Buddhismus

Hallo,

aus aktuellen persönlichen Anlass:
kann mir jemand leichtverständlich und kurz den Sinn, und die Art (warum wird meditiert, was wird „angebetet“ bzw. woran geglaubt…) des Buddhismus erklären ?
Wie ist das mit der Reinkarnisation, ist es „Pflicht“ daran zu glauben?

Welche Stelle nimmt der Buddhismus in den Weltreligionen ein (also keine Sekten, oder Splitterreligionen), und woher kommt das Denken? (aus welcher geographische Ursprungsecke)

Vielen Dank im Voraus!
Und Grüsse,
Nicole

Hi Nicole,

kann mir jemand leichtverständlich und kurz den Sinn,
und die Art (warum wird meditiert, was wird „angebetet“ bzw.
woran geglaubt…) des Buddhismus erklären ?

also geglaubt wird erst mal nichts :wink: Im Ernst. Buddhismus ist vom westlichen Religionsverständniss eine atheistische Religion. Den Begriff ‚Gott‘ in diesem Sinne gibt es nicht.
Die Meditation ist eine Technik, mit der man versucht sich selber zu erkennen bzw. zu überwinden. Es ist also kein Zweck, sondern ein Werkzeug.

Wie ist das mit der Reinkarnisation, ist es „Pflicht“ daran zu
glauben?

Es wäre schon recht paradox, wenn man als Buddhist nicht an die Wiedergeburt glauben würde, aber vorstellbar wäre es für mich schon, daß es Buddhisten gibt die nicht daran glauben. aber as wäre in menen Augen schon ziemlich ‚schräg‘.

Welche Stelle nimmt der Buddhismus in den Weltreligionen ein
(also keine Sekten, oder Splitterreligionen), und woher kommt
das Denken? (aus welcher geographische Ursprungsecke)

Es ist eine annerkannte Religion, die aber, ähnlich den anderen Religionen in viele Schulen gegliedert ist.
Siddarta später genannt Buddha stammt aus Indien und von dort aus hat sich die Relligion verbreitet. Buddha lebte ca. 500 vor Christuns.

Reicht das?

Gandalf

Hallo Gandalf,

aber…wenn an ‚nichts‘ (ausser den Menschen an sich) geglaubt wird, woher kommt dann das Verständnis für die Wiedergeburt?

Und sicher gibt es im Buddhismus wieder fürchterlich komplizierte Bücher, die eine Grundlage umfassen, also das, was wir „Bibel“ nennen, oder „Bücher des Koran“, gibt es da auch sowas?

Die Meditation hat einen besonderen Namen, weisst Du den?
Die Person, um die es geht, kommt aus Korea, und er meditiert jeden Morgen ein paar Minuten, und „betet“ am Abend dafür, dass den Menschen Glück wiederfährt, und es ihnen gut gehen soll.
Das muss ihm ein beruhigendes Gefühl geben, wie ich es richtig verstanden habe, wenn er an die Menschen da draussen denkt.

Haben Buddhisten dieses Kasten-Denken? Also, wenn man ein gutes Leben geführt hat, man aufsteigt, wenn nicht, wieder „abfällt“ und als niederes Wesen wiedergeboren wird?

Grüsse,
Nicole

(P.S. Schreibt gern noch mehr, klingt interessant.)

Hallo Nicole,

aber…wenn an ‚nichts‘ (ausser den Menschen an sich) geglaubt
wird, woher kommt dann das Verständnis für die Wiedergeburt?

es gibt schon ein ‚höheres‘ an das geglaubt wird, aber das ist mehr eine Art ‚Ordnung‘, die wenig bis nichts mit dem Begriff Gott zu tun hat.

Und sicher gibt es im Buddhismus wieder fürchterlich
komplizierte Bücher, die eine Grundlage umfassen, also das,
was wir „Bibel“ nennen, oder „Bücher des Koran“, gibt es da
auch sowas?

Das fragst Du besser Pendragon oder Metapher, die Richtung des Buddhismus die ich praktiziere (Zen) hats nicht so sehr mit Büchern. Dort ist das Praktizieren bevorzugt.
Als Buch empfehle ich gerne
‚Zen in der Kunst des Bogenschießens‘ von Eugen Herigel, aber das ist eher was für Menschen, die sich speziell mit Zen befassen wollen.

