Buchzensur

Hallo zusammen!
Auch heute existeiren doch bestimmt Bücher die zensiert sind. Hitlers „Mein Kampf“ zählt sicherlich dazu. Beim suchen im Internet kamen alle möglichen Seiten, die einen eher wenig vertrauenserweckenden Eindruck gemacht haben. Allerdings kann ja nur der Staat ein Buch zensieren. Somit muss es doch eine offizielle Liste geben. Wo finde ich eine solche Liste?

Gruß
C. Penkwitt

Hallo, Christian,
noch gilt:

_ Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre._

Zwar wird oft „Zensur, Zensur“ gerufen, doch wenn man genauer hinschaut, handelt es sich um einen Verstoß gegen den zweiten Absatz dieses Artikels.
Gruß
Eckard

Indizierung
Hallo Christian,

die Liste ist vielleicht über die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ zu erhalten - mehr Informationen nachfolgend:
http://www.aberhallo.de/lexikon/index.php/Indizierung

Viele Grüsse
Eve*

Hallo Christian,

weder Druck noch Verkauf von „Mein Kampf“ ist im Sinn einer Zensur verboten. Die Urheberrechte liegen aus mir nicht bekannten Gründen beim Freistaat Bayern (möglicherweise weil der Anstreicher das Buch in bayrischer Festungshaft geschrieben hat, statt zu arbeiten), und der Inhaber der Rechte selektiert ziemlich fein, wo und wie das Buch veröffentlicht werden darf. Schon in Strasbourg kannst Du Ausgaben kaufen, die eher vertrauenerweckend wirken als das, was da so alles im Internet zu haben ist.

Schade eigentlich, dass man sich von dem legendären Werk so schlecht ein eigenes Bild machen kann. Die Italiener können das besser: Dort darf sich jeder so öffentlich wie er will lächerlich machen, egal ob er Mussolini Junior heißt oder eine Karriere vom Porno- zum Parlamentsstar plant.

Meine Mutter hat das Buch gleich zwei Mal geschenkt bekommen: Anlässlich ihrer ersten Hochzeit, da fand sies so dröge und plump, dass sie keine Lust hatte, es zu lesen. Nachdem ihre erste Ehe gleich zu Anfang an der polnischen Front zu Ende gegangen war, hat sies zur zweiten Ehe nochmal bekommen: Da hat sies an die Wand geschmissen. Beiläufig: Die zweite Ehe ging an der tunesischen Front zu Ende.

Die Pläne dafür hätte sie in „Mein Kampf“ lesen können und wäre dann vielleicht weniger begeisterte BDM-Führerin gewesen.

Et nous voilà ce soir. Wie wichtig ists jetzt heute, den Schmöker zu lesen? Wo das Drehbuch doch eigentlich mit den bekannten Folgen bereits umgesetzt worden ist?

Schöne Grüße

MM

Man nehme sich das Buch „Tierische Geschäfte“ von Eimel und Kleinschmidt zur Hand, dann sieht man sehr deutlich, dass die Zensur nicht nur „ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre“ findet, sondern auch da, wo Industrie und Kapital angegriffen werden.
Und wenn die ganzen geschwärzten Stellen in diesem Buch keine Zensur sind, dann weiß ich auch nicht mehr …

Stefan

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

weder Druck noch Verkauf von „Mein Kampf“ ist im Sinn einer
Zensur verboten.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/7249
Zitat: Außerdem steht das deutsche Strafgesetz dem Vertrieb entgegen. Paragraf 86 verbietet die Verbreitung von Propagandamitteln, „die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen oder deren Inhalt gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet ist“.

Die Urheberrechte liegen aus mir nicht
bekannten Gründen beim Freistaat Bayern (möglicherweise weil
der Anstreicher das Buch in bayrischer Festungshaft
geschrieben hat, statt zu arbeiten)

Die Hauptstadt der Bewegung war München und ich nehme mal an das Dolfi da auch den Verlag für sein Machwerk hatte.

Et nous voilà ce soir. Wie wichtig ists jetzt heute, den
Schmöker zu lesen? Wo das Drehbuch doch eigentlich mit den
bekannten Folgen bereits umgesetzt worden ist?

Wichtig wäre nur, das Buch frei kaufen zu können. So kommt das Gefühl auf in dem Buch steht etwas wichtiges, sonst würden die nicht so eine Angst davor haben. Ausserdem habe ich eines in der DDR gelernt, nie über Bücher reden die man nicht selber gelesen hat. Will sagen ich weiss zwar was laut Guido Knopp, Friedmann und co. da drin steht, aber das muss mit der Wahrheit nicht unbedingt viel zu tun haben.

Gruss Jan

Man nehme sich das Buch „Tierische Geschäfte“ von Eimel und
Kleinschmidt zur Hand, dann sieht man sehr deutlich, dass die
Zensur nicht nur „ihre Schranken in den Vorschriften der
allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze
der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre“ findet,
sondern auch da, wo Industrie und Kapital angegriffen werden.
Und wenn die ganzen geschwärzten Stellen in diesem Buch keine
Zensur sind, dann weiß ich auch nicht mehr …

Ich kenne dieses Buch zwar nicht, aber die Problematik von anderen Büchern, in denen große Firmen und Konzerne angegriffen wurden. Wenn sie können, setzen diese Firmen auf dem Rechtsweg über Paragraphen gegen Verleumdung, unlauteren Wettbewerb oder sonst irgendwas durch, dass ihre Namen oder die entsprechenden Passagen gestrichen werden. Oft kann der Autor eben keine handfesten Beweise vorlegen (obwohl jeder weiß, dass es genau so rennt, wie er es beschreibt) oder der Verlag hat Angst, und die Passagen werden eben gestrichen.

Das hat aber nix mit staatlicher Zensur im eigentlichen Sinne zu tun. die Streichungen werden über Gerichte durchgesetzt, nicht willkürlich von irgendwelchen Beamten durchgeführt.

Tja, du weißt also nicht mehr…

Sorry,
Livia

Danke!
Hallo zusammen!
Jetzt ist wenigstens ein wenig Licht ins Dunkel gekommen. Danke an alle!

Gruß
C. Penkwitt

Hallo,

Die Urheberrechte liegen aus mir nicht
bekannten Gründen beim Freistaat Bayern

Ganz einfach, weil nach Kriegsende dem Freistaat die Rechte von der alliierten Militärregierung übertragen wurden:

‚Der Freistaat Bayern wurde nach dem 2. Weltkrieg im Rahmen von Maßnahmen der alliierten Entnazifizierung Inhaber der Urheber- und Verlagsrechte an Hitlers Buch „Mein Kampf“.‘
(Quelle: Pressestelle Bayer. Staatsregierung, nach: http://www.damaschke.de/marginalia/1998/anfrage-1998…)

Grüße
Wolfgang

Hallo Martin,

Et nous voilà ce soir. Wie wichtig ists jetzt heute, den
Schmöker zu lesen? Wo das Drehbuch doch eigentlich mit den
bekannten Folgen bereits umgesetzt worden ist?

Wichtig vielleicht nicht. Ich hab’s gelesen und es ist grottenlangweilig und zum grössten Teil geschichtsklitternd.
Aber es ist ein Dokument einer Verblendung, die offensichtlich große Akzeptanz in der damaligen Bevölkerung fand. Und: Es stand alles drin - auch (wenn auch verbrämt) die Judenvernichtung !

Man hätte es wissen können…

Gruss
Lothar

PS: Eine unkommentierte AUsgabe würde ich nicht zum freien Verkauf befürworten.