Buddhismus / Missionstätigkeit

Hallo

Da lese ich, dass der Buddhismus ca. ab Beginn unserer Zeitrechnung einige Jahrhunderte in Südostasien missioniert hat. Da der Buddhismus m.W. die Zugehörigkeit zu einer anderen Religion nicht ausschliesst, frage ich mich nach dem Grund. Wird auch heute noch missioniert?

Danke!
Peter

Hi,

kommt drauf an, was man unter „missionieren“ versteht.

Das diverse buddhistische Richtungen und Schulen in anderen Ländern zunehmend Anhänger finden, weil entsprechende Gruppen und Einrichtungen gegründet werden, und Vertreter dieser Religionen ins Ausland gehen, bzw. Ausländer nach langjährigem Aufenthalt in einem Kloster etc. in ihnen Heimatland selber einen Ableger betreiben, kann man in ganz Europa sehen, was in anderen Ländern ist, weiß ich nicht.

Aber diese Missionierung ist eher so zu sehen, dass Angebote gemacht werden, und nicht versucht wird, dem Interessenten seine z.B. christliche Religion auszureden.

Selbst als buddhistischer Mönch kannst du ohne Probleme aus den Kloster austreten und eine andere Religion annehmen.

A.


Hallo

[…] kann man in ganz Europa sehen, was in
anderen Ländern ist, weiß ich nicht.

Uiuiui, sind wir schon so weit? Ab ins Esoterikbrett!

Gruss

Wiesel

Da lese ich, dass der Buddhismus ca. ab Beginn unserer
Zeitrechnung einige Jahrhunderte in Südostasien missioniert
hat. Da der Buddhismus m.W. die Zugehörigkeit zu einer anderen
Religion nicht ausschliesst, frage ich mich nach dem Grund.
Wird auch heute noch missioniert?

Hallo Peter,
wie Andreas sinngemäß schon anmerkte, müsste man da erst einmal abklären, was der Autor, den Du da gelesen hast, unter ‚missionieren‘ versteht - und was Du darunter verstehst.

In Klaus-Josef Notz’ ‚Lexikon des Buddhismus‘ (s. http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/epubl/info/da…) findet sich unter dem Stichwort Mission folgender Artikel:

Der Begriff M. (lat. missio = Sendung) meint ursprünglich u. eigentlich die geplante u. organisiert durchgeführte Ausbreitung des Christentums, also Evangelisation mit dem Ziel der Kirchenpflanzung u. Gemeindegründung. In asiat. Ländern, in China seit dem beginnenden 14. Jh., in Japan seit der Mitte des 16. Jh., in Tibet seit dem frühen 18. Jh., sah sich der Buddh. mit christlicher M. konfrontiert. Vor allem in den asiat. Kolonien europ. Länder erscheint M. als geistige und religiöse Fortsetzung kolonialer Herrschaft. Aus diesen Erfahrungen heraus ist M. schon als Begriff aus buddh. Sicht heraus ungemein negativ besetzt u. sollte im Zusammenhang mit der Ausbreitungsgeschichte des Buddh. vermieden werden. Dies auch deshalb, weil sich der moderne Buddh. selbst als nicht missionierend versteht. Gleichwohl kam es auch in der Ausbreitungsgeschichte des Buddh. zu geplanten Versuchen der Verbreitung der Lehre des Buddha, etwa in den Gesandtschaften Kaiser Asokas an die hellenistischen Diadochenhöfe des seleukidischen Syriens, des ptolemäischen Ägyptens, nach Makedonien, Cyrene u. Epirus. Auch die Sendung des Asoka-Sohnes Mahinda nach Ceylon muß wohl so verstanden werden. Vollends kam es zur Adaption missionsähnlicher Organisation in der vom ceylonesischen sangha getragenen Dharmaduta-Bewegung u. in der 1952 gegründeten Lanka Dharmaduta Society (heute: German Dharmaduta Society), die besonders in Deutschland tätig ist. Formen von M. zeigen auch moderne, in Japan entstandene, neobuddh. Bewegungen wie Rissho-kosei-kai u. besonders Soka-gakkai.

Bleibt mir noch hinzuzufügen, dass die German Dharmaduta Society (die seit 1957 ihren deutschen Sitz im Buddhistischen Haus in Berlin-Frohnau hat) rein zahlenmäßig unter deutschen Buddhisten eher unauffällig ist. Soka-gakkai (vgl. http://www.soka-gakkai.de) hat nach eigenen Angaben in Deutschland ca. 3500 Mitglieder, was in etwa 5% der Buddhisten in Deutschland entspräche, wenn man von vorsichtig geschätzten 60 000 ausgeht. Ein nicht unerheblicher Teil dieser 3500 Mitglieder dürften in Deutschland wohnende Japaner sein. Von Aktivitäten der Rissho-kosei-kai (vgl. http://www.rk-world.org) in Deutschland ist mir nichts bekannt. Soka-gakkai und Rissho-kosei-kai sind nicht Mitglieder der Deutschen Buddhistischen Union, des Dachverbandes deutscher buddhistischer Gemeinschaften. Es ist daher etwas schwierig für mich, über diese Gemeinschaften einigermaßen gesicherte Angaben zu machen.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hi Peter,

