Liebe Germano-philologoi,
mit ist ein Holzbrett zum Brotschneiden zugelaufen, das ich auf die Zeit früher (semi-)industrieller Fertigung irgendwo zwischen 1860 und 1900 datieren täte.
Um das Datum etwas genauer einzugrenzen, täte ich gern wissen, ob die reichsdeutsche Rechtschreibreform 1871/72, die aus dem „täglichen Brod“ ein „tägliches Brot“ machte, zum nämlichen Zeitpunkt auch in Österreich durchgeführt wurde, alldieweil ein Herstellerstempel auf der Rückseite neben einem unleserlichen Namen deutlich leserlich „Innsbruck“ sagt.
Für Erhellung bedankt sich
MM
Hallo Martin,
nach der Lektüre einer Abhandlung im „Österreichischen Wörterbuch“ zur Geschichte der Rechtschreibung in Österreich komme ich zum Schluss, dass deutsche Regelungswerke (das Wirken Dudens ab 1870, Konferenz zur Herstellung größerer Einigung in der Deutschen Rechtschreibung Berlin 1876) zwar faktische, aber keine rechtlich verbindlichen Auswirkungen auf Österreich hatten. Die größte Wirkung zeigte die preußische Schulorthographie, insbesondere bei der Arbeit der Buchdrucker. Zwar fanden sich im 1879 erstmals erschienenen „Regeln und Wörter-Verzeichnis für die deutsche Rechtschreibung“, (dem Vorläufer des Österreichischen Wörterbuchs), hrsg. vom kaiserlich-königlichen Schulbücher-Verlage, manche Unterschiede zu deutschen Regeln; dieses ursprünglich schmale Büchlein fand aber kaum wirkungsvolle Verbreitung.
Daher meine ich:
ob die reichsdeutsche Rechtschreibreform 1871/72, die aus dem
„täglichen Brod“ ein „tägliches Brot“ machte, zum nämlichen
Zeitpunkt auch in Österreich durchgeführt wurde
Die deutsche Reform wurde in Österreich nicht übernommen. Österreich stellte 1879 eigene Regeln für den Schulgebrauch auf (wie z.B. auch Bayern, ebenfalls 1879, aber auch Preußen (1880) und Württemberg), aber die in Deutschland festgelegten Schreibweisen wurden in Österreich weitgehend auch ohne Zwang übernommen.
Grüße, Peter
PS:
ein Herstellerstempel auf der Rückseite neben einem
unleserlichen Namen deutlich leserlich „Innsbruck“ sagt.
Da ich Innsbrucker bin, würde es mich interessieren, ob man diesem Stempel sonst irgendwelche Informationen entnehmen kann.
lieber may,
mit ist ein Holzbrett zum Brotschneiden zugelaufen, das ich
auf die Zeit früher (semi-)industrieller Fertigung irgendwo
zwischen 1860 und 1900 datieren täte.
Um das Datum etwas genauer einzugrenzen, täte ich gern wissen,
ob die reichsdeutsche Rechtschreibreform 1871/72, die aus dem
„täglichen Brod“ ein „tägliches Brot“ machte, zum nämlichen
Zeitpunkt auch in Österreich durchgeführt wurde, alldieweil
ein Herstellerstempel auf der Rückseite neben einem
unleserlichen Namen deutlich leserlich „Innsbruck“ sagt.
also laut siegfried grosse (http://www.e-scoala.ro/germana/grosse.html) gilt brot / brod noch bis 1901. das war ö. m.w. dabei.
m.
Servus Peter,
Da ich Innsbrucker bin, würde es mich interessieren, ob man
diesem Stempel sonst irgendwelche Informationen entnehmen
kann.
damit begeben wir uns zwar arg vom Sprach-topic weg, aber da es sich anbietet: Der Stempel ist quer oval, untere Rundung INNSBRUCK, obere Rundung GEBR. xAxxERL, die Schatten der mit x wiedergegebenen verblassten Buchstaben könnten BAMMERL oder HAMMERL (was wohl ein Innsbrucker Geschlecht ist) ergeben.
Schöne Grüße
MM
Hallo Martin!
BAMMERL oder HAMMERL (was wohl ein Innsbrucker Geschlecht ist)
„Bammerl“ wohl nicht (nb: „Bammel“ bedeutet bei uns „Angst“, aber ein Diminuitiv „Bammerl“ ist mir nicht geläufig), aber „Hammerl“ oder „Hammerle“ ist ein recht häufiger Name und würde gut zu Handwerkern passen („kleiner Hammer“). Mir ist zwar ein solches Unternehmen nicht bekannt, aber es gibt - aus verschiedensten Gründen - nicht viele Betriebe, die in Innsbruck die letzten 140 Jahre überstanden haben.
Grüße, Peter