Hallo Michael,
„die Bauern“ schlechthin sind es (hoffentlich!) nicht, die so unendlich dämlich und ignorant handeln. Sägen sie doch am Ast, auf dem die ganze Branche sitzt. Geldgier, Gleichgültigkeit gegenüber dem Kunden ist die eine Seite. Mißachtung der Kreatur kommt noch dazu. Damit sich die Sache rechnet, muß man einen Tiertransporter richtig vollstopfen.
Wenn die Nachricht zutrifft, müssen eine ganze Reihe von Leuten daran beteiligt sein, Bauern, Veterenäre, Spediteure, Fahrer, beliebig viele Mitwisser. Sie alle handeln legal und tun für ein paar Scheine buchstäblich alles. Der LKW-Fahrer bekommt von seinem Chef die Order und fragt nicht lange. Der Spediteur sagt, daß er er einen Auftrag hat. Kunde zahlt und dann wird’s gemacht. Punkt. Der Bauer sagt, daß sich die Leute nicht so anstellen sollen, schließlich haben sie das Fleisch schon immer gegessen und er sieht nur zu, daß ihm die Kosten nicht davon laufen.
Mit gesetzlichen Maßnahmen ist das Übel nicht zu packen. Abgesehen davon, daß die BSE-Schnelltests eh nur bei über 30 Monate alten Tieren etwas bringen können, muß sich ein anderes Bewußtsein gegenüber dem Tier, gegenüber der Natur und unserer Nahrung bilden. Hier im örtlichen Minimal-Markt kostet das Kilo Rindfleisch unter 10 Mark. Das ist billiger als vor 20 Jahren!
(kleine Haßtirade nebenbei: Wenn ich mir die Gesichter der Damen beiderseits des Tresens ansehe, kann ich mir nur schwer einen Bewußtseinswandel vorstellen. Das geben die Grillparty- und all-inclusive-Urlaubshirne nicht her).
Was mich schon vor Wochen ärgerte: Landwirtschaftfunktionäre hielten den kurzfristigen Ersatz des Kadaverfutters für unmöglich. Das war ein übles Eigentor, denn angeblich wurden ja Rinder damit ohnehin nie gefüttert. Auch wenn vorwiegend Schweinefutter gemeint sein sollte, haben diese Leute wohl vergessen, daß Schweinefutter in Hülle und Fülle überall wächst, die fressen fast alles und für Rinder reicht Gras und Heu.
Was mich wunderte: Nach dem ersten BSE-Schreck ging zwar der Rindfleischverkauf zurück, aber kaum der Wurstverkauf. Der Verbraucher stellt die Verbindung von Rind und Wurst nicht her, hieß es.
Bei so viel Entfremdung von der Natur und von unseren Lebensgrundlagen braucht’s viele Tote, damit die Leut aufwachen.
Ist lang geworden, aber mich regt das ganze Thema und die Dummheit der Menschen auf.
Gruß
Wolfgang