. Ich krieg selber gerade nichts gebacken.
Infos über Bauchspeicheldrüsenkrebs.
hallo,
ich wills versuchen. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist vielleicht neben Eierstockkrebs der widerspenstigste, den es gibt. Fast immer werden diese Tumore entdeckt, wenn sie nicht mehr heilbar sind. Die Operation wurde bereits ausgeschlossen, nun wird Deine Mutter eine gut verträgliche Chemotherapie bekommen. Davon kann man sich eine Verlängerung des Lebens und eine Verbesserung der Lebensqualität versprechen. Eine Heilung dagegen nicht. Nur ganz wenige Menschen leben noch nach 5 Jahren.
ich wills versuchen. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist vielleicht
neben Eierstockkrebs der widerspenstigste, den es gibt. Fast
immer werden diese Tumore entdeckt, wenn sie nicht mehr
heilbar sind. Die Operation wurde bereits ausgeschlossen, nun
wird Deine Mutter eine gut verträgliche Chemotherapie
bekommen. Davon kann man sich eine Verlängerung des Lebens und
eine Verbesserung der Lebensqualität versprechen. Eine Heilung
dagegen nicht. Nur ganz wenige Menschen leben noch nach 5
Jahren.
Sagen wir mal die Wahrheit: Nicht operierte Pankkreaskarzinompatienten haben eine mittlere Überlebensdauer von 6 Monaten.
Eine Chemotherapie ist nur indiziert bei operierten Patienten in den Stadien I bis III
Möglich ist die Behandlung mit 5-FU und Gemcitabin. Das bessert wie ganz richtig bemerkt die Lebensqualität etwas, aber nur geringfügig die Überlebensrate.
wo nun die bitteren Zahlen heraus sind, wird Dir sicher auch der letzte Rest Hoffnung zusammen gebrochen sein, und vielleicht wirst Du jetzt denken, dass alles zu spät ist, und Du nichts mehr machen kannst.
Sicherlich muss man vom rein medizinischen Ansatz her sagen, dass kurativ die Möglichkeiten sehr begrenzt sind, und man sich nicht viel Hoffnung machen kann. Aber es gibt noch eine andere Ebene, und - das ist wiederum in gewisser Weise positiv zu sehen - für die braucht es nicht einmal eine medizinische Ausbildung.
Sich jetzt ganz viel Zeit für ein ander nehmen. Das vergangene Leben aufarbeiten, die verbleibende Zeit gestalten. Klären, was medizinisch noch in kurativer Richtung unternommen werden soll, und was nicht mehr. Palliative Maßnahmen besprechen, mit den behandelnden Ärzten diskutieren und in Form einer Behandlungsvereinbarung festlegen (ganz wichtig, denn leider ist bei diesem Befund mit Schmerzen zu rechnen), gibt Betroffenen Ruhe und das Gefühl von Geborgenheit. Überlegt, ob es eine Möglichkeit häuslicher Pflege gibt, bei der ein ambulanter Pflege-, sowie Hospizdienst unterstützen kann. Alternativ kann man über ein stationäres Hospiz nachdenken.
Ich war im Umfeld mit dieser Diagnose leider schon mehrfach konfrontiert, und sie gehört so mit zu dem Schlimmsten, was einem gesagt werden kann. Man kann aber aus der verbleibenden Zeit noch viel für alle Beteiligten herausholen, was einem dann auch Hilfe und Trost für die Zeit danach ist. So schlimm diese Erfahrungen waren, um so sehr sehe ich auch, was sie mir gebracht haben.
Ich wünsche Dir und deiner Mutter viel Kraft für die nächste Zeit!
Sagen wir mal die Wahrheit: Nicht operierte
Pankkreaskarzinompatienten haben eine mittlere Überlebensdauer
von 6 Monaten.
Das ist korrekt, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 4 %.
Eine Chemotherapie ist nur indiziert bei operierten Patienten
in den Stadien I bis III
Das stimmt nicht ganz. Die gängigen Leitlinien sehen eine palliative Chemo mit Gemcitabin insbes. bei nicht operablen Patienten vor. Allerdings muss man das hier absolut im Auge haben:
Möglich ist die Behandlung mit (5-FU, Oxaliplatin usw. und) Gemcitabin. Das
bessert die Lebensqualität etwas,
aber nur geringfügig die Überlebensrate.
Gleiches gilt für die von der Industrie aggressiv beworbene Therapie mit Erlotinib. 2 Wochen angeblicher Überlebensvorteil in einer wirklich nicht sauberen Studie und einem nicht nebenwirkungsfreien Medikament sind für mich kein Grund, dieses Medikament in Erwägung zu ziehen. Völlig unabhängig vom horrenden Preis.
Ich persönlich würde auf jede weitere Therapie verzichten. Allein schon, weil die Zeit, die ich mit Infusionen zubringen würde, ein erheblicher Teil meiner Restlebenszeit wäre.
ganz richtig
Hi,
ich glaube, wer diese Frage stellt, wird die unangenehme Wahrheit früher oder später finden. Doch die Hoffnung auf Heilung ist nicht die einzige Hoffnung, die es im Leben gibt.
Nun geht es darum, ehrlich miteinander zu sein. Nicht zu verdrängen, dass der Tod ins Haus gezogen ist. Nicht dem Erkrankten ein Schauspiel vormachen zu wollen. Es bietet die Möglichkeit, zum wichtigen im Leben zurückzukehren, in sich zu gehen, miteinander innige Gespräche über das Leben zu führen. Über Gefühle, Ängste reden. Sich klar machen, was man füreinander bedeutet. Das kann sehr bereichernd sein, nicht oft bietet das Leben diese Möglichkeiten. (Leider?) oft im Zusammenhang mit Schicksalsschlägen.
Sagen wir mal die Wahrheit: Nicht operierte
Pankkreaskarzinompatienten haben eine mittlere Überlebensdauer
von 6 Monaten.
Das ist korrekt, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 4 %.
Naja, wenn man sich die UICC Stadien ansieht, wird einem klar, dass das komplett die Leute sind mit Zufallsbefunden in den frühesten Stadien. Übringes hat man die „wunder“ an Patienten nachuntersucht,
die länger als 5 Jahre leben. Komischerweise stellte man bei einem großen Teil fest, dass die primäre Diagnose histologische nicht zu halten gewesen ist, sprich dass die Leute gar keinen Krebs hatten…
Eine Chemotherapie ist nur indiziert bei operierten Patienten
in den Stadien I bis III
Das stimmt nicht ganz. Die gängigen Leitlinien sehen eine
palliative Chemo mit Gemcitabin insbes. bei nicht operablen
Patienten vor. Allerdings muss man das hier absolut im Auge
haben:
Aber es hat leider kaum einen Erfolg beim inoperablem Tumor. Die Zeit kann man besser nutzen. Eine ordenlich Schmerztherapie zum richtigen Zeitpunkt angefangen ist viel sinnvoller.
Die Tatsache ist doch, 5 Monate ohne viel Krankenhausaufenthalte sind eine bessere Restlebensqualität als 6 Monate intermittierender Krankenhausbesuch.
Möglich ist die Behandlung mit (5-FU, Oxaliplatin usw. und) Gemcitabin. Das
bessert die Lebensqualität etwas,
aber nur geringfügig die Überlebensrate.
Gleiches gilt für die von der Industrie aggressiv beworbene
Therapie mit Erlotinib. 2 Wochen angeblicher Überlebensvorteil
in einer wirklich nicht sauberen Studie und einem nicht
nebenwirkungsfreien Medikament sind für mich kein Grund,
dieses Medikament in Erwägung zu ziehen. Völlig unabhängig vom
horrenden Preis.
Das stimme ich komplett zu, obwohl Tarceva evtl. bei anderen Tumoren mehr sinnvoll eingesetzt werden kann… Aber auch darüber kann man geteilter Meinung sein.
Danke das ihr euch die Zeit genommen habt mir zu helfen.
Jetzt hab ich Möglichkeiten mich weiterzuinformieren + `ne Menge worüber ich nachdenken kann/muss.
Ich hoffe (ganz egoistisch) das mir die Auseinandersetzung mit der Situation hilft sie zu überstehen. Am schlimmsten ist die Hilflosigkeit. Man möchte trösten und ein bischen Hoffnung geben aber je länger man nach etwas tröstendem sucht umso klarer wird einem das es da nichts geben wird. Scheiss Situation.
es ist einfach noch zu früh für Dich zu erkennen, wie sehr das „für einander da sein“, das „Zeit für den anderen haben“, das „mit ihm über seine Angst, seine Sorgen zu sprechen“, das „stundenlang stumm die Hand halten“, das „ihm bei den ganz praktischen Dingen helfen“, … später dazu beitragen wird, Dir Trost zu spenden. Jetzt ist da erst einmal ein bodenlos tiefes Loch in dem das ganze Leben zu verschwinden scheint. Aber auch wenn uns ein Mensch aus unserem engsten Umfeld verlassen muss, ist dies ein Prozess mit einem klar definierten Tiefpunkt, und der Chance gerade auch aus den in dieser Zeit gewonnenen positiven Dingen und den bleibenden Erinnerungen Kraft für den schmerzhaften Weg wieder zurück nach oben zu bekommen.
Und so schlimm jedes Mal war, wenn ich im Familien- oder Mandantenkreis solche Situationen begleitet habe, so kann ich doch ganz ehrlich sagen, dass mich jede dieser Situationen auch gestärkt hat, und mir wieder Kraft gegeben hat, auch beim nächsten Mal wieder für jemand da zu sein, der sein Leben beendet. Ich habe auch viel mit einem Hospizverein hier vor Ort zu tun und weiß, dass es den dort Tätigen genau so geht. Es ist eine schwere und schwierige Aufgabe, aber sie gibt auch ganz viel zurück, und unter dem Strich kann da viel mehr als Trauer und Verzweiflung bleiben, wenn man sich wirklich darauf einlässt.
Ich wünsche Euch ganz viel Kraft für die nächste Zeit!
Die Quintessenz meiner Ergüsse - wir sind uns einig:
„Ich persönlich würde auf jede weitere Therapie verzichten. Allein schon, weil die Zeit, die ich mit Infusionen zubringen würde, ein erheblicher Teil meiner Restlebenszeit wäre.“
Wobei „jede Therapie“ Chemotherapie meint. Eine supportive Schmerztherapie etc. ist selbstredend was anderes.