Wenn man keine Ahnung hat, sollte man die nicht auch noch weiter verbreiten, Herr „Voragent“
.
Buchhändler oder eher Inhaber eines Buchhandels treten als Geschäftspartner den Verlagen gegenüber auf. Sie sind keine Endverbraucher. Dementsprechend dürfen die Verlage/ Großhändler ihnen Rabatte gewähren, die unterschiedlich ausgehandelt werden. Die geringste Rabattspanne, die ich gesehen habe, lag bei 15% (in dem Fall ist Weiterverkauf nur noch Kundenservice und hat nichts mehr mit Gewinn zu tun). Es gibt Regelungen, die die Höhe des Rabattes regeln, sodass die großen Ketten den kleineren nicht allzusehr gegenüber im Vorteil sind. Allerdings wird auch oft versucht, das zu umgehen. Der höchste Rabatt, den ich mal bei einem meiner AG auf der Rechnung gesehen habe, lag bei 47%, das war aber eine Sonderkondition bei einer Aktion.
Was die Rückgabe angeht: Wenn man es aushandelt, ist es manchmal möglich, eine bestimmte Aktion oder eine bestimmte Quote des Einkaufs zurückzuschicken. Man bekommt aber nur bei vorher vereinbarter genehmigter Remission den vollen Einkaufspreis wieder, sonst nur einen Teil dessen. Idealerweise kauft man so günstig ein, dass man möglichst ohne Remissionen klar kommt (was die Verlage aber mit schlechten Rabatten bestrafen, da gute Konditionen sich immer nach der höhe des Einkaufs richten).
Ist die Remissionsquote zu hoch (also über den tolerierten 4%, dann muss man mit einer Herabstufung rechnen, was die bisherigen Konditionen angeht).
Es gibt also eine variable „Gewinnspanne“, auch bei Büchern - so idealistisch und reich sind wir nicht, dass wir Personalkosten und Miete für nichts aufbringen
. Diese Gewinnspanne darf aber nicht auf den Endverbraucher übertragen werden (Buchpreisbindung).
Was den erwähnten 200% Aufschlag angeht, der sich gerade sehr nach Straßenraub anhört: So etwas ist eher in anderen Branchen üblich, jedoch in meinen Augen alles andere als kriminell.
Wenn man ein bisschen mit Kalkulation und Steuern vertraut ist, dann weiß man, dass eine Gewinnspanne noch kein Reingewinn ist. Denn was immer bezahlt werden will ist Personal, Steuer, Ware und alles andere an Betriebskosten, zu denen nicht nur die Ladenmiete gehört, sondern auch Werbung, Berufsgenossenschaftsabgaben etc.
Kurze übersichtliche Rechnung: Ich verkaufe ein Buch zu 10,-, habe im Einkauf 6,- dafür gezahlt, dann liegt die Gewinnspanne bei 4€. Je nachdem wieviele ich am Tag verkaufe, liegt mein Reingewinn im Minusbereich (wenn die Kosten durch den Verkauf nicht gedeckt werden) oder im positiven…
Wenn ihr im Laden einkauft, zahlt ihr auch für den Service, die kompetente Beratung, die gute Lagerhaltung und die Tatsache, dass ihr nicht zuhause auf den Paketdienst warten müsst, oder etwas auf der Post verloren geht…
Dementsprechend wird im Onlinebereich als Endkunde bei nur geringfügig niedrigerem Preis eigentlich teurer eingekauft… nur mal als Denkansatz.
Was den Strukturwandel angeht: Ich lebe derzeit noch in einer sehr bibliophilen Großstadt, in der es auch sehr kleine Buchhandlungen gibt. Fragt man aber mal einen x-beliebigen Hannoveraner nach einer Buchhandlung, kennen die meisten nur die große gelbe in der Stadt. Ich denke, dass das die eigentliche Gefahr ist: Die Zentralisierung in großen Märkten. Da wird es nicht nur dem Buchhandel so gehen, sondern auch den Lebensmittelgeschäften (als ich klein war, gab es noch 40 qm Lebensmittelgeschäfte an jeder vierten Ecke) und Bekleidungsgeschäften, ganz zu schweigen von den Drogerien, die eigentlich gar nicht mehr außerhalb von Ketten existieren.
Man könnte jetzt anfangen zu jammern, oder zu gucken, was man trotzdem machen. Nur ein Tipp: Kommt bloß nicht auf die Idee Buchhändler zu werden… oder den Gedanken, dass man damit irgendwie reich werden könnte.