bücher und ihre hintergründe

hallo zusammen.

auf der suche nach einem buch (mein ernstes buch) das mir in meiner kindheit sehr viel bedeutet hat, musste ich feststellen, dass der autor august hinrichs ein nazi war und auch für die nsdap propagiert hat. das buch ist auch in der nazi-zeit, 1941, veröffentlicht worden. das hat mir einen echten schlag in den magen versetzt und ich glaube nicht, dass ich die geschichten in dem buch je wieder auf die gleiche weise werde lesen können wie zuvor… bin mir im moment gar nicht sicher, ob ich es überhaupt noch will.
mir ist das schon zuvor passiert, dass musik oder andere bücher für mich ihren zauber verloren haben, nachdem ich etwas über ihre hintergründe oder autoren erfahren habe. bei diesem buch lässt es mir aber gar keine ruhe. mir ist da etwas sehr wertvolles verloren gegangen.
wie geht ihr mit so etwas um. kann man literatur und deren autoren überhaupt von einander trennen oder sind die beiden unweigerlich miteinander verbunden?

liebe grüße von kati

hallo zusammen.

auf der suche nach einem buch (mein ernstes buch) das mir in
meiner kindheit sehr viel bedeutet hat, musste ich
feststellen, dass der autor august hinrichs ein nazi war und
auch für die nsdap propagiert hat. das buch ist auch in der
nazi-zeit, 1941, veröffentlicht worden.

Himmel, wer war denn kein Nazi oder hat mitgemacht? Es gibt heute in Oldenburg die „August Hinrichs Bühne“ und seine Stücke sind populär.

Heinz Rühmann wurde oft zusammen mit Nazigrößen gesehen. Und viele, viele andere mehr. Erich Kästner hat sogar zugesehen, wie seine Bücher verbrannt wurden.

Alles, was nach 1945 Filme drehte, war auch schon bei den Nazis dabei.

Die Industriellen, Gründer nach 1945, haben ihre Stellung schon bei Albert Speer gewonnen. Dort saßen sie in den leitenden Jobs.Kies die Stücke und wenn sie nicht rechtslastig sind, lies weiter.

In Israel wird auch Wagner gespielt.

Hört endlich auf damit, Musik, Romane mit der Rechtslastigkeit der Autoren zu verbinden.

mfgConra

Liebe Kati,
ich kann Dich gut verstehen. Etwas Einmaliges und Kostbares ist in Deinen Augen beschmutzt, so ähnlich wie verdorben. Vielleicht ist dies ein Teil des Erwachsenwerdens, so ähnlich wie, bei seinen Eltern Fehler festzustellen, vielleicht sogar Schlimmes in ihrer Vergangenheit.
Bedenke, wie viele auch redliche und eigentlich gute Menschen auf Hitler und seine Ideologie hereingefallen sind; weißt Du, ob Dein Autor auf Dauer Nazi geblieben ist, auch nachdem sich die furchtbaren Wahrheiten immer deutlicher zeigten?
Wenn Du Goethes Faust/ Gretchengeschichte liest, hältst Du es dann für möglich, daß er Jahrzehnte später den Ausschlag für die Hinrichtung einer solchen Frau gab, als Minister in Weimar?
Daß jemand etwas Zweifelhaftes oder Schlechtes tut/ akzeptiert, heißt nicht, daß er nicht auch - bezaubernde Begabungen hätte. Kinder können sich nicht dagegen wehren, bezaubert zu werden … was war es, was Dich bezaubert hat? Das bleibt - egal wers schrieb. So wie für mich manches Gedicht von Goethe. Viele Grüße, I.

Hallo Kati,

deine Frage ist aus meiner Sicht weniger eine nach dem jeweiligen Geschmack, sondern eher nach dem Umgang mit sich selbst, eine moralische Frage.

Du hast eine Entdeckung gemacht, lass sie für dich mehr bringen. Konkret: Das Buch von einem Nazi (http://www.stachel.de/01.08/8hinrichs.html) fandest du früher nett. Jetzt weißt du seine Hintergründe, jetzt kannst du dich hinterfragen und daran arbeiten, warum das nette Buch gar kein nettes ist. Mit anderen Worten, daran wachsen.

Wenn du anschliessend feststellen solltest, Inhalt des Buchs ist nazifrei, hast du ein Buch in seiner Ambivalenz erkannt (das wäre eine neue Entdeckung, im Sinne, auch Nazis mochten ihre Kinder o.ä., um z.B. sie für den Krieg heranzüchten). Solltest du allerdings eine offensichtliche oder versteckte Nazipropaganda darin entdecken, hast du noch mehr gewonnen - nämlich ihre Wirkung auf dich messen und dich davon befreien können.

