Buch zu kurz?

Hallo Ihr Wissenden,

ich brauche Eure Hilfe. Die Frage steht ein bisschen außerhalb der
„klassischen Literaturfragen“ in diesem Brett.

Ich habe mich letztend gefragt, ob es eine Mindestanzahl an Seiten
geben muss (Wir gehen jetzt mal vom Standard 30 Zeilen à 60 Anschläge
pro Seite aus), damit ein Verlag sich entschließt das Werk zu
drucken?
Die Frage nach der Qualität des Buches möchte ich jetzt bewußt mal
ausklammern.

Ich kann keine Wirkliche Zahl ausmachen. Es fällt mir immer nur
Büchners Woyzeck oder Leonce und Lena ein. Aber das sind ja
Theaterstücke.

Also, ist hier jemand vom Verlagswesen unterwegs, der eine kundige
Antwort geben kann?

Verzweifelt dankt Euch allen,
Katharina

Hallo Katha,

ich brauche Eure Hilfe. Die Frage steht ein bisschen außerhalb
der
„klassischen Literaturfragen“ in diesem Brett.

Ich habe mich letztend gefragt, ob es eine Mindestanzahl an
Seiten
geben muss (Wir gehen jetzt mal vom Standard 30 Zeilen à 60
Anschläge
pro Seite aus), damit ein Verlag sich entschließt das Werk zu
drucken?
Die Frage nach der Qualität des Buches möchte ich jetzt bewußt
mal
ausklammern.

Ich kann keine Wirkliche Zahl ausmachen. Es fällt mir immer
nur
Büchners Woyzeck oder Leonce und Lena ein. Aber das sind ja
Theaterstücke.

Also, ist hier jemand vom Verlagswesen unterwegs, der eine
kundige
Antwort geben kann?

nicht verzweifeln. Bin zwar nicht vom Verlagswesen, aber Buchhändlerin und Bibliothekarin.
Aus beiden Ausbildungen weiß ich, dass die klassische 60Zeichen/30Zeilen-Regel bis heute nur dazu dient, den später möglichen Umfang eines Buchs zu berechnen. Hast Du x Seiten mit jeweils 1800 Anschlägen, kannst Du berechnen bei Schriftgröße y gibt das z Bogen Papier.
Die Zahl z Bogen : 8 bzw. 16 verrät Dir dann die Seitenzahl des Buchs.

Daraus folgt bis heute, Druck- und Bindeherstellung eines Buchs ändert sich technisch nicht in diesem Punkt, dass ein Buch für den Verlag dann zu kurz ist, wenn er keine volle Bogenzahl mit dem Inhalt füllen kann. Sind es zu wenige Bogen, lohnt sich wiederum der Aufwand/die Kosten einer Bindung nicht.

Ein wenig mogeln kann man dadurch, dass man den weißen Rand um den Text pro Seite vergrößert, oder die Schriftgröße/Schriftart anpasst.

Nur ein geschriebenes Gesetz, wie kurz ein Text allerhöchstens sein darf, ist mir nie begegnet.

Und wenn der Text zum in die Knie brechen herrausragend gut geschrieben ist, kann er sowieso so kurz oder lang sein wie der Autor will.

viele Grüße
Geli

Hallo Katharina -

auch ich bin eher aus dem Sortimenterbereich, dennoch meine ich, zumindest soviel sagen zu können:

Grundsätzlich wird bei einem sehr kurzen Text der Verlag darauf schauen (müssen), ob es neben der reinen Lektüre andere mögliche Kaufkriterien gibt. Im naheliegendsten Falle sind das Illustrationen, und natürlich kann ein ganzes Buch textlich aus einem zwanzigzeiligen Gedicht bestehen, das zu je zwei Zeilen auf zehn Seiten aufgeteilt wurde, die aber dann jeweils von einer Illustration begleitet werden. Voraussetzung ist, dass der Verlag meint, das Ganze verkauft zu kriegen.

Wenn ein Verlag jedoch einen sehr kurzen Text ohne Illustrationen drucken möchte, wird er evtl. entweder textliches Beiwerk heranschaffen (Vorwort, Nachwort, thematisch Ähnliches) oder aber vielleicht das Lay-Out entsprechend anpassen - so wie es z.B. gerne gemacht wird, wenn verlagsinterne Vorgaben für eine Buchreihe von einem Text nicht ganz erfüllt werden.

Meine alte dtv-Ausgabe von Marquez’ „Der Oberst hat niemanden, der ihm schreibt“ wurde z.B. einfach übergroß gedruckt, damit genug Seiten zusammenkamen, um das Büchlein (so ließe sich böswillig vermuten) gerade noch als ‚Roman‘ deklarieren und als eigenes Werk eines bekannten Autoren verkaufen zu können. Umgekehrt kann man natürlich argumentieren, das Werk sei so eigenständig, dass es trotz der Kürze als separater Roman gelten dürfe, eine ‚Herabwürdigung‘ zur Erzählung sei nicht angemessen. Tatsache ist aber, daß die meisten Leute einfach lieber einen Roman als Erzählungen lesen, und ein Verleger weiß das auch.

