hi,
ein guter Freund hat mit mir um einen nicht unerheblichen
Betrag gewettet, daß es keinen Virus gäbe, der im
BSD-Betriebssystem etwas bewirkt.
Gibt es tatsächlich keine Viren für BSD?
Jein. Es ist prinzipiell möglich, für jedes Betriebssystem Viren, zu schreiben, auch wenn es Open BSD heisst und oft auch mit ‚Secure by default‘ bezeichnet wird. Tatsache ist, dass es für die diversen UNIX-Dialekte noch nicht so recht „Spass“ macht, weil man sich in der Regel auf die größte Schwachstelle im System, sprich den Nutzer, verlassen muss. --> also gibt es ‚quasi keine Viren für Unices‘.
Und selbst wenn es welche gäbe, dann hätte ein Virus in der Regel noch nicht die fatalen Konsequenzen wie unter Win9x, weil ein UNIX eben einen Nutzer nur sich selbst aber nicht dem System ins Bein schiessen läßt.
Aber schlimm genug: Jeder Nutzer kann seine eigenen Daten ohne weiteres mit einem Virus zerstören.
Und: mit dem zunehmenden Zulauf zu Unices, kommen auch viele unbedarfte Nutzer hinzu, die unter UID 0 („root“) arbeiten und damit alle Sicherheitskonzepte unterlaufen.
Das Schreiben eines Virus für ein UNIX z.B. in der Machart von I-LOVE-YOU ist im Prinzip mit Sprachen wie Perl genauso einfach wie mit Visual Basic. Und wenn es dann einmal Mailclients geben sollte, die die Option bieten, z.B. zugeschickten Perl-Code ohne Prüfung auszuführen, ist der Nutzer eines UNIX auch nicht sicherer als der OE-Anwender, der sich ILY einhandelte.¹
Allerdings ist die Diversivizierung z.B. bei Mailclients und noch bei nahezu allen anderen Dingen im UNIX-Lager ungleich größer als unter Windows, so dass es unwahrscheinlich wäre, dass ein Virus so flächendeckend zum Tragen käme.
hth,
al
¹ Szenario: Virustext kommt an und wird unbemerkt ausgeführt. Er startet einen Hintergrundprozess, der mit niedriger Priorität alle erreichbaren Dateien nach verwertbaren emailadressen durchgreppt, z.B. stösst er dabei auf eine Little-Brother-Datenbank (so eine Art automatisches Adressbuch). Dann erzeugt er eine Kopie von sich, kann über den Befehl mail ohne Rückfrage sich an alle Adressen, die er gefunden hat verschicken und startet, wenn dies geschehen ist ein im Hintergrund laufendes rm -rf / oder auch etwas tückischer und weniger auffällig z.B. ein sed mit dem er alle erreichbaren Dateien zerstört.
These: Der Normalanwender merkt das erst, wenn ‚nichts mehr geht‘ oder mit etwas Glück, wenn beim Sammeln der EmailAdressen etwas schief geht und zu viele Bounces zurückkommen. Aber auch dann ist der Virus schon verbreitet und tätig.