Die Meditation hat einen besonderen Namen, weisst Du den?
Die Person, um die es geht, kommt aus Korea, und er meditiert
jeden Morgen ein paar Minuten, und „betet“ am Abend dafür,
dass den Menschen Glück wiederfährt, und es ihnen gut gehen
soll.

Es gibt im Buddhismus wie gesagt eine Menge Richtungen und da mag es auch viele Namen für Meditationen geben. Im Zen nennt man die sitzende Meditation z.B. Zazen

Haben Buddhisten dieses Kasten-Denken? Also, wenn man ein
gutes Leben geführt hat, man aufsteigt, wenn nicht, wieder
„abfällt“ und als niederes Wesen wiedergeboren wird?

Ein Kastendenken wie im Hinduismus gibt es im Buddhismus nicht. Die Lebensführung spiegelt sich im sog. Karma wieder.
Das kann man ganz grob(!!!) mit Schicksal übersetzen.

Aber meine Überzeugung ist, daß man in den Leben, die man lebt Erfahrungen sammelt; gute und schlechte, sich aber mit allen Erfahrungen weiterentwickelt, bis man irgendwann die Erleuchtung erfährt und aus dem Kreis der Wiedergeburt treten kann. Was dann mit der Seele geschieht kann ich Dir nicht sagen, davon hab ich auch keine Vorstellung, ich bin aber auf jeden Fall sehr gespannt darauf.

Gandalf

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Hi Nicole,
das meiste hat Gandalf ja schon erzählt. Für mich ist Buddhismus immer gleichbedeutend mit Toleranz. Selbst Verbrecher werden nicht „gerichtet“, sondern als Teil des Karma gesehen.

Es gibt eine nette Geschichte über drei Schüler, die nach einem Bad mit ihrem Meister ihre Handtücher zum Trocknen „in die Luft“ hingen. Da sahen sie einen Falken, der eine Taube schlug. Der erste Schüler sagte: „Die arme Taube!“ Sein Handtuch fiel herab. Der zweite sprach: „Der böse Falke!“ Auch sein Handtuch fiel. Der dritte aber lächelte nur. Sein Handtuch blieb hängen.

Ciao

Uwe

interessant
…was, ich bis jetzt gehört habe!

Ich muss zugeben, sobald der Name einer Religion, oder Sekte fällt, blocke ich ab, weil ich absolut was gegen „Missionieren“ habe.
Vielleicht liegt es daran, dass ich in der DDR aufgewachsen bin (obwohl meine Mutter an ihren Glauben schon immer festhielt), oder an einigen Erfahrungen, wie der Kollegin, die ZJ war, und tatsächlich missionieren wollte (aber das ist ja ihre Pflicht), oder den Brieffreund aus Ghana, der immer von „believe in Jesus Christ“ sprach, dass hat für mich einen negativen Touch.

Deshalb erlaubt mir mal die Frage: wie kommt man mit anderen Religion in Berührungen? Freunde, Reisen, Begeisterung für etwas und Suche…?
Das frage ich mich schon seit langem.

Danke nochmal, und Gruss,
Nicole

Hi Nicole,

Deshalb erlaubt mir mal die Frage: wie kommt man mit
anderen Religion in Berührungen? Freunde, Reisen, Begeisterung
für etwas und Suche…?
Das frage ich mich schon seit langem.

bei mir war das so, daß ich mit ca. 14 -15 mit der katholischen Kirche nicht mehr konnte.
Das fiel zeitlich zufälligerweise mit einem Referat zusammen, das ich für den Reli-Untericht vorbereitete und das sich mit den fünf Weltreligionen befasste.
Der Buddhismus hat mich spontan gefesselt und ich hab mich damit näher befasst. Zuerst mit Büchern, dann suchte und fand ich Praktizierende.

Das wars eigentlich schon.

Gandalf

Hallo Kroeti,

ich hab mir mal erlaubt, die Fragen aus deinen Postings zusammenzufassen :smile:

warum wird meditiert: hat Gandalf ja schon kurz angerissen. Meditation ist eine Methode , die dazu dient, sich aus dem Getriebe der Welt zurückzuziehen, Einsicht zu gewinnen, achtsam zu werden …

was wird „angebetet“ : nichts eigentlich. Buddha z.B. wird zwar als Religionsstifter ver ehrt , genau so begegnet man auch der Lehre, dem eigenen Lehrer und anderen Menschen mit Respekt und Ehre, jedoch gibt es wie Gandalf bereits sagte keinen Glauben an ein übergeordnetes Wesen quasi „außerhalb seiner selbst“, im Gegensatz zu bespielsweise dem Gottesbegriff vieler monotheistischer Religionen.

woran geglaubt…: auch an nichts eigentlich. Als Buddhist ist man angehalten, nur das für sich als richtig anzuerkennen, was man selbst erprobt hat.

