Ich wollte mal einen Buchtipp loswerden, weiß aber nicht ob das hier der geeigntet Ort ist.
Habe das Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder Die Abschaffung der Kindheit“ von Michael Winterhoff gelesen und bin begeistert.
Er beschreibt ein Phänomen, dass ich jeden Tag bei meiner Arbeit und auch anderswo beobachte und erklärt die Ursachen.
Da geht es grob gesagt um den partnerschaftlichen Erziehungsstil (und seine Tücken!)und wie die Kinder permanent mit zuviel Diskussion und Verantwortung überfordert werden und die Eltern nicht mehr Eltern sein wollen oder können. Die Kids rebellieren und schreien förmlich nach Grenzen, die sie oft zu spät oder gar nicht mehr gesetzt bekommen.
Die dort beschriebenen Szenen kenne ich nur zu gut und habe schon zigmal gedacht „Mei, jetzt diskutier nicht schon wieder rum - du bist der Erwachsene.“ (Bezogen auf Eltern und teilweise auch auf mich, wenn ich mich selbst beim „zu viel Reden“ erwische.)
Ich finde dieses Buch absolut lesenswert, denn es gibt dem ein oder anderen bestimmt einen gesunden Denkanstoß für eine kindgerechtere Umgangsweise mit dem Nachwuchs.
ich habe das Buch nicht gelesen, sondern nur gestern das Interview gesehen und noch was von ihm gelesen und bin dankbar, dass mal einer das ausspricht was ich schon lange denke… dieses ewige Diskutieren…habe damals eine Pfadfindergruppe mit 5jährigen gehabt und war einer der wenigen Leiter, der ne klare Ansage mit Begründung gemacht hat und darauf bestanden hat, dass die Gruppe der Ansage folgt…mit zunehmenden Alter wurden dann auch demokratischere Elemente aufgenommen - riesen Diskussionen mit den anderen Leitern, Eltern etc. wie man denn nur so mit den Kindern umgehen könne - wohl gesagt, an Kuscheleinheiten, Lob und Zuwendung hats nicht gemangelt, … die Gruppe hat bei den internen Wettkämpfen die besten Ergebnisse erzielt und sogar die Älteren blass aussehen lassen, weil bestimmte Abläufe klar und Aufgaben eindeutig verteilt waren.
Daneben denke ich eh, dass wir unseren Kindern viel zu wenig abverlangen und sie viel zu lange in Watte polstern… selbst unser 12 Wochen alter Krümel muss sein Problem mit seinem im Kinderwagen auf den Kopf gekippten Stoffhäschen (wirklich ganz kleiner Hase ohne Gefahrenpotential für das Kind) selbst lösen ;o) Sonst kann er ja auch alles heben und bewegen, warum also nicht seinen Hasen, wenn er ihn stört? Da sollen dann wir Eltern eingreifen - haben wir beim letzten mal nicht gemacht um zu gucken was passiert und siehe da - er schnappt sich seinen Hasen und legt ihn woanders hin. Aber man kann ja mal den bequemen Weg probieren ;o)
…waren letztens mit so Wattepolstereltern unterwegs - 3jähriger stolpert auf Feldweg und fällt weich auf riesen dicken Grasstreifen, war schon dabei wortlos wieder aufzustehen und sich die Grashalme von den Händen zu wischen, sprinten die Eltern auf einmal los zu ihrem Sprößling um ihn gleich zu trösten und zu gucken ob auch nichts passiert ist etc…(wir waren so ca. 10-15 Meter hinter dem Kind) in Summe haben die Eltern mehr Panik gemacht, als es Wert war und das an dem Tag nicht nur einmal. Bei der beschriebenen Situation konnte ich mir leider nicht verkneifen mal dezent anzubringen, dass ich jetzt nicht hin gerannt wäre, um das Kind aufzuheben…ich wäre weiter langsam in die Richtung gegangen und hätte dann das Kind aufgesammelt, wenn es nicht eh schon längst weiter gerannt wäre…
Ich finde das Buch grundlegend auch recht „augenöffnend“, mir geht manches runter wie Öl. Muss ich mich doch häufig damit auseinandersetzen, ich wäre eine Rabenmutter, nur weil ich ab und an
Meinem Kind ab und an sage, ich möchte jetzt meine Ruhe haben.
Ihm Fragen häufig mit Gegenfragen beantworte. Meist stellt sich heraus, er weiß die Antwort, wenn er ein wenig nachdenkt.
Mich nicht darum kümmere, ob z.B. die Hausaufgabe ins rote oder ins gelbe Heft geschrieben werden muss. Das liegt nämlich meiner Meinung nach
in seinem Verantwortungsbereich.
An manchen Stellen des Buches hatte ich ein ungutes Gefühl, ich habe es leider nicht mehr da, um das konkret nochmal zu zitieren. Im Punkt Trockenwerden wäre ich z.B. nicht mit ihm einig. Ich finde, da spielen andere Faktoren eine Rolle, das Beispiel ist von ihm einfach unglücklich gewählt.
Auch kommen die Kinder an manchen Stellen sehr schlecht weg, ihnen wird quasi böser Wille unterstellt. Ich denke, der Autor macht das um zum „Mein Kind macht so etwas nicht“ einen Gegenstandpunkt zu setzen. Auf mich wirkt das manchmal etwas herzlos, auch wenn er das ausdrücklich und mehrfach verneint.
Ich würde das neutraler sehen: Kinder tun das, was für sie funktioniert. Natürlich tun sie damit ab und an anderen weh (körperlich oder seelisch), ich halte das aber nicht für den Zweck des Handelns sondern für eine „Nebenwirkung“. Die moralische Bewertung sparen sie sich häufig, die nehmen ja dann die Erwachsenen vor und sollten das dem Kind natürlich auch vermitteln, damit es sich da weiterentwickeln kann.
Ich habe in dem Buch auch einige Bekannte wiedergefunden. Etwa Leute mit denen man sich keine 5 Minuten unterhalten kann, weil die Kinder ständig irgendwas wollen und die Eltern sofort auf jede Anforderung reagieren.
Ich habe in dem Buch auch einige Bekannte wiedergefunden. Etwa
Leute mit denen man sich keine 5 Minuten unterhalten kann,
weil die Kinder ständig irgendwas wollen und die Eltern sofort
auf jede Anforderung reagieren.
Das Verhalten kenne ich in unserem Umfeld ein Glück kaum, wir sind alle viel zu egoistisch, um immer und zu jeder Zeit auf die Kinder zu reagieren und nach deren Nase zu tanzen… die meisten Kinder kommen, „melden sich an“ und dürfen sich dann groß und ausgiebig äußern und ihren Wunsch vortragen, wenn wir als Erwachsene unseren Gedanken zuende formuliert haben (dafür dürfen dann aber auch die Kinder aussperchen und werden nicht mitten aus dem Spiel geholt, weil uns gerade danach ist). Alles andere macht einen auch irgendwie wahnsinnig…kenne auch das Gezappel an der Hand der Eltern nicht - wir mussten damals ruhig stehen bleiben, wenn sich die Erwachsenen auf der Straße begegnet sind und kurz ausgetauscht haben bzw. durften alternativ so lange irgendwo schaukeln etc…