Buchhandlungen vor dem Aussterben?

Tag Euch!
Am Wochenende war ich zwecks Weihnachtseinkäufen mal wieder in der Stadt. Wie ein Schock traf es mich, dass zwei weitere Buchhandlungen, alte eingesessene Firmen, einem Parfümerieladen und einer Restaurantkette (vom Typ „The Golden Arches“) gewichen waren.
Im Gespräch mit der Verkäuferin eines dritten Buchhandels kamm dann zum Vorschein, dass man auch hier über Aufgabe nachdenkt.
Der einzige Laden ist dann noch der Super-Riesen-Buchdiskounter.
Ist das (wie ich hoffe) ein Spezifikum bei uns oder ist das mittlerweile in anderen Städten auch so?
Können wir in Zukunft nur noch Bücher vom Grabbeltisch oder im Internet aussuchen? Das wären in der Tat äußerst trübe Aussichten!

Eckard.

Hallo Eckard,

ich kenne dasselbe Phänomen sowohl aus Münster, wo die traditionsreiche, ich glaube bis in das 17. Jahrhundert zurückgehende Regensbergsche Buchhandlung die Pforten schloss, als auch aus Berlin, wo die wundervolle Buchhandlung am Ernst-Reuter-Platz (der Name ist mir gerade entfallen) dem Druck der Hugendubelkette weichen musste.

Ich trauere mit dir.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo !

Trauern???
Was soll denn anderes passieren, wenn jetzt jeder im Internet Bücher kauft!!?? Dabei ist jede Buchhandlung dreimal so schnell, man kann bar bezahlen, hat nie Ärger mit der Post.

Aber wie schön ist es, bei Amazon zu kaufen!!!

Gruß max

Huhu!

Was soll denn anderes passieren, wenn jetzt jeder im Internet
Bücher kauft!!?? Dabei ist jede Buchhandlung dreimal so
schnell, man kann bar bezahlen, hat nie Ärger mit der Post.

Schnell? Na, ich weiss nicht. Bei Amazon bestellte Bücher sind immer sehr fix da, ich muss eben nicht in bar zahlen (gut, das MUSS ich in Buchhandlungen auch nicht), Ärger mit der Post hatte ich bei Amazon noch nie. Einmal kam etwas nicht an, dann hat Amazon nach einer Mail von mi die Sachen nochmal kostenfrei für mich losgeschickt.
Ich kann die Bücher als Geschenk versenden lassen und muss nicht in die Stadt rennen. Womöglich zweimal, einmal zum Bestellen, einmal zum Abholen. Und muss mich nicht mit Menschen (z.B. Buchhändlern) rumärgern.

Aber wie schön ist es, bei Amazon zu kaufen!!!

Ist es auch! :smile:

Das soll nicht heissen, dass ich nicht auch in jede Buchhandlung gehe, an der ich vorbeikomme, aber sehr selten, um gezielt etwas zu kaufen. Zu oft, war das dann nicht vorrätig und musste bestellt werden und ich durfte dann in zwei oder drei Tagen nochmal vorbeilaufen…

Sollen wir wirklich allem Althergebrachten hinterhertrauern oder versuchen, das Neue anzunehmen und damit weiterzuarbeiten?

Bye, Vanessa

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Hallo!

Man kann doch beides kombinieren - über http://www.buchkatalog.de kann man seine Bücher beim Buchgroßhändler im Katalog aussuchen. Bei der Bestellung sucht man sich dann eine Buchhandlung in seiner Nähe aus und dort kann man das bestellte Buch dann entweder abholen, oder die Buchhandlung schickt es (teilweise sogar versandkostenfrei) zu. Das finde ich die beste Möglichkeit - so unterstütze ich die lokalen Buchhandlungen und kann doch über Internet aus einem großen Angebot wählen.

Gruß, Annegret

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Sollen wir wirklich allem Althergebrachten hinterhertrauern
oder versuchen, das Neue anzunehmen und damit
weiterzuarbeiten?