ich bin mir nicht sicher, wie das Missionieren früher abgelaufen sein könnte, als buddhistische Mönche nach Südostasien gereist sind und so für die Verbreitung des Buddhismus vor allem im Srivijaya Reich (Südthailand über Sumatra bis nach Java) gesorgt haben. Es heißt, dass der indische König Ashoka Mönche ausgesendet haben soll, um zu missionieren.

Heute ist es so, dass man in Thailand in vielen Hotelzimmern „The Teachings of Lord Buddha“ findet. Ähnlich wie in vielen Hotelzimmern Europas oder Nordamerikas die Bibel ausliegt, ist das Buch mit den Lehren Buddhas von einer Missionierungsgesellschaft gestiftet, in dem Fall einer japanischen Gesellschaft.

Liebe Grüße
Burkhard

Buddhismus + Missionstätigkeit ?
Da musst du Dich verlesen/getäuscht haben.

Im Budhismus gibt es diese Vorstellung einer „Missionstätigkeit“ nicht.
Sie kommt schlichtweg nicht vor.

Freundliche Grüsse
Anonym

Hi, ich habe diese fetten Texte nciht gesetzt, das ist nur Deine Fehlinterpretation… ich würde die Betonung eher so setzen:

…kann man in ganz Europa sehen, was in
anderen Ländern ist, weiß ich nicht.

Uiuiui, sind wir schon so weit? Ab ins Esoterikbrett!

nein nein, ab ins Psychobrett mit Dir, oder vielmehr ins Brett „Deutsche Sprache“…
A.

Moin Raymond

Im Budhismus gibt es diese Vorstellung einer
„Missionstätigkeit“ nicht.

Da würde ich dir zustimmen. Missionierung macht aus Sicht der buddhistischen Lehre überhaupt keinen Sinn, es sei denn, man bezeichnet bereits lediglich das Angebot von Information als Missionierung, dann wären Buchläden aber sozusagen der Ausbund an Missionarstätigkeit *g*.

Sie kommt schlichtweg nicht vor.

Es gibt vermutlich durchaus Menschen, die unter dem Namen „Buddhismus“ missionieren und diesen sozusagen als Zugpferd missbrauchen (wie es ja auch häufig in der Esoterik-Szene passiert). Allerdings ist das für mich dann eher ein Hinweis, dass hier etwas anderes gelehrt wird, als buddhistische Lehre.

Gruß
Marion

Hallo Raymond

Nicht verlesen oder getäuscht. Gefunden in „Gesichter Asiens“ von Hans Walter Berg. Berg hat alles andere als den Ruf eines Fantasten. Leider macht er diese Feststellung nur in einem Nebensatz und bleibt das „warum?“ schuldig. Und genau dies interessiert mich.

Peter

cholerisch?
Hallo

Vielleicht sollte ich noch sagen, dass meien Anmerkung keineswegs gegen Dich gerichtet war.

Uiuiui, sind wir schon so weit? Ab ins Esoterikbrett!

nein nein, ab ins Psychobrett mit Dir, oder vielmehr ins Brett
„Deutsche Sprache“…

Ab in die Choleriker-Selbsthilfegruppe.

Gruss

Wiesel

Diese Quelle
Hallo Peter,

handelt es sich dabei um einen Roman?

Freundliche Grüsse
Anonym

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dass der Buddhismus ca. ab Beginn unserer Zeitrechnung einige Jahrhunderte
in Südostasien missioniert hat

Hallo Peter,
ich halte dies für eine irreführende Formulierung. Die buddhistische Tradition Südostasiens nennt nach Überlieferung Sona und Uttara, zwei Gesandte König Asokas (frühes 3. Jh. u.Z.) als Begründer. Historische Belege gibt es dafür nicht; möglicherweise handelt es sich um eine nachträglich fabrizierte Legende, die erst mit der Übernahme der Theravada-Tradition (in der Asoka noch heute als Musterbild des buddhistischen Herrschers besondere Wertschätzung genießt) ca. 1000 Jahre später entstand. Angesichts der historisch belegten Gesandschaften Asokas in den hellenistischen Westen ist diese ‚Missionsreise‘ freilich nicht gänzlich unwahrscheinlich - jedoch dürfte es sich hier wie dort allenfalls um etwas gehandelt haben, was man heute wohl eine Vortragsreise nennen würde. Von einer jahrhundertelangen Missionierung zu reden, halte ich für verfehlt und auch nicht für belegbar.