Der Klassiker „Der Rabe“ von Poe wurde für die Insel-Bücherei 1.) zweisprachig gedruckt, 2.) um einen Essay Poes zum Gedicht und 3.) einen weiteren Essay ergänzt. Dreist? Bibliophil angemessene Edition eines Klassikers? Das bleibt Meinungssache (hier finde ich das z.B. sehr gelungen).

Und natürlich kann ein Kürzestdruckwerk nur ein Leporello oder ein Textbogen sein und trotzdem eine ISBN haben.

Auch bleibt zu bedenken, daß nicht jedes Buch durch größeren Umfang aufgewertet wird. Ich z.B. reagiere eher allergisch auf spürbare Versuche, mit sehr wenig Inhalt vermeintlich sehr viel Buch zu produzieren: Film- und Fanbücher haben nicht selten diese Tendenz, auch manche Sachbücher zu Trendthemen (‚Lifestyle‘-Ratgeber u.ä.).

Kurz: nein, es gibt keine klare Untergrenze für den Mindesttextumfang eines Buches, allerdings wird jeder Verlag mehr oder weniger klar festgelegte (und mehr oder weniger zugegebene) Rahmenparameter für sein Programm haben (z.B. „kein Text unter 80 Seiten unillustriert im Manuskriptstandardformat für unsere Taschenbuchreihe“).

Ein Autor, der erfolgreich mit einem Verlag verhandeln will, wird also gut daran tun, sich vorher in Bezug auf Inhalt UND Umfang zu vergewissern, ob das Werk bei dem Verlag eine reelle Chance hat. Ein aus Verlegersicht zu kurzes, aber doch interessantes Buch kann ja u.U. in gemeinsamer Absprache vom Autoren auch noch um einen relevanten Aspekt erweitert werden.

Gruß vom Pengoblin

hallo katharina,

geli hat recht. um es mal anschaulich zu machen:
angenommen, der druckbogen hätte 16 seiten und dein manuskript inklusive titelei (mind. 5 seiten) + anhang 225 seiten. dann brauchte die druckerei 15 druckbogen (zusammen 240 seiten) und müßte 15 von den 16 seiten des letzten druckbogens leer lassen. dein buch wäre also zu kurz. das gleich würde aber gelten, wenn dein buch 16 seiten länger wäre! dann blieben wieder 15 seiten des letzten bogens leer, nur wäre es dann der 16. bogen.
optimal wäre also eine seitenzahl vom kompletten buch, die durch 16 (oder die entsprechende anzahl der seiten pro bogen) teilbar wäre (wobei 2 bis 4 leeren seiten nicht ungewöhnlich sind).

gruß
ann

Zum Mindestumfang eines Buches (Romans)

Nur ein geschriebenes Gesetz, wie kurz ein Text allerhöchstens
sein darf, ist mir nie begegnet.

Und wenn der Text zum in die Knie brechen herrausragend gut
geschrieben ist, kann er sowieso so kurz oder lang sein wie
der Autor will.

viele Grüße
Geli

Hast Recht, Geli.
Ich nehme mal an, Katharina meinte mit der Normseite nicht irgendeinen Text, sondern eine Art Roman oder Belletristik.

Die kürzeste Romanform, die ich kenne, sind Hefte, und das waren über den Daumen 220.000 Anschläge = 120 Normseiten (ausschließlich aus drucktechnischen Gründen, auch bei Offset, also von der Rolle in Zeitungsverlagen wie den Badischen Nachrichten in Rastatt) für 64 Seiten zweispaltig inkl. aller techn. Angaben. Und wenn die Zeit zu knapp und das Verhältnis zwischen Autor und Verlag ok war, kam man auch schon mal mit 100 Schreibmaschinenseiten aus. Dann wurde eben mit dafür vorrätigen Anzeigen für „Drei-Glocken-Nudeln“ und „Brot-für-die-Welt“ (und wenn das nicht reichte, mit Hühnchenfotos) aufgefüllt.

Mir selbst ist es vor vielen Jahren schon passiert, daß aus Heftromanen ehrbare Hardcover mit Schutzumschlag und daraus wiederum rororo-Taschenbücher wurden. Also die gleiche Story als Groschenheft, Taschenbuch und gebundenes Buch mit völlig unterschiedlichen Verlagen, Leserkreisen und deshalb auch zum Prusten blödsinnigen Rezensionen.

Aber wie gesagt - es gibt auch Geschichten, die passen auf ein Reiskorn und könnten ebenso als bibliophile Ausgaben mit Leseband und Goldschnitt erscheinen - ganz nach Vereinbarung.

MfG
TRPM

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