Hallo,
Aber könnte ein
weiterer (und entscheidender) Unterschied nicht vielleicht
auch darin liegen, dass Kant keine über obige hinausgehende
Wahrnehmung oder Möglichkeit der Erkenntnissgewinnung kennt,
der Buddhismus hingegen wohl ?
Das meine einige, aber andere (zu denen ich mich auch zähle)
würden bestimmte Textstellen bei Kant so deuten, dass er
„Intuition“ (im weitesten Sinne) durchaus anerkennt - freilich
nicht als (natur-)wissenschaftliche Vorgehensweise. Er würde
sie also nicht als „sichere“ Erkenntnis im Sinne einer
vermittelbaren Erkenntnis sehen. Aber das ist auch im
Buddhismus - meine ich - nicht immer vertreten worden, oder?
Soweit ich weiß ist „Intuition“ in keiner Buddhistischen Schule gemeint. Intuition hat Eigenschaften (wie: sie vergeht und entsteht), aufgrunde derer sie nach meiner Auffassung karmischen Bedingungen unterliegt. Sie wäre also dem Bereich der Illusion und Verblendung zuzuordnen.
Der Buddhistmus lehr ja, dass
die entscheidenden Erkenntnisse diejenigen sind, die
unabhängig von karmischen Bedingungen gewonnen werden.
Ja, aber der Unterschied läge dann nicht in der Möglichkeit
der Erkenntnis, sondern in deren Bewertung.
Im Buddhismus gibt es die Lehre von den zwei „Wahrheiten“ (satya). Danach gibt es zwei Ebenen. Einmal die Wahrheit im höchsten Sinne (paramarthasatya), über die eigentlich keine Aussage gemacht werden kann, und dann die ganz normale, herkömmliche Wahrheit (samvrtisatya), in der wir uns normalerweise bewegen.
Natürlich können wir auf der Ebene der normalen „Wahrheit“ Erkenntnisse gewinnen. Diese Erkenntnisse sind aber bedingt (und hier wären wir bei Kant). Ein Beispiel: Schau dir mal dieses Photo an:
http://www.micronair.com/produkte/grafiken/k-lunge-v…
Was ist das da auf dem Photo ?
Ich wette, du weißt es nicht.
Du könntest nun aber das, was du siehst, im Rahmen der herkömmlichen Wahrheit beschreiben, also z.B. sagen welche Formen du siehst, welche Farben, etc. Wenn es ein Gegenstand wäre könntest du ihn wiegen, hin und her werfen, versuchen draufzuhauen, in vielleicht zerstören, du könntest anmerken, dass du die Farben als bedrohlich empfindest usw.usw.
Nenn das was du auf dem obigen Bild siehst zum Beispiel „Schmorf“. Du hast somit einen Namen, eine ziemlich korrekte Beschreibung, die dich z.B. in die Lage versetzen würde, einen Schmorf vermutlich immer und überall wiederzuerkennen, vielleicht findest du im Laufe der Zeit sogar Verwendungsmögichkeiten für einen Schmorf heraus, indem zu zum Beispiel feststellst, dass er essbar ist.
Wenn ich dir das nächste Mal das gleiche Bild zeigen würde, dann würdest du vielleicht rufen: „Ja, klar, das ist ein Schmorf da auf dem Bild.“
Lustig, nicht ? Denn im Grunde, weißt du immer noch nichts über das Wesen dessen, was auf dem Bild zu sehen ist und bist im Grunde kein Stück weiter als da, wo ich dir das Bild zum ersten Mal gezeigt habe. Du hast diesem Bild oder Gegenstand nur alle möglichen Namen und Eigenschaften zugeordet, indem du es mit Dingen benannt und verglichen hast, du du bereits meinst zu kenne (dadurch, dass du sagst, es ist blau, unterscheidest du es von etwas rotem). Das „Wissen“, das du hast, ist eine Illusion.
Genau so verhält es sich im Grunde mit all den Dingen unseres alltäglichen Lebens, die wir beschreiben und bennenen und von denen wir „meinen“, dass wir „erkannt“ haben, was es denn sei.
Dies hat aber nicht das geringste mit den Erkenntnissen der Ebene der Wahrheit im höchsten Sinne zutun. Es geht hier also weniger um „Bewertungen“ der Möglichkeit von Erkenntnis, sondern um zwei völlig verschiedene Vorgänge (Wahrheiten).
Gruß
Marion