Ach ja, Vanessa,
sicher ist die Möglichkeit sich Bücher online auszusuchen, Rezensionen zu lesen und Parallelvorschläge zu erhalten nicht ohne Vorteil. Ich akzeptiere das und habe diese Möglichkeiten auch schon genutzt.
Aber was ist das alles gegen das haptische Vergnügen, ein reales Buch in der Hand zu halten, die frische Druckerschwärze zu riechen, darin herumzublättern, mal hier einen Satz, dort einen Abschnitt zu lesen um es dann entweder zurückzulegen oder mit nach Hause zu nehmen.
Bereits die Tatsache, dass in diesen Großbuchhandlungen die Bücher in Plastikfolie eingeschweißt sind, verdirbt mit die größte Freude am Buchkauf. Dazu kommt noch, dass ich nur in den seltensten Fällen ein Gespräch mit dem Buchhändler führen kann. In solchen Läden gibt es halt nur noch Kassierer(innen).
Ich bin wohl auf eine Weise hoffnungslos altmodisch :smile: Bücher möchte ich in einer entspannten Atmosphäre auswählen dürfen, nicht in der Hektik des „Abverkaufes“.
(Übrigens betrifft mein Bedauern nicht nur das Verschwinden von Buchhandlungen. Auch sonst beobachte ich das zunehmende Verschwinden des Fachhandels mit Grausen! Zu einer fachmännischen Beratung des Kunden ist man offenbar immer weniger in der Lage und willens))

Annegrets Vorschlag halte ich für eine praktikable Alternative.
Ich werde sie ausprobieren.
Grüße
Eckard.

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Hi Eckard,
ich möchte hier mal eine Lanze für die bösen Großbuchhandlungen brechen.

Bei uns in Frankfurt gibt es zwei, drei Läden, da bekommt man tatsächlich Beratung geboten. Man kann sich auch mit den sachkundigen, freundlichen Verkäufern unterhalten. Und noch nie hat mir jemand den Wunsch verwehrt, die Folie mal aufreißen zu dürfen.
Und ich erinnere mich an meine Zeit in Essen, da bin sehr gern in den Baedeker gegangen (gibt es den noch?). Das war ein Riesenladen, aber sehr ansprechend eingerichtet, mit Lesenischen und -ecken, sehr gut sortiert. Ich ging gern von der hektischen Fußgängerzone dorthin zum Entspannen.

Klar habe ich als Nichtliteraten keine besonderen Anforderungen, vermutlich würde jemand anders so ein Laden weniger gut sortiert finden als ich. Aber die kleinen stillen Buchhandlungen sind ja auch nur nischenweise gut bestückt.

Gruß

J.
*dertrotzdemgernonlinebestellt*

genau!
hallo annegret,

ich suche meist bei amazon meine bücher, drücke die seite dann aus und faxe sie dem buchhändler meines vertrauens, damit der dann das buch bestellt :smile:

gruß
ann

Hallo Thomas,

als auch aus Berlin, wo die wundervolle Buchhandlung am
Ernst-Reuter-Platz (der Name ist mir gerade entfallen) dem
Druck der Hugendubelkette weichen musste.

Das war Kiepert, die groesste (Fach)Buchhandlung Deutschlands.
Das Problem war aber leider mit selbstverschuldet, da Kiepert nach der Wende einfach zu sehr expandierte mit sehr vielen Filialen…

Anabel

Hallo,

Was soll denn anderes passieren, wenn jetzt jeder im Internet

In einer grossen Buchhandlung kann man aber auch einfach mal ein Buch in die Hand nehmen und reinschauen, was ja gerade dann interessant ist, wenn ich nicht genau weiss, was ich kaufen will.
Gerade wenn ich nur weiss, zu welchem Thema ich ein Buch suche, ist es extrem nuetzlich mehrere dazu live zu sehen.

Andererseits mag ich natuerlich amazon auch, aber besonders nutze ich die zur Bestellung englischsprachiger Buecher.

Anabel


Lieber Thomas Miller,

„die wundervolle Buchhandlung am
Ernst-Reuter-Platz (der Name ist
mir gerade entfallen)“ hieß „Kie-
pert“ und hatte ein Personal, das
so beschränkt war, wie ineffektiv,
so dumm wie überbezahlt.