Richtig ist, dass in den Jahrhunderten nach der Zeitenwende auf Grund des kulturellen Gefälles ein starker indischer Einfluss in Südostasien einsetzte. Mit der indischen Kultur kam sowohl der Hinduismus als auch der Buddhismus nach Südostasien. Beim Buddhismus handelte es sich hauptsächlich um Spielarten des Mahayana, die z.T. (vor allem im Khmer-Reich) stark mit hinduistischen Elementen vermischt waren, was gegen eine gezielte Missionierung von Indien aus spricht - ein derartiger Synkretismus existierte in Indien nicht. Erst nach der Jahrtausendwende setzte sich allmählich von Sri Lanka aus über Burma (11. Jh.), Thailand (um 1250), Kambodscha und Laos (um 1350) der Theravada-Buddhismus durch. Anlass waren in der Regel eher Reformierungsbestrebungen der herrschenden Dynasten als gezielte Mission.

Freundliche Grüße,
Ralf

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Hallo Raymond

Nein, kein Roman. Der Untertitel ist „Dreissig Jahre Augenzeuge der Geschichte“. Berg war u.a. Korrespondent der ARD in Asien.

Peter

Man sollte meiner Meinung nach Buddhismus nicht so sehr als Religion
betrachten sondern eher als Philosophie. Es gibt im Buddhismus ja
nicht einen Gott an den man glauben muss. Daher kannst du ja
eigentlich schon an einen Gott glauben und trotzdem den Lehren des
Buddhas folgen. Das Problem ist ja eher nur das Religionen wie z.B.
das Christentum so etwas nicht zulassen wuerde.
Der Buddhismus hat sich ja auch sehr unterschiedlich entwickelt in
Asien. In Thailand wird Buddhismus ganz anders praktiziert als z.B.
in Japan. Von Japan weiss ich dass es den Moenchen nicht erlaubt ist
zu missionieren. Nur wenn du Interesse hast weihen sie dich in die
Lehren des Buddhas ein.

Gruesse
Matti

Da lese ich, dass der Buddhismus ca. ab Beginn unserer
Zeitrechnung einige Jahrhunderte in Südostasien missioniert
hat. Da der Buddhismus m.W. die Zugehörigkeit zu einer anderen
Religion nicht ausschliesst, frage ich mich nach dem Grund.
Wird auch heute noch missioniert?

Danke!
Peter

Man sollte meiner Meinung nach Buddhismus nicht so sehr als
Religion
betrachten sondern eher als Philosophie.

[…]

In Thailand wird Buddhismus ganz anders praktiziert als
z.B. in Japan. Von Japan weiss ich dass es den Moenchen nicht
erlaubt ist zu missionieren.

also äh… sobald etwas „praktiziert“ wird, noch dazu in einer derart strengen form daß es „mönche“ gibt, dann ist das doch keine philosophie mehr sondern eindeutig eine religion. wer sagt, daß es personhafte götter in einer religion geben muß? ohne mich hier als expertin aufzubauen bin ich der meinung, daß der b. eine religion ist.

gruß
datafox

also äh… sobald etwas „praktiziert“ wird, noch dazu in einer
derart strengen form daß es „mönche“ gibt, dann ist das doch
keine philosophie mehr sondern eindeutig eine religion. wer
sagt, daß es personhafte götter in einer religion geben muß?
ohne mich hier als expertin aufzubauen bin ich der meinung,
daß der b. eine religion ist.

ich habe nie gesagt dass Buddhismus keine Religion ist sondern dass
man sie meiner Meinung nach nicht als solche, im westlichen Sinne,
betrachten soll. Das ist ein Unterschied in der Wortwahl sonst haette
ich geschrieben „Buddhismus ist keine Religion“.
Buddhismus kann man halt nicht vergleichen mit Religionen wie
Christentum, Islam oder Judentum. Wenn man mit diesen Religionen
vertraut ist und dann mit dem Buddhismus in Kontakt kommt ist es fuer
westliche Menschen oft schwer nachzuvollziehen. Mit meiner Aussage
wollte ich verstehen helfen das ist alles.
Vor allem schrieb ich „Meiner Meinung nach“ was soviel heissen soll,
dass ich das einfach persoenlich so sehe (ich bin mit der Ansicht
auch nicht alleine, nur am Rande).

Matti

Vielleicht hilf das dem Verstaendnis
…'Der Buddhismus ist also keine Religion im westlichen Verständnis,
sondern mit erweitertem Religionsbegriff eine Religion, die mit ihren
Inhalten, ihrem Glaubensprinzip, ihren Idealen eine Philosophie ist,
die durch ethische Werte versucht, dem Menschen zu lehren, wie er
sich vom Leiden befreit und zum Glück gelangt. Durch diese Lehre ist
sie international, vor allem weil sie auch keinen Angriff auf ein
gesellschaftliches oder politisches System nimmt. ’
http://www.buddhismus-religion.de/