_Wie ist das mit der Reinkarnisation, ist es „Pflicht“ daran zu

glauben?

aber…wenn an ‚nichts‘ (ausser den Menschen an sich) geglaubt wird, woher kommt dann das Verständnis für die Wiedergeburt?:_

Hier muss man mit der Begrifflichkeit sehr vorsichtig umgehen. Viele Menschen verstehen unter „Reinkarnation“ oder „Wiedergeburt“ das gleiche wie „Seelenwanderung“, also die Vorstellung, dass es etwas gibt, was z.B. dich als Mensch ausmacht (Seele ?), und das quasi durch den Tod hindurch in eine „neues Leben“ „rübergerettet“ wird.

Der Buddhismus hingegen geht davon aus, dass es schlicht und ergreifend unlogisch wäre, wenn etwas, dass vorher existiert hat, nach dem Tod nicht mehr existiert (genau wie ein Stück Holz, wenn es verbrennt, ja nicht verschwindet, sondern sich z.B. in Energie und Asche verwandelt) Die Logik legt nahe, dass „es“ durch den Tod nicht komplett verschwindet, als wäre es nie dagewesen, sondern sich allenfalls wandelt. Was „es“ aber ist, und in was „es“ sich verwandelt, ja ob überhaupt ein „es“ existiert, dazu gibt es auch im Buddhismus ein großes Spektrum an Anschauungen. Um eine Idee von diesem Komplex zu bekommen kannst du dich ja mal hinsetzen und versuchen rauszufinden, was „dich“ ausmacht, also was dieses (selbt durch den Tod) unveränderliche an dir sein soll und was „dich“ auch bislang durch dein bisheriges Leben hinweg unveränderlich und unverwchselbar ausgemacht hat.

Und sicher gibt es im Buddhismus wieder fürchterlich komplizierte Bücher, die eine Grundlage umfassen, also das, was wir „Bibel“ nennen, oder „Bücher des Koran“, gibt es da auch sowas?

Der Kern der Buddhistischen Leere passt im Grunde auf eine Din A4 Seite. Er besteht aus den „Vier Edlen Wahrheiten“ und dem „Achtfachen Pfad“. Was sich dahinter verbirgt findest du z.B. auf der Homepage von http://www.dharma.de/main.html unter dem Stichpunkt „Was ist Buddhismus“ und dann „Buddhistische Lehre“.

Falls dir das nicht ausreicht, ist ein sehr gut verständliches, aber gleichzeitig fundiertes und keinesfalls oberflächliches Buch, welches ich immer gerne empfehle:

Alex Kennedy, „Was ist Buddhismus“, ISBN 3442123968 Buch anschauen [Buch anschauen]

Die Meditation hat einen besonderen Namen, weisst Du den?

Meinst du eventuell „Vipassana Meditation“ ? (aber wie Gandalf schon sagte, es gibt da alle möglichen Bezeichnungen)

Haben Buddhisten dieses Kasten-Denken? Also, wenn man ein gutes Leben geführt hat, man aufsteigt, wenn nicht, wieder „abfällt“ und als niederes Wesen wiedergeboren wird?

Nein. Zum einen würde das ja wie oben engedeutet eine „Seelenwanderung“ auch durch unterschiedliche „Wesensstufen“ vorraussetzen. Zum anderen würde hier eine Wertigkeit greifen, die den Buddhisten eigentlich fremd ist. Das einzige, worüber sich Buddhisten diesbezüglich einig sein dürften ist, dass wir uns alle freuen sollten, als Menschen auf der Welt zu sein, da es vermutlich die einzige Wesenform ist, in der man Erleuchtung erlangen kann :smile:

Solche Überlegungen sind aber im Buddhismus eher Gedankenakrobatik und (IMHO) für die Lehre nicht wirklich wichtig. :smile:)

Gruss
Marion

Besten Dank!(auch für Denkanstoss) o/t