So ungefähr… :smile:

Freundliche Grüße

P.S.

wie geht ihr mit so etwas um. kann man literatur und deren
autoren überhaupt von einander trennen oder sind die beiden
unweigerlich miteinander verbunden?

Kunstwerke und deren Autoren sind nur in ihrem Zusammenhang miteinander zu verstehen, inclusive ihre Zeit. Alles Andere wäre nur sich zu belügen.

Hei – die trennung von werk und autor gehe ich persönlich ganz pragmatisch an,was mir als Leser gefällt ist, wenn ich nur Leser und es ut finden ok. Es gefällt mir oder nicht. Wenn ich tiefer gehen will - aus welchen Gründen auch immer, literaturwissenschaftlich, politisch … was auch immer, ist es ein anderes Thema und eine ganz andere Auseinandersetzung. Karl May ist tofte, in einem gewissen Alter und Lese-ERfahrung, ob da homosexuelle Kontexte drin sind?? sollen Spezialisten klären … Martin WAlser? früher bekennender Linker und jetzt in der zu recht oder unrecht in der antisemitischen Ecke? seinen frühen WErke find ich gut (literarisch) seine späteren arbeiten nicht. da interessiert mich die politische Diskussion seiner Essays oder sonstigen Aussagen nicht. Wenn ein Autor seine Arbeiten nicht ausrdrücklich als (politische) Aussage definiert sollte man nur über den literarischen Gehalt und ob es einen „bewegt“ hat reden.

Gruß Uwe

Servus Kati,

keine Antwort, aber eine Anregung zum Weiterlesen:

Lies doch mal was von Knut Hamsun (z.B. „Kinder ihrer Zeit“), und informiere Dich nachher (erst dann!) über seine politischen Äußerungen und Standpunkte, und lass Dich überraschen. Lies dann (erst nachher!) die drei Bände „Langerudkinder“ von seiner Gattin Marie Hamsun und lass Dich gleich nochmal überraschen.

Und dann diskutieren wir weiter über die politische „Einordnung“ von Autoren.

Schöne Grüße

MM

Hallo, Katharina!

das hat mir einen echten schlag in den magen versetzt

Das erinnert an den Schlag, den ich erhielt, als mir klar wurde, dass das alte Schmetterhemnd nie an der Seite von Winnertwo über die Prärie ritt.

Hatte das aber bald überwunden; und ich sage immer noch mit Ernst Bloch: Es gibt Hegel und es gibt Karl May; alles dazwischen ist unnötig!

Gruß Fritz

Hamsun

Und lies „Pan“.

Grüße
Elke

in summa: reeducation victim - o.w.T.
=:open_mouth:|

danke.
danke an alle,

ihr habt mir ein paar gute denkanstöße gegeben. werde das buch jetzt auf jeden fall auch noch mal lesen und mal schauen was passiert.

liebe grüße von kati

Hi!

Ich denke es ist so oder so. Einige Autoren schreiben ihre persönlichen Ansichten und Vorlieben, andere nicht. King hat brutale Bücher geschrieben, aber hätte er solche Sachen selbst auch getan?
Schau mal bei Amazon nach dem Buch „Fleisch“. Einen Autor von einer Geschichte kenne ich. Er ist total nett :wink:

Bye

Tara ( die auch selbst schreibt und nicht möchte, dass irgendwer meint aus ihren Geschichten Rückschlüsse auf sie selbst ziehen zu können )

Autoren und ihre Bücher
Interessante Frage, Katharina!

Vor einiger Zeit las ich ein Buch eines recht bekannten und hochgelobten Autors. Ich fand es recht gut zu lesen aber nicht überwältigend.

Kurze Zeit darauf las ich die Biografie dieses Autors und fand den Kerl, gelinde gesagt, zum Kotzen. Ein richtiges A…loch.

Nun nahm ich mir das Buch noch mal vor, stellte es jedoch schon nach einigen Seiten wieder ins Regal zurück. Ich fand es nur noch peinlich und verlogen.

So geht es manchmal. Aber es gibt auch Fälle, wo man einfach nicht umhinkommt, der literarischen Leistung Respekt zu zollen, wenn man auch die Person, die diese Leistung vollbracht hat nicht besonders schätzt.

Grüße
Eckard

Hallo Eckard,

Kurze Zeit darauf las ich die Biografie dieses Autors und fand
den Kerl, gelinde gesagt, zum Kotzen. Ein richtiges A…loch.

Wenn du Bert Brecht meinst, so ging es mir bei ihm ganz genauso.

Gruß
Roland

Wenn du Bert Brecht meinst, so ging es mir bei ihm ganz
genauso.

Hallo, Roland,
nein der wars diesmal nicht :smile:
Bei mir handelte es sich um Isaak Singer
Grüße
Eckard