Hallo,
wie fast überall in der Technik ist die Entwicklung von
Reifen an ein ganzen Haufen von Einsatzbedingungen gekoppelt,
die sich aber oft konträr widersprechen. Demzufolge müssen
immer Kompromisse gemacht werden.
Beispiele für Randbedingungen:
- max. Haftung auf unterschiedlichten Fahrbahnbelägen
- Temperaturbereich (starker Frost bis Wüstenklima)
- max. Lebensdauer
- geringster Rollwiderstand
- geringe Geräuschentwicklung
- niedrige Masse
- Zuverlässigkeit
- gesetzliche Vorschriften
- Kundenakzeptanz und Modeerscheinungen
- Preis
- Nutzung vorhandener Technologien, Patente
- Beständigkeit gegen UV-Licht, Kraftstoffe, Feuchte usw.
- Beständigkeit gegen mechn. Belastungen
- Akzeptanz Reifendruck in einem bestimmten Bereich
- unterschiedliche Belastung durch Fahrzeugmasse und Beladung
- Verhalten bei Defekt (Reifenschaden)
- Geschwindigkeitsbereich (max. Fleihkräfte)
- Kombination mit unterschiedlichen Felgensystemen
- Kombination mit unterschiedlichen Antriebsleistungen
Das ist schon ein riesen Batzen an Bedingungen, der
nie und nimmer nur durch ein Reifensystem erfüllt werden
kann. Je nach Anwendung wird man also den einen oder
anderen Aspekt bevorzugen und dafür andere Kriterien
vernachlässigen.
Da sind also Formel 1 und Straßenverkehr schon mal total
verschieden Welten. Dann wird auch schon mal zw. Sommer
und Winterbetrieb unterschieden.
Beim Komfort (Geräusch und Fahreigenschaften) und bei
Energiesparen gibt’s auch Brüche. … usw…
Man hört immer wieder Widersprüchliches zu Reifen. Zum einen
heisst es vom Rennsport her: die Slicks halten am besten,
weil
sie die grösste Auflagefläche haben… dann heisst es mal
wieder:
Ja, die Belastungen sind im Grenzbereich, es kommt nur
auf max. Geschw. bzw. min. Rundenzeiten an.
Das oberste Kriterium ist: Kann man mit den Reifen gewinnen?
Und das nur bei den momentan vorherrschenden Verhältnissen.
Das geht eben auf trockener warmer Fahrbahn mit weichen
Slics am besten. Die kleben bei den hohen Betriebstemp.
regelrecht am Fahrbahnbelag (wie Kaugummei) fest.
2% Spriteinsparung, Geräuschenw., Winterverhalten,
Verhalten auf Kopfsteinflaster oder im Gelände, Preis
usw. sind zweit und drittrangig oder völlig unwichtig.
die Winterreifen mit viel Profil halten besser auf
allen Strassen, weil dann auf die zwar geringere
Auflagefläche ein grösserer Druck wirkt…
aus der Physik kennt man aber die Aussage,
dass die grösse der Auflagefläche keinen Einfluss auf
die Haftreibung hat…
Das ist ein vereinfachstes phys. Modell, daß nur für
glatte Flächen gute Ergebisse liefert
(z.B. Stahlblock auf Glasscheibe).
Das System Fahrzeug mit Reifen auf unterschiedlichsten
Untergründen und bei unterschiedlichstem Wetter ist weitaus
komplexer.
Formschluß von groben Stollen im Schnee ist da nicht
im Modell enthalten. Spikes oder Schneeketten auch nicht.
allein das Gewicht und die
Beschaffenheit der Auflagefläche machen einen Unterschied
aus…
Nein, auch ein haufen konstruktiver Bedingungen des
Reifens und die physikalischen Bedingungen zw. Reifen und
Fahrbahn aber auch Fahrgestell, Federung+Dämpfung,Beladung,
Schwerpunkt, usw.
Alles hochkomplexe Systeme, wo jeder Teil seinen Einfluß
hat.
… nun, das mit der Physik ist nachvollziehbar…
Doch, das ist alles physikalisch nachvollziehbar,
nur nicht mit einem einzigen einfachen Gesetz und einem
sehr einfachen idealisierten Modell.
das mit :dem
Slick aber bekannt… daher wird es da nicht allein um :Reibung
gehen, sondern um etwas wie die Verformung vom Gummi, nehme
ich mal an… (in den Kurven könnte ich mir vorstellen, dass
der stabiler ist gegen eine seitliche Dehnung, weil mehr
Material da ist, als wenn ich 4 Rillen reinschneide) … die
Idee hinter dem schmalen Winterreifen müsste mir allerdings
noch jemand begründen… (evtl. grössere prozentuale
Auflagefläche, wenn es nicht ganz eben ist? oder grössere
Wärmeentwicklung durch geringere Auflagefläche -> somit
bessere Haftung?)
Das wurde ja schon beschrieben.
Kann mir da jemand helfen? Ist das Blödsinn? Stimmen meine
anderen Annahmen?
Einige andere Kriterien:
Für geringes Abrollgeräusch wären Slics sicher gut.
Ansonsten spezielle Profilformen, die eben nicht poltern.
Für geringsten Spritverbrauch wären ganz dünne Reifen mit
sehr harten Gummi und hohem Druck optimal (auch großer
Durchmeser).
Die hätten aber miserablen Komfort und schlechte Seiten-
führung sowie geringe Lebensdauer und Zuverlässigkeit.
Für max. Lebensdauer wären dicke und breite Reifen
mit hartem Gummi vorteilhaft - die hätten aber schlechten
Komfort und schlechte Haftung und große Masse.
Die Problematik trocken und nass ist sicher halbwegs
bekannt. Da wären breite Slics verheerend, aber grobe
Stollen und schmale Reifen gut.
Die Sache mit Sommer-Winter und weichen/hartem Gummi
kennt auch jeder. Grobe stollen poltern aber auf glatter
trockener Fahrbahn und zu weicher Gummis halten im
Sommer nicht lange.
usw. …usw…
Ist wirklich sehr sehr schwirig, da den richtigen
Kompromiß zu machen und annähernd optimal Reifen zu
entwickeln.
Gruß Uwi