Braucht die Politik Philosophen?

Unter Schröder gibt es seit kurzem einen Philosophen als Kulturstaatsminister und hat sich soeben ein nationaler Ethikrat gebildet. Am Ende wird aus dem Bundes- noch ein Philosophen-Kanzler und Platons Traum vom „Philosophenkönig“ ginge im postmonarchistischen Jahrtausend endlich in Erfüllung.

Sind denn gegenwärtig nicht die weisesten Verfassungen aller Zeiten in Kraft, und bedarf es nicht lediglich noch einer „kritischen Menge“ von deren Geist verkörpernden politischen Führungspersönlichkeiten (einige wenige gibt’s ja schon), und der moderne Staat wäre auf dem besten philosophischen Weg?

Oder sollte man, um professionelle, pragmatische Realpolitik zu machen, die allzu philosophischen Köpfe besser in ihren Elfenbeintürmen und Feuilletons weiterbeschäftigen, damit sie mit ihren Gespinsten den demokratischen Meinungsbildungsprozess nicht über Gebühr komplizieren oder auch simplifizieren?

Lässt uns die Vorstellung von Philosophen in Machtpositionen nicht sogar eher an totalitäre Staatsideen denken?

Was ist ein Philosoph überhaupt für ein Mensch? Ich meine: ein richtiger (staatstragender?) Philosoph …

Hallo,

Unter Schröder gibt es seit kurzem einen Philosophen als
Kulturstaatsminister und hat sich soeben ein nationaler
Ethikrat gebildet. Am Ende wird aus dem Bundes- noch ein
Philosophen-Kanzler und Platons Traum vom „Philosophenkönig“
ginge im postmonarchistischen Jahrtausend endlich in
Erfüllung.

von der Kanzlerschaft zum Königstum ist es ein weiter Weg. Nida-Rümelin, den ich als Philosophen sehr schätze (obwohl ich oft nicht seiner Meinung bin), hat überhaupt nicht die Eigenschaften, die ein Kanzler heutzutage haben muss. Im Übrigen scheint er - soweit ich sehe - doch eindeutig zwischen seiner politischen und seiner philosophischen Tätigkeit zu unterscheiden, auch wenn seine philosophischen Bücher voll sind von politischen Beispielen.

Sind denn gegenwärtig nicht die weisesten Verfassungen aller
Zeiten in Kraft, und bedarf es nicht lediglich noch einer
„kritischen Menge“ von deren Geist verkörpernden politischen
Führungspersönlichkeiten (einige wenige gibt’s ja schon), und
der moderne Staat wäre auf dem besten philosophischen Weg?

Schön wär’s ja. Aber so einfach ist es halt nicht.

Oder sollte man, um professionelle, pragmatische Realpolitik
zu machen, die allzu philosophischen Köpfe besser in ihren
Elfenbeintürmen und Feuilletons weiterbeschäftigen, damit sie
mit ihren Gespinsten den demokratischen
Meinungsbildungsprozess nicht über Gebühr komplizieren oder
auch simplifizieren?

Nida-Rümelin hat sich in seinen Büchern immer um reale Philosophie bemüht. Was soll daran falsch sein? Freilich sind seine (philosophischen) Schriften nicht einfach zu lesen, was zu einem wesentlichen Teil darauf zurückgeht, dass er ein Stegmüller-Schüler, also ein Logiker bzw. Logistiker ist.
Aber gerade Nida-Rümelin hat sich bemüht, diese logischen und damit scheinbar esoterischen Konstruktionen auf die reale Welt anzuwenden. Und ein rationales Urteil über die Welt erscheint mir wesentlich glaubwürdiger als ein politisch-strategisches, dass manchmal in seiner Eindeutigkeit nur noch lächerlich wirkt.

Lässt uns die Vorstellung von Philosophen in Machtpositionen
nicht sogar eher an totalitäre Staatsideen denken?

Ich meine, das kann man ganz klar verneinen.

Was ist ein Philosoph überhaupt für ein Mensch? Ich meine: ein
richtiger (staatstragender?) Philosoph …

Ein Philosoph ist ein Mensch, der versucht, rational zu denken und (im günstigen Fall) auch zu leben. Ein staatstragender Philosoph wäre dann einer, der die Staatsgeschäfte unter dem Gesichtspunkt der Vernunft zu regeln gedenkt.

Gruß

Thomas Miller