Moin Admeta,
Was soll ich sagen? Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit
Buddhismus und es war zufälligerweise so ziemlich das Erste
was mir begegnet ist. Um genau zu sein, in einem Magazin
namens „What is Enlightenment“, das ich neulich in einem
Wartezimmer etwas quergelesen habe.
Ein wenig Suchen im Netz ergab, dass es das ganze auch online
gibt:
http://www.wie.org/j12/wilber.asp?page=2
Der Begriff „Ati“ geht wohl auf einen buddhistischen Lehrer
namens Chögyam Trungpa Rinpoche zurück, zitiert in einem
Interview mit einem gewissen Ken Wilber. Kann ja sein, dass
dieser Lehrer ein Scharlatan war, dass das Magazin in
Fachkreisen einen zweifelhaften Ruf hat, kann auch sein, dass
die beiden „Experten“ fragwürdige Erscheinungen sind. Woher
soll ich es wissen? Mir ist der ganze spirituelle Kram
ziemlich fremd.
Ok, ich hab mir das mal angeschaut und da kommt so einiges zusammen. Ken Wilber und das von dir genannten Magazin würde ich überhaupt nicht als buddhistisch bezeichen. Ich würde es eher im Bereich „New Age“ einordnen, wo sich alle möglichen spirituellen Gruppen und „Lehre“ tummeln, die z.B. auch aus dem Buddhismus entlehnte Gedankengänge weiterverwursteln.
Chögyam Trungpa wiederum war usprünglich ein Vertreter des tibetischen Buddhismus dar Kargyü-Linie. Weiter Informationen über ihn findest du hier: http://www.shambhala.org/teachers/vctr/
Ich würde Chögyam Trungpa und seine Lehren in einen Bereich einordnen, den man grobgefasst unter dem Buddhismus des Dianamtwegs zusammenfassen kann, darunter fallen dann auch teilweise Richtungen der Niyingma-Schule oder auch Karma Kargyü etc. Ein weiterer populärer Vertreter dieser Richtung wäre Ole Nydal. Diese Schulen sind so wie ich das überblicke eher im Randbereich des Buddhismus anzusiedeln. Ja nachdem, was da im Einzelnen gelehrt wird (und das kann nach Lehrer sehr unterschiedlich sein), verlassen diese Schulen auch wohl mal die Lehren des Buddhismus und sind somit dann nicht mehr buddhistisch zu nennen.
Eine dieser Richtungen, die ich noch zum Buddhismus zugehörig beschreiben würde, findest du hier erläutert: http://www.asamnet.de/~muennicg/reli/buddh20.htm
Da taucht dann auch der Begriff „Ati“ auf, der (ich hab mal nachgeschlagen) aus dem Sanskrit stammt wo er „über“ bedeutet.
Aber nun mal richtig: Die zentrale Lehre des buddhismus sagt
aus, dass es nichts ewiges, zeitloses, sonstwas gibt,
auch kein „Ati“ oder Wunschpunsch. Alles ist
vergänglich.
Das ist nich leicht einzusehen. Wenn alles vergeht muss es
doch etwas geben, das dieses Ständige Werden und Vergehen
wahrnimmt.
Ja, zum Beispiel du und ich, wir können dieses ständige Werden und Vergehen jederzeit um uns herum wahrnehmen.
Da ich mich mit diesem Slang nicht so recht
auskenne versuche ich es mal mit dem Begriff „nonduales
Bewusstsein“ statt „Ati“, wegen mir auch Gott, auch wenn das
wohl kein buddhistischer Terminus ist.
Nein, im Buddhismus gibt es keinen Glauben an ein Konzept, dass dem „Gott“ der theistischen Religionen entsprechen würde.
Alles andere, was wir gemeinhin „Realität“ nennen ist
seinem Wesen nach illusionär, da es vergänglich ist.
Nicht dem Wesen nach ist alles illusionär,
sondern das, was wir vermeinen als Realität wahrzunehmen ist
illusionär.
Vielleicht bin ich etwas beschränkt, aber wo siehst du den
grundlegenden Unterschied in den Aussagen:
„Etwas ist seinem Wesen nach illusionär.“
und
„Etwas ist illusionär.“?
Der Buddhismus geht davon aus, dass das Wesen aller Dinge die „Lehrheit“ oder „das Nichts“ ist (jetzt mal etwas vereinfacht ausgedrückt). das ist etwas anderes, als „Illusion“.
In der Tat. Schon der Begriff „Gutes“ ist für mich in diesem
Zusammenhang sehr verwirrend. Wenn es „Gutes“ gibt muss es
doch notwendigerweise auch „Schlechtes“ bzw. „Böses“ geben.
Darum hab ich diese Begriffe absichtlich in Anführungsstriche gesetzt, weil sie mit dem stark Wertenden, den diese Begriffe im Deutschen, bzw. dem Gut-Böse, dass uns aus der christlichen Religion bekannt ist, nichts zutun haben. Treffender wären die Begriffe „heilsam“ oder „unheilsam“. Diese müssen immer in Bezug auf die buddhistische Grundlehre vom Leid und der Überwindung des Leids gesehen werden. Alles was zur Überwindung des Leids führt, wäre somit heilsam.
Vor allem muss es ein „Ich“ (egal ob individuell oder
kollektiv) geben, das diese Unterscheidung vornimmt. Und das
wiederum ist doch Dualität, das ist doch Trennung zwischen
dem, was in diesem Leben individuell wichtig ist oder
erscheint und dem, was absolut wichtig ist, oder?
Natürlich gibt es auch im Buddhismus ein „Ich“ in dem Sinne, als dass man zum Beispiel sagen kann „Ich gehe jetzt einkaufen“ oder „Ich habe Bauchschmerzen“ oder „Ich esse gerne Schokolade“. Nur ist dieses Verständnis von „Ich“ im Buddhismus ein völlig anderes. Im Buddhismus ist dieses „Ich“ nichts, was unabhängig von allem anderen existiert und auch nichts, was irgend etwas „besitzen“ würde, was Bestand hat, weder im Leben, noch über den Tod hinaus.
Dualität findet dann statt, wenn man eine Unterscheidung macht zwischen „Ich“ und irgendwas anderem, die eine Unabhängigkeit postuliert. Und ja, natürlich macht man das. Dieses dualistische Denken aufzugeben ist ja eines der Ziele im Buddhismus. Das heißt aber nicht automatisch, dass jeder Buddhist dieses Ziel bereits erreicht hat 
Gruss
Marion