Hallo,
ich hab mich bei dem Lied der Seeräuber-Jenny immer über das seltsame Sinnbild des Schiffes gewundert. Bei 50 Kanonen müsste das mindst. eine Art Fregatte sein, die mit acht Segeln hoffnungslos unterbetakelt wäre. Zählt man alle Einzelsegel, kämen bis zu viermal soviel zusammen. Das wird Brecht wohl gewusst haben. Warum hat er das so getextet?
Eine Brigg käme der Besegelung am nächsten, die trug aber in späterer Zeit nur 20 Kanonen.
Man sollte Fiktion, ob Roman oder Ballade nicht so ernst nehmen. Ich habe das Lied ein paar Mal gesungen und die acht Segel singen sich gut, wegen des volltönenden „a“ Vokals. Schließlich kommen hier Wut und Rachsucht schon zum Ausdruck. Und die FÜNF-ZIG Kanonen kommen schön hinterher. Probiers mal zu singe mit zwanzig (zu mickerig) oder sechzig (klingt zu schlapp) Das ü von Fünfzig klingt etwas düster und passt zur Bedrohlichkeit des Textes.
Es ist halt die Frage, was die Seeräuber-Jenny alles als “Segel” mitzählt. Ein Dreimaster-Voillschiff ohne Royals und ohne geteilte Segel hätte genau 8 (große) Rahsegel, dazu aber eben noch zahlreiche kleinere Stagsegel (die aber auch nicht immer gesetzt waren).
Ein 50-Kanonen-Schiff wäre nach der alten englisfchen einteilung ein Kriegschiff 4. Ranges mit zwei Kanonenedecks. Ich möchte jetzt nicht ganz ausschließen, dass es da welche gab, die den oberen Kriterien entsprochen haben.
sieht es sogar aus, als hätten die Schiffe, mit den Nelson in die Schlacht von Trafalgar gezogen ist, nur 8 große Segel - drei Rahsegel am Fockmast, drei am Großmast und ein Rahsegel sowie das Besansegelk am Besanmast. Und die Schiffe hatten deutlich mehr kanonen als 50.
Wobei wir jetzt zu der haarspaltenden Frage kommen: Welches Segel ist ein Segel und welches Segel wird gezählt?
Wenn Du den ehemaligen Steuermannsmaat fragst, dann wird er Deine Antwort bestätigen.
Ein Laie oder ein Kind wird anders zählen und nur die grossen Segel angeben. Oder auch nur die, die deutlich zu sehen, d. h. gesetzt sind. Brecht ist zu unterstellen, dass er ein nautischer Laie ist.