Ich habe mehrfach in noch anderen
Buchhandlungen denselben Titel, wie
am Reuter-Platz bestellt, nachdem
ich die dort zwei Mal die Erfahrung
machen mußte, daß die Angestellten
garnicht wissen, was gelagert ist.
(Zur Ehrenrettung: Am liebsten ha-
ben sich diese lustigen Menschen
mit sich selbst Unterhalten…)

Vor 10 Jahren lebte ich noch in der Ecke
und es war mir Anlaß zu regelmäßigem Grin-
sen (nachdem ich wußte, wo man schnell
und gut seine Bücher herbekommt…)

Es ist ja nicht so, daß die Kieperts
kleine Idealisten gewesen wären!
Allein der Filialausbau am Kudamm
strotzte vor Größenwahn: Unten Ramsch
oben Heidegger…-…Bullshit.

Manchmal ist die Erinnerung schöner
als die Realität (vor allem wenn man
glaubt die Provinz sei schrecklich
langweilig…Die Grßstadt ists für
den Provinzler…!)

m/s

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Du hast gar nicht so Unrecht …
Hallo Meursault,

„die wundervolle Buchhandlung am
Ernst-Reuter-Platz (der Name ist
mir gerade entfallen)“ hieß „Kie-
pert“ und hatte ein Personal, das
so beschränkt war, wie ineffektiv,
so dumm wie überbezahlt.

über das Personal habe ich ja auch keine Angaben gemacht. Auch die Auswahl der Bücher war nicht gerade ausgewogen, aber man muss das im Vergleich mit anderen Buchhandlungen sehen. Dort sind eben - in der Regel - Personal und Buchauswahl noch beschränkter, als sie es bei Kiepert waren.

(Zur Ehrenrettung: Am liebsten ha-
ben sich diese lustigen Menschen
mit sich selbst Unterhalten…)

Soll das jetzt positiv gemeint sein, oder wie?

Vor 10 Jahren lebte ich noch in der Ecke
und es war mir Anlaß zu regelmäßigem Grin-
sen (nachdem ich wußte, wo man schnell
und gut seine Bücher herbekommt…)

Es scheint ja jetzt an der Humboldt-Uni einen Laden zu geben, aber den kenne ich noch nicht. Meinst du den? Ich bin für jede zusätzliche Information dankbar!

Es ist ja nicht so, daß die Kieperts
kleine Idealisten gewesen wären!
Allein der Filialausbau am Kudamm
strotzte vor Größenwahn: Unten Ramsch
oben Heidegger…-…Bullshit.

Natürlich sind Buchhändler keine Idealisten, sondern in erster Linie Verkäufer; deshalb kann man von ihnen ja auch nicht in jedem Fall erwarten, dass sie fachlich auf der Höhe sind. Und wer möchte sich schon so ganz frei von Größenwahn wähnen, lieber x-nada :wink:? Und nach meiner Erinnerung fehlte auch der unvermeidliche Camus nicht bei Kiepert, der dort sogar lobenswerterweise in beiden Abteilungen (Philosophie und Literatur) vertreten war.

Manchmal ist die Erinnerung schöner
als die Realität (vor allem wenn man
glaubt die Provinz sei schrecklich
langweilig…Die Grßstadt ists für
den Provinzler…!)

Dass Berlin provinziell ist, weiß ich spätestens seit dem Zeitpunkt, als ich eine gebürtige Berlinerin geheiratet habe (die diese These seit ihrem dortigen Aufwachsen vertritt). Aber ich denke, dass es da schon Unterschiede gibt. Wer einmal in Magdeburg, Braunschweig oder anderen kleineren Großstädten versucht hat, eine representative Buchhandlung zu finden, der wird das bestätigen - obwohl auch in den meisten größeren Städten die Philosophie (von der du ja wohl hauptsächlich sprichst) unterbelichtet ist. Derjenige jedenfalls freut sich darüber, wenn er auf Reisen einmal das Glück hat, eine etwas umfangreichere Buchhandlung in Berlin, Bonn, Dortmung, Essen, Freiburg, Hannover oder Leipzig aufzusuchen. In Dresden, Kiel und München habe ich jedenfalls vergeblich gesucht - naja, vielleicht waren die Aufenthalte zu kurz.

Ich komme ins Plaudern … :smile:

Schönen Dank jedenfalls für deine Meinung. Und wenn du mir deine Erkenntnisse bezüglich Bücherbeschaffung mitteilen würdest, würde ich mich sehr freuen.

Ich wünsche dir schöne Tage und Erholung vom Weihnachtsstress (der ja in Berlin auch größer sein dürfte als anderswo).

Herzliche Grüße

Thomas Miller