Brauchen Hilfe ,wir können nicht mehr

Plädoyer für Erziehungsberatung
Hallo,

Das wurde mir so in der Erziehungsberatungsstelle geraten.

Und glaubst Du, daß sie die Weiseheit schlechthin ist und
alles weiss?

Weiter unten hat schon jemand geschrieben, warum es in so einer verfahrenen Situation angebracht ist, sich Hilfe außerhalb zu suchen.
Ein weiterer Aspekt: manchmal hilft es einfach nur, zu reden. Manchmal kommt man beim Reden von selbst auf den Trichter, manchmal helfen ein Blick von außen und Anregungen.
Sich auf den Instinkt verlassen zu können, ist was Gutes. Aber es gibt Situationen, wo das aus den verschiedensten Gründen nicht mehr wirkt.
Und es soll auch durchaus fehlgeleitete Instinkte geben.

Gruß
eklastic

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Hallo Robert,

Oft hören wir es wäre normal ,dann wieder nicht normal. Wir
sind ja selber verunsichert. Das mit dem Kuscheltier ist
eigentlich wirklich sehr übel. Oft ist das Kuscheltier gar
nicht da und trotzdem sollen wir den Hasen wegschmeißen. Dann
auch wenn er sagt wir sollen weg ,er sagt richtig „Geh Weg“
,das verletzt uns beide sehr.

Es klingt jetzt vielleicht hart, aber sollte euch nicht verletzen. Das Kind bringt seine Angst vor Verlust
zum Ausdruck in Form von Wut - ihr solltet eure Energie darauf fokusieren das Kind zu stärken und ihm
die Angst zu nehmen. So bald ihr euch verletzt darüber zeigt, bringt das widerum eine neue Instabilität.
Es ist nicht einfach die eigenen Gefühle in solch einer Situation zurückzuschrauben, aber es hilft
wenn man sich darüber im Klaren ist was wirklich ist.

Wie sieht es den aus mit dem Spielen,müssen die Eltern
wirklich jedes mal mit dabei sein?

In dem Alter ist das normal.

Und das mit dem

Spielplatz,die scheu vor Kindern woher kommt das?

Das ist auch normal. Er muss sein Sozialverhalten erst lernen. Manchen Kindern macht das erstmal
Angst, weil sie bei Gleichalterigen meist nicht so wohlgesonnenen Spielpartnern gegenüber haben,
wie z.B. die Eltern.

Wir haben Freunde die haben auch Kinder,das Mädchen ist 4
Jahre und da ist er total offen ,nimmt sie in die Hand und
spielt mit ihr. Aber wenn es nicht nach ihm geht ,dann blockt
er ganz schnell ab.

Alle Menschen sind verschieden - auch schon die Kinder. Hey, sie ist schon 4 und sie ist ein
Mädchen - und sie ist ein anderer Mensch! Wir sind nicht alle als Herdentiere geboren.
Es gibt Menschen/Kinder, die eben nicht gerne alles in einer Gruppe machen wollen und
auch das muss man akzeptieren und respektieren.

Zum Zeigen von Sachen, wir haben ihn überall eingebunden ,auch
beim Umzug ,Tapete abreisen ,malern. Überall wo er Helfen
kann. Beim Abendbrot helfen oder auch mal den Hund halten.
Oder das Fressen geben. Jeden Tag bekommt er von uns volle
Aufmerksamkeit. OK von mir nicht mehr ganz ,weil ich ja auch
ein Problem habe ,wo ich aber behandeln lasse. Oft denke ich
es liegt an mir und meiner Art. Wenn ich mal Lauter werde
,oder ihm auf gefahren Hinweise. Oder ihm sage was man nicht
darf. Zum Beispiel die Mama hauen. Da schreite ich ein. Ist
das Falsch?

Nein, das ist nicht falsch. Du musst als Familienmitglied genauso die Grenzen
ziehen wie die Mutter.

Leider ist es auch mal passiert das er ein Streit mitbekommt,
Leider. Nun da können wir jetzt nix mehr rückgängig machen.
Aufjedenfall wir wollen ja etwas tun ,aber viele Möglichkeiten
gibt es da nicht. Wir haben schon diverse Nummern und Leute
angerufen ,auch die Kinderärztin drauf angesprochen ,aber da
wurde nie etwas getan.

Wo eine Beziehung ist, da wird auch mal gestritten. Wenn man nicht gleich losbrüllt, sich gegenseitig
Beleidigungen an den Kopf wirft und beim jeden Streit die komplette Beziehung in Frage stellt, dann ist
das etwas, was völlig normal ist.
Wichtig dabei ist, dass wenn dass Kind den Streit mitbekommt auch die anschließende Versöhnung
miterlebt. Es lernt, dass man nicht immer eine Meinung sein muss und dass man wieder
zusammenkommt. Die Welt wird nicht zerstört, sie wackelt nur kurz ein bisschen, damit es danach
besser weitergehen kann.

Der jetzige Kindergarten ,hat Regeln und Klare Tagesabläufe.
Wo er zuerst war ,da war vieles Lockerer ,auch sicherlich die
Erzieher. Nicht das es daran jetzt liegt. Weil wo er noch
zuhause war beim Umzug war alles Super. Jetzt Frühstückt er im
Kindergarten ,das ist auch neu für ihn. Aber da klappt es . Da
isst er sogar Brot was er zuhause nicht essen würde :smile:.

Verliert nicht den Mut und das Vertrauen - dann wird alles gut - viel Glück!

Instinkt und Wissenschaft in der Erziehung
Morgen!

Ich bin auch immer wieder ein Verfechter von Erziehungsberatung, habe sie selbst schon in verschiedenen Formen angenommen, jedesmal mit großem Erfolg. Ich erzähle das jedem recht offen, bekommen oft die Antwort „So was brauchst Du doch nicht, so schlimm ist das doch nicht“. Erziehungsberatung ist nur was für Asoziale, so denken viele. Ich halte das für Blödsinn.

Auch mal das eine oder andere Buch zum Thema zu lesen, hilft mir oft weiter. Natürlich darf man nicht alles 1:1 im eigenen Alltag durchziehen und darf das Geschriebene und Empfohlene nicht ohne weiteres Nachdenken übernehmen. Aber es gibt soviele gute Anregungen, da fände ich es einfach schade, mich auf meinen eigenen Horizont und Instinkt zu beschränken.

Darüberhinaus ist es ja nicht mehr so ursprünglich, wie es mal war. In einer großen Sippe erziehen ja viele Personen verschiedenen Alters die Kinder, da ist der Pool an Erfahrung einfach viel größer als er es heute in den üblichen Minifamilien möglich ist. Ich denke, da ist Input von außen schon angebracht.

Darüberhinaus sind ja nicht alle althergebrachten Erziehungsmethoden wirklich gut. Dann sollte es doch auch möglich sein, alte Zöpfe mal abzuschneiden und nicht einfach so weiter zu machen. Die Prügelstrafe in der Schule ist inzwischen abgeschafft, Ehemänner dürfen auch ihre Frauen nicht mehr schlagen und hoffentlich wächst der gesellschaftliche Konsens, dass auch Eltern ihre Kinder nicht mehr schlagen dürfen (Die gesetzliche Vorgabe dazu gibt es ja schon). Ich persönlich finde diese Entwicklung sehr erfreulich.

Es wird ja in vielen Bereichen geforscht und wissenschaftlich studiert. Fast allen Fächern „glaubt“ man ihre Ergebnisse und wendet sie im Alltag an. Aber ausgerechnet in der Pädagogik werden immer wieder Stimmen laut, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse nichts wert seien und das einzig Wahre der Instinkt und die Gefühle seien. Für mich ist das ein Widerspruch.

Mein Vorschlag: Wie wäre es mal wieder mit einem Mittelweg? Ich möchte meine Kinder weder strikt nach Buch erziehen, noch auf wissenschaftlich fundierte Tipps verzichten. Man muss da doch keine Religion draus machen und Glaubenskriege führen…

Grüsse
